Die Koordinations- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie in- Hattingen hat eine eine Einschätzung zum unautorisierten Hängen der deutschen Nationalfahne im öffentlichen Raum in Hattingen veröffentlicht: »Seit ein paar Monaten gibt es auf den SocialMedia Kanälen wie Instagram und TikTok eine Kampagne von rechten Medien und AkteurInnen. Sie heißt „Aktion Flagge hissen“ und läuft unter den hashtags #Hissdieflagge oder #Hissdiefahne. Hier soll eine nationalistische Raumnahme über das Hängen der deutschen Nationalfahne in der analogen Öffentlichkeit erfolgen, die dann über SocialMedia Kanäle digital dokumentiert, weiter propagiert und beworben wird.
Es handelt sich um eine Art „Raumkampf light“ von Nationalisten und Neuen Rechten. „Light“ deswegen, weil hier die propagandistische Einnahme des öffentlichen Raumes nicht in der brachialen NS-Manier existierender Nazigruppen über verfassungswidrige Symbole, Signes rechter Parteien und Gruppen oder platte rassistische Parolen läuft, sondern über Nationale Embleme, die einen angeblichen „Patriotismus“ und „Nationalstolz“ beweisen sollen. Hier versucht man ganz im Sinne einer Metapolitik sozialen Raum mit Nationalismus zu besetzen und eine Anschlussfähigkeit zur Mitte der Gesellschaft herzustellen. Das Ziel ist es, dass nationalistisches Denken und Handeln, Nationalismus an sich zur Norm wird. Propagandaaktionen, oder besser gesagt Kommunikations-Strategien im Öffentlichen Raum, wie z.B. die „Aktion Flagge hissen“, sollen zu dieser Normalisierung beitragen. In Nordrhein-Westfalen haben bisher solche Aktionen im sauerländischen Nachrodt-Wiblingwerde und im siegerländischen Hilchenbach stattgefunden. (https://lokaldirekt.de/news/aktion-flagge-hissen-sorgt-fuer-entsetzen-in-nachrodt-wiblingwerde)
Kein Wunder also, wenn auch PolitikerInnen aus dem rechten Lager diese Aktion bewerben. Schaut man etwas genauer hin, findet man heraus, dass diese Aktionsform, wie in einer Kampagnenfabrik orchestriert, zunächst auf Online-Portalen wie z. B. „Deutschland Kurier“ begonnen hat, dann sich größere Portale wie von der „Junge Freiheit“ anschlossen, bis dass auch Meldungen im Fokus und in der Tageschau24 auftauchten:
Das Vorgehen der Behörden, wie das Abhängen der Fahnen oder das Einschalten des Staatsschutzes, sind dabei in der Medienkampagne eingeplant und wird als Zensur und Unterdrückung gewertet. Die Nationalisten ergehen sich in einer selbstgefälligen Rolle des Opfers der Demokratie.
Anscheinend hat diese rechte Kampagne nun auch Hattingen erreicht, wo in dieser Woche diverse Deutschlandfahnen im Stadtbild auftauchten, die unautorisiert an öffentlichen Plätzen aufgehangen wurden. Die Stadt Hattingen hat diese umgehend entfernen lassen, wie aus einem WAZ-Artikel hervorgeht:
https://www.waz.de/lokales/hattingen/article410690586/guerilla-aktion-in-hattingen-ploetzlich-wehen-ueberall-deutschland-fahnen.html

An Hand von über 5.300 „Daumen oben“ Icons und über 600 „Herzchen“ Icons innerhalb von 24 Stunden auf der WAZeigenen Facebook-Site lässt sich ersehen, wie die WAZ-Meldung aus Hattingen in den SocialMedia viral ging. Der Artikel erhielt dort zudem innerhalb eines Tages über 1.300 Kommentare und wurde fast 200mal verlinkt, was eine enorme Verbreitung einer lokalen Information bedeutet. Es ist zu vermuten, dass auf den entsprechenden, rechten Seiten die Meldung aus Hattingen gepostet, gelikt und zum Kommentieren aufgerufen wurde. Oder aber auch sogenannte bots, also elektronische Verstärker mit fiktiven Accounts/Personen, die hier zu findenden nationalistischen Kommentare kreiert haben.
Auf jeden Fall haben auf der Telegrammsite „Hattingen für Frieden“ die bekannten Anmelder der rechten Montagsdemonstrationen das Geschehen entsprechend kommentiert. Diese seit vier Jahren andauernden Montagsdemonstration fand am letzten Montag den 8. Dezember 2025 zum 200mal statt. Wieder zog ein Gemisch von VerschwörungstheoretikerInnen und extremer Rechten hinter Deutschlandfahnen und dem völkischen Fronttransparent her. Auf diesem Fronttransparent wird „Hattingen für Frieden“ proklamiert und neben der Friedenstaube befindet sich die Weltesche Yggdrasil aus der Edda auf dem Banner.
Hattingen scheint mit der „Aktion Flagge hissen“ ein weiteres Mal für AktivistInnen der Neuen Rechten zu einem Experimentierfeld von Kommunikationsstrategien und rechter Raumnahme geworden zu sein. Oder wie es die WAZ es ausdrückt, für rechte „Guerilla Aktionen“.«
Eine Aktion, die dieses Jahr bereits in Großbritanien für Furore sorgte und nun als „copy & paste“ bei uns über die sozialen Netzerke eine Neuauflage erfährt:
https://www.welt.de/politik/ausland/article68a583337b99884fce7027e4/Grossbritannien-Streit-um-privat-gehisste-Nationalflaggen-Premier-Starmer-schaltet-sich-ein.html
So perfide, wie intelligent!
In Großbritanienen nutzten viele Städte und Gemeinden das Argument, die Flaggen müssten aus Gründen der Sicherheit entfernt werden. Das ist natürlich an den Haaren herbei gezogen, weil mit dem gleichen Argument die Grundlage für Wahlplakate im öffentlichen Raum hinfällig wäre. So nutzt das rechte Lager diese intelligent gestrickte Polarisation zu ihren Nutzen und muss nichts tun, ausser abzuwarten. Kein Veranstalter, keine Verantwortlichen, keine unnötigen Statements. Das Verbot unserer eigenen Flagge im öffentlichen Raum ist nicht ohne negative Folgen argumentierbar.
Wie sehr die Diskussion darum in Großbritanien verfing, lässt sich dem folgenden Artiekl entnehmen. Eine Blaupause für das, was jetzt bei uns geschieht.
https://www.theguardian.com/uk-news/2025/aug/20/row-grows-over-motives-behind-england-flag-campaign-far-right-racist
Nach den Kommunen Nachrodt-Wiblingwerde und Hilchenbach fand eine solche Aktion auch in Lüdenscheid statt: https://www.come-on.de/luedenscheid/deutschland-flaggen-in-luedenscheid-sorgen-fuer-unruhe-hatten-keinerlei-kenntnis-94031044.html.
Die Hattinger WAZ berichtete noch einmal: https://www.waz.de/lokales/hattingen/article410713323/experte-warnt-das-ist-eine-rechte-propaganda-aktion-in-hattingen.html