
Die Bewohner:innen der Villa Kunterbunt haben ein dickes Paket mit Informationen an die Medien geschickt. Der darin enthaltene Bericht zur aktuellen Situation ist im Nachfolgenden dokumentiert. Viele Informationen sind auch im Spendenaufruf zu finden. Die Bedeutung der Villa sowohl für die Szene als auch für die Bewohner:Innen machen zwei Interviews mit der aktuellen Bewohnerin Blumuckel (Text und Audio) und dem ehemaligen Bewohner Jochen (Text und Audio) deutlich.
Zur aktuellen Situation:
»Wir als Bewohner:innen der Villa Kunterbunt in Bochum-Werne sind von einer Räumung unseres wunderschönen Wohnprojekts durch die Eigentümerin, die Stadt, bedroht. Lange haben wir nichts von der Stadt gehört. Plötzlich haben wir einen Zettel gefunden, der eine Hausbegehung ankündigt – die dann auch passiert ist. Nach der Hausbegehung haben wir (trotz positivem Feedback bei der Begehung zu unseren Bemühungen die Villa in Stand zu halten) eine Nutzungsuntersagung per Brief zugestellt bekommen. Grund sind angeblich Baumängel, die ein Bewohnen unmöglich machen sollen. Wir als Bewohner:innen
widersprechen dem aus eigener Erfahrung vehement. Außerdem sind
nun mehrere Monate vergangen, obwohl angeblich akute Gefahr für Leib und Leben
bestehe. Jetzt haben wir nur eine Woche Zeit bekommen, die Villa zu verlassen.
Dieses Haus rettet (in der einen Hälfte des Hauses, auf den Holln 3) aktuell 15
Menschen, sowie acht Hunde und drei Katzen vor der Obdachlosigkeit – und das kurz vor
Einbruch des Winters. Das ist ein Desaster für die Bewohner:innen und auch ein Skandal für die Stadt Bochum – darauf gehen wir im Folgenden ein. Warum eine Räumung der Villa den Verlust von Stadtgeschichte und Subkultur bedeutet: Seit 1981 gibt es das Wohnprojekt – es ist die älteste Besetzung Deutschlands. In der Villa Kunterbunt haben schon seit Jahren viele verschiedene Menschen und Gruppen aus Bochum gewohnt und sie mitgestaltet und in Stand gehalten – wir gehören zur Stadtgeschichte, zu ihrer Subkultur und widersetzen uns mit unserem Projekt den viel zu hohen Mieten und der Gentrifizierung. In der Villa Kunterbunt fanden bis vor der Androhung der Räumung regelmäßig unkommerzielle Konzerte, Partys und Veranstaltungen für alle Menschen in Bochum und überall statt. Wir laden verschiedene Bands aus unterschiedlichen Ländern ein, und sorgen so für interkulturellen Austausch. Auch unkommerzielle Kunst findet Raum in der gesamten alten Direktorenvilla. Zum Gebäude: es hat einen riesigen Rundbalkon, mehrere Küchen, Gemeinschaftsräume, einen schönen Garten mit Feuerstelle, einen runden Turm und umfasst insgesamt drei Stockwerke, sowie einen Dachboden und einen Keller, wobei letzteres auch als Proberaum für Bands genutzt wird. Wir möchten uns ganz klar von Medienberichten distanzieren, die uns als gefährlich einstufen und klarstellen: Wir sind ein buntes, kreatives und gewaltfreies Wohnprojekt! Unser aktuelles Engagement: Wir sind seit Monaten tätig, die Villa und das Hausprojekt zu retten und haben in dem Zuge verschiedene Maßnahmen ergriffen. Wir sind verstärkt dabei, zu renovieren, dabei haben wir ein großes Unterstützeri;nnennetzwerk gesammelt, aus solidarischen Menschen und Gruppen, die uns
mit Sachspenden und tatkräftig zur Seite stehen.
Außerdem haben wir eine Petition auf Go.fundme gestartet (Link hier einfügen), um die
Renovierung weiter voranzutreiben und auch, um die Bewohner:innen finanziell in diesen schweren Zeiten zu unterstützen. Es gibt von den Unterstützer:innen der Villa organisiert eine Demonstration in der
Bochumer Innenstadt am 03. November 2025 um 18 Uhr am Bochum Hbf, um auf alle diese
Probleme aufmerksam zu machen und für den Erhalt der Villa zu protestieren.
Desweiteren stehen wir in Kontakt mit unserem Anwalt und sind dabei, mit einem Notar
eine erneute Vereinsgründung zu initiieren.
Bei einem großen Vernetzungstreffen am 30. Oktober 2025 im Bahnhof Langendreer e.V.
haben wir uns auch mit verschiedenen Kommunalpolitiker:innen vernetzt, wobei uns Verteter:innen der Grünen Bochum und der Linken bundesweit (zuletzt durch Gregor Gysi
persönlich) ihre volle Unterstützung zugesagt haben.
Wir wollen unser Zuhause nicht einfach aufgeben! Besonders in Krisenzeiten des
Kapitalismus ist Wohnraum Mangelware. Außerdem sind unkommerzielle Räume für
uns Alle wichtig. Wir stehen für ein solidarisches Stadtleben und alternative Wohn- und
Lebenskonzepte!
Viva la Villa!
Wir freuen uns über jegliche Rückmeldung und Aufklärung und Verbreitung unserer
derzeitigen Situation.
Viele Grüße
Die Bewohner*innen der Villa Kunterbunt«
Die Stadt Bochum entledigt sich gern ihrer Baudenkmäler.
Die Geschichte hört sich so an, als ob Kommunalpolitiker über Jahrzehnte hinweg verschiedene Überlegungen angestellt hätten:
– Wenn wir die Bewohner zunächst werkeln lassen, passiert ja erst mal nichts. Die mache, wir können uns auf die Brust klopfen und uns in der Öffentlichkeit als freundliche Menschen darstellen, also gut fürs Image!
– Wir als Kommunalpoplitiker wissen, ohne angemessene Unterstützung der denkmalgeschützten Bausubstanz haben die Bewohner langfristig keine Chance und der bauliche zustand wird sich in jedem Fall verschlechtern!
– Wir als Kommunalpolitiker haben ohnehin kein Interesse an einem denkmalgeschützten Gebäude. Das erzeugt immer nur Kosten und einen Käufer finden wir auch nicht, da es nicht profitabel ist.
– Irgendwann ist die Bausubstanz dann so schlecht, das wir die Bewohner hinaussetzen können und es braucht nur noch 4 bis 7 Jahre und da Gebäude ust abrissreif, weil ein unbenutztes Gebäude aus Erfahrung extrem schnell verfällt, Zu besichtigen im Osten unserer BUNDESrepublik an Zahlreichen „Lost Places“!
– Wir als Kommunalpolitiker haben dann die Möglichkeit das Gebäude abzureißen. Das kostet leider viel Geld, aber man hat ein freies Baugelände! Oder wir finden einen Käufer, der uns das Grundstück abkauft wie es ist und wir legen aus öffentlichen Mittzeln noch was oben drauf für den notwendigen Abriß!
(Gedanke des Schreibers: Haben wir in unzähligen Beispielen im Osten der BUNDESrepublik gesehen. Unterstützungen für vorgesehene Sanierungen wurden gerne in großer Höhe angnommen und dann war man mal schnell weg mit der Kohle. Zahlreiche entsprechende Immobilien kann man bestimmt Besichtigen.)
– Wir als Kommunalpolitiker spüren, das jetzt ein günstiger Zeitpunkt gekommen ist, das Werk zu vollenden und mit der Räumung den letzten Akt einzuleiten. Das soziale Klima in unserem Lande war niemals so schlecht, wie gerade Jetzt.
Jeder kämpft um sein eigenes Überleben (zugegeben auf meist hohem Niveau)! Missgunst ist weit verbreitet. da kann man sich immer drauf verlassen. Die 15 Bewohner fallen im Stadtbild unter den vielenWohnungslosen doch garnicht auf!
Fazit: Wir5 al Kommunalpolitiker haben wieder mal ein schlimmes Problem gelöst! Weiter so!
Kann sich jeder seine eigene Geschichte zusammen reimen.
Aber sollte es nich wege geben, so etwas auszuschließen?
Ich habe jetzt mal gespendet, weil ich aus großer Entfernung nicht mehr tun kann.
Vielleicht finden sich ja in der Region weitere Unterstützer,
die helfen können, auf diese oder andere Weise!
Ideen sind in der Villa Kunterbunt vor dem bevorstehenden Winter und den, vielen die da noch kommen werden, sicher herzlich willkommen.
(Übrigen stehen scon in jedem Supermarkt die Weihnachtssachen bereit. ist denn schon wieder Weihnachten?)