Montag 28.09.26, 19:49 Uhr
Jubiläumsveranstaltung der VVN-BdA

80 Jahre konsequent antifaschistisch, für Frieden und Antifaschismus


Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimen – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) feierte unter dem Motto „80 Jahre konsequent für Frieden und Antifaschismus“ den 80. Jahrestag der Gründung ihrer Kreisvereinigung Bochum sowie der Landesvereinigung NRW mit einer großen Veranstaltung in der KoFabrik. In der Quartiershalle erinnerten Redner und Kulturschaffende an die Bedeutung der VVN-BdA in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Zuspitzungen.

Der Sprecher der NRW-Landesorganisation, Falk Mikosch, der auch mit Michael Niggemann durch das Programm führte, bezog sich in seiner Einleitungsrede auf die Schülerstreiks gegen die Einführung der Wehrpflicht und den Skandal in Sachsen, wo in einer Gemeinde die CDU und die AfD beschlossen haben, dort keine Stolpersteine mehr zu verlegen. Mikosch erklärte die Solidarität mit den zur gleichen Zeit stattfindenden Demonstrationen des DGB gegen den Sozialabbau.

Bochums Bürgermeister, Dr. Sascha Dewender, unterstrich in seinem Grußwort die jahrelange Zusammenarbeit der Stadt Bochum und der VVN-BdA in der Erinnerungsarbeit und der Gestaltung von Gedenkstätten.

Die große Anerkennung und der Dank für die jahrzehntelange Arbeit der VVN-BdA kamen in zahlreichen weiteren mündlichen und schriftlichen Grußworten zum Ausdruck.

Die Landesleiterin der Dienstleistungsgewerkschaft, Gabriele Schmidt, schreibt: „In einer Welt, die sich derzeit instabil darstellt, ist die VVN-BdA unverzichtbar.“

Der Bundestagsabgeordnete Serdar Yüksel und der SPD-Landesvorstand NRW erklärten: „Wir als SPD möchten Ihnen allen für Ihr unermüdliches Engagement danken. Denn gerade in NRW ist das vielfältige Erinnerungs- und Bildungsengagement der VVN-BdA von großer Bedeutung. Sie tragen historische Erkenntnisse weiter, geben den Opfern einen Namen und ein Gesicht.“

Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke schreibt, wie wichtig es sei „die Lebensgeschichten der Verfolgten und Widerstandskämpfer wachzuhalten und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus“ weiterzugeben. Und der Bundestagsabgeordnete Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): „Ich schätze die Arbeit der VVN-BdA, und ich stehe an eurer Seite, wenn es um die Frage der Gemeinnützigkeit“ der VVN-BdA geht.

In einer Grundsatzrede ging der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Dr. Ulrich Schneider, auf die vor der VVN-BdA „stehenden Herausforderungen“ und die „Themen, die die Arbeit unserer Organisation in den kommenden Jahren bestimmen werden, ein. Das „Alleinstellungsmerkmal der VVN“ ist „der organisationspolitische Ausdruck des Vermächtnisses der Überlebenden und der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung.“ Der besondere Charakter der VVN-BdA ergibt sich aus ihrer Überparteilichkeit, die entstanden ist aus den gemeinsamen Erfahrungen der Verfolgung in der Lagern und Haftstätten.“ In der VVN-BdA „muss Platz sein für unterschiedliche gesellschaftspolitische Vorstellungen, solange sie sich auf die gemeinsamen Grundlagen beziehen können.“ Schneider bezeichnete die AFD als „Speerspitze der Rechtsentwicklung. Unsere Aussage Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“

In einer Talk-Runde stellte der Bochumer Vorsitzende der der VVN-BdA, Günter Gleising, Eckpunkte der 80-jahrigen Geschichte dar. Über die Sammlung von Orten der Naziverbrechen, die Erfassung der Opfer und die ersten Darstellungen des Kampfes gegen das Naziregime, zog er eine Linie zu den (erfolglosen) Versuchen der Adenauerregierung die VVN zu verbieten und den jahrelangen „Verjährungsdebatten“ von Naziverbrechern, die schließlich in dem Gesetz über die Nichtverjährung von Mord endeten. Als großen Erfolg wertete Gleising, dass es 1969 gelang, nach großem Kampf von Hunderttausenden den Einzug der NPD in den Bundestag zu verhindern. Die Bochumer VVN-BdA sieht sich, so Gleising, bestärkt in ihren Gedenkstättenarbeit und der Fortsetzung von ihren Angeboten wie Stadtrundgänge und die Stiftung von Stolpersteinen.

Das Kulturprogramm mit dem Liedermacher Willi Karasch, dem Kabarettisten Jens Neutag und der Folkband Grenzgänger strich den Zusammenhang von politischem Kampf und Kultur heraus. Vor allem die Neuinterpretationen von revolutionären und antifaschistischen Liedern durch die Grenzgänger fand bei den gut 150 Anwesenden Anerkennung und löste viel Beifall aus.

Mit der Veranstaltung wurde die VVN-BdA bestärkt weiter für Frieden, Antifaschismus, gegen Rassismus und „das Vergessen“ aktiv zu sein.

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