In einer aktuellen Pressemitteilung der Ratsfraktion des Linken wird auf die EMail von Vonovia an den Oberbürgermeister in Bezug auf das Lebenlaute-Konzert Anfang August eingegangen und Aufklärung gefordert: »Der veröffentlichte Mailverkehr zum abgesagten Konzert des Orchesters Lebenslaute im Kunstmuseum Bochum wirft Fragen zum Entscheidungsprozess auf. Dazu Batıkağan Pulat, Vorsitzender des Kulturausschusses und stellvertretender Vorsitzender der Ratsfraktion Die Linke: „Vonovia hat sich am 17. Juli direkt beim Oberbürgermeister Jörg Lukat über die geplante Veranstaltung beschwert. dass sich ein großer Wohnungskonzern unmittelbar beim Oberbürgermeister gegen eine kritische Veranstaltung in einem städtischen Museum wendet, ist aus unserer Sicht problematisch und nicht akzeptabel.
Und wenn diese Veranstaltung kurz darauf abgesagt wird, ist es wichtig zu wissen, welchen Einfluss die Beschwerde auf die weitere Entscheidung hatte.“
Dabei ist die Chronologie interessant. Am 3. Juli wurde in einer Mail mitgeteilt, dass für das Rechtsamt die politische Ausrichtung der Veranstaltung kein Grund für eine Ablehnung sei. Am 9. Juli wurden der Verwaltung die konkreten Inhalte des Flyers bekannt. Darunter auch Formulierungen wie „Mietwucher“ und „Korruption“. Daraufhin wurden mögliche strafrechtliche Probleme thematisiert und nach einem Kompromiss für die öffentliche Ankündigung gesucht.
Am 17. Juli wandte sich Vonovia an den Oberbürgermeister. Das Schreiben ist am 21. Juli eingegangen und noch am selben Tag wird ein Videogespräch mit dem Orchester Lebenslaute, Herrn Dieckmann und Frau Adams aus der Rechtsabteilung für den 23. Juli angekündigt. Im Mittelpunkt stehen nun die rechtlichen Bedenken hinsichtlich möglicher Aussagen wie „Mietwucher“ oder „Korruption“. Am 27. Juli sicherte Lebenslaute ausdrücklich zu, keine Strafvorschriften zu verletzen. Einen Tag später wurde die Veranstaltung dennoch abgesagt. Zur Begründung verwies die Stadt unter anderem auf die Befürchtung möglicher Äußerungen, die den Tatbestand der Verleumdung oder üblen Nachrede erfüllen könnten. Dazu die Fraktionsvorsitzende Carolin Paskuda abschließend:
„Auch zugespitzte Formulierungen können Teil künstlerischer Auseinandersetzung und damit von der Kunstfreiheit gedeckt sein. Vor diesem Hintergrund stellt sich für uns auch die Frage, warum die Verwaltung unsere Anfrage von Anfang August nicht ausreichend beantwortet hat. Besonders hervorzuheben ist hier das absichtliche Verschweigen des Briefes von Vonovia. So eine intransparente Kommunikation und der Versuch der Vertuschung von Seiten der Stadtverwaltung ist für uns nicht hinnehmbar. Wir erwarten, dass die Stadtverwaltung zu unserer Anfrage in der nächsten Ratssitzung ausführlich Stellung bezieht. Darüber hinaus prüfen wir aktuell, ob eine Befassung des Rechnungsprüfungsamtes sinnvoll und erforderlich ist.“«