25 Jahre nach dem sogenannten PISA-Schock befindet sich das deutsche Bildungssystem in einer tiefen strukturellen Krise. Der PISA-Schock von 2001 galt als Weckruf für grundlegende Reformen im deutschen Bildungssystem. Ein Vierteljahrhundert später zeigt sich jedoch: Viele der zentralen Probleme sind noch immer ungelöst oder haben sich weiter verschärft. Das Bündnis „Bildungswende JETZT!“ ruft für den 19. September zu einem Protesttag auf. In Bochum startet um 12 Uhr eine Demo am Hauptbahnhof und endet mit einer Schlusskundgebung um 13 Uhr am Rathaus.
Das Bündnis schreibt: »Wie dringend der Handlungsbedarf ist, bestätigt die am 8. September veröffentlichte aktuelle PISA-Studie. 25 Jahre nach dem PISA-Schock fallen die Ergebnisse schlechter aus als damals. Das ist kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger politischer Versäumnisse. Bildungsungleichheit prägt weiterhin den Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Der Zugang zu Bildungserfolg hängt zunehmend von Einkommen und Bildungsstand der Familien ab. Gleichzeitig arbeiten Schulen, Kitas und soziale Einrichtungen vielerorts dauerhaft unter Krisenbedingungen.
Vor diesem Hintergrund ruft das überparteiliche Aktionsbündnis Bildungswende JETZT! für den 19. September 2026 zu einem bundesweiten Bildungsprotesttag auf. Das Motto lautet: „25 Jahre PISA: Schluss mit Ausreden. Bildungswende JETZT!“. Denn: Die Bildungskrise ist kein Naturereignis. Sie ist Ergebnis politischer Entscheidungen – und damit politisch veränderbar.
Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen, Ayla Çelik, mahnt: „Lehrkräftemangel, überlastete Beschäftigte und Schüler*innen, die die zentralen Basiskompetenzen nicht erreichen oder die Schule ohne Abschluss verlassen. Das zeigt, wie groß der Handlungsbedarf in unserem Bildungssystem ist. Bildung ist die wichtigste Zukunftsinvestition. Ein ‚Weiter So‘ – ohne einen notwendigen Kurswechsel einzuleiten – bedeutet: Wir verspielen die Chancen einer ganzen Generation und gefährden damit die Zukunft unserer Gesellschaft.“
Der Fachkräftemangel erreicht inzwischen nahezu alle Bereiche des Bildungs- und Sozialwesens. Lehrkräfte, Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Integrationskräfte und weitere pädagogische Fachkräfte arbeiten größtenteils am Limit. Hohe Belastungen, fehlende Ressourcen und zunehmender Verwaltungsdruck erschweren nicht nur gelingende Bildung, sondern gefährden langfristig auch Gesundheit, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Besonders deutlich wird dies im Bereich der psychischen Gesundheit junger Menschen. Kinder und Jugendliche wachsen in Zeiten multipler Krisen auf: gesellschaftliche Unsicherheiten, Leistungsdruck, Zukunftsängste, soziale Ungleichheit sowie die Folgen globaler Krisen prägen ihren Alltag. Gleichzeitig fehlen häufig ausreichende Unterstützungsangebote, verlässliche Strukturen und personelle Ressourcen.
Auch die Bezirksschüler*innenvertretung Bochum unterstützt den Bildungsprotesttag 2026 von Bildungswende JETZT! und ruft alle Schüler*innen zur Beteiligung auf: „Es ist höchste Zeit für eine Bildungswende, denn gute Bildung braucht endlich die Priorität, die sie verdient – mit ausreichenden Investitionen, modernen Schulen und echter Chancengerechtigkeit für alle.“
In zahlreichen Städten finden Demonstrationen, Kundgebungen und Protestaktionen statt. Die zentrale Kundgebung wird auf dem Heumarkt in Köln veranstaltet und bringt Teilnehmende aus Nordrhein-Westfalen sowie aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen.«