Dienstag 08.09.26, 11:22 Uhr
Tarifverhandlungen im Gastro-Gewerbe

»Maximales Geizangebot«


Die laufenden Tarifverhandlungen im nordrhein-westfälischen Hotel- und Gaststättengewerbe gehen nächsten Freitag in die dritte Runde. 6270 Beschäftigte zählt die Branche in Bochum. Ihnen drohe künftig »ein dünneres Portemonnaie als heute«, warnt Martin Mura von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Grund sei die von Arbeitgeberseite vorgeschlagene Erhöhung des Stundenlohn, die ein »maximales Geizangebot« darstelle.

So sei der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Nordrhein-Westfalen (Dehoga NRW) nicht einmal bereit, die Inflation auszugleichen. Ein Koch oder eine Restaurantleiterin etwa solle lediglich 1,9 Prozent mehr bekommen. »Wenn man das auf den Stundenlohn umrechnet, dann sind das nicht einmal 31 Cent – also weniger, als ein trockenes Brötchen kostet«, so der Geschäftsführer der NGG Ruhrgebiet.

Noch härter soll es nach Angaben der Gewerkschaft Beschäftigte treffen, die keine Ausbildung in der Gastronomie haben. »Küchenhilfen zum Beispiel wollen die Arbeitgeber künftig nur noch mit dem gesetzlichen Mindestlohn abspeisen. Ich bin gespannt, wer sich dann noch in die Küche stellt und Zwiebeln schält oder den Geschirrspüler ausräumt. Da locken Dutzende Jobs, die besser bezahlt werden und bei denen man nicht abends um 21 Uhr noch arbeiten muss.« Zudem kritisiert Mura den Umgang mit den Auszubildenden im Gastgewerbe: »Azubis sollen völlig leer ausgehen. Wer die Nachwuchsprobleme der Branche kennt, kann da nur mit dem Kopf schütteln.«

Die NGG will ein Lohn-Plus von 6 Prozent für alle Gastro-Beschäftigten – egal, ob sie in der Küche oder im Service arbeiten. Für die Auszubildenden der Branche soll es zusätzlich ein Fahrgeld geben. »Und zwar exakt so viel, wie ein Deutschland-Ticket kostet. Wer sich als Jugendlicher für den Berufseinstieg in die Gastronomie entscheidet, würde damit eine Ausbildung inklusive Mobilität mit den Öffis bekommen«

Immerhin profitierten die Arbeitgeber bereits seit Anfang des Jahres enorm von der Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent: »12 Prozentpunkte weniger Steuern – das ist viel. Davon haben die Gäste in Bochum in den allermeisten Fällen aber nichts gemerkt«, so Mura. »Und auch bei den Beschäftigten ist davon bislang nichts angekommen. Und genau das muss sich jetzt ändern.«

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