Anlässlich des islamistischen Anschlags auf den Berliner CSD meldet sich das Netzwerk Stadt für Alle erneut zum Thema Sicherheit zu Wort: »In der zweiten Hälfe des Jahres 2025 beschäftigten wir uns intensiv mit der Frage, was Sicherheit in der Stadt aus der Perspektive von Menschen bedeutet, die im allgemeinen Sicherheitsdiskurs – in dem es zumeist um sogenannte Angsträume oder die Bedrohung durch „fremde Männer“ geht – keine Rolle spielen. Darum ist auch die Forderungen der meist rechten Stimmen nach mehr Strafen, mehr Abschiebungen und mehr Überwachung keine Lösung, sondern eine Ablenkung von den Forderungen der Betroffenen.
Mit einer Flyer-Aktion bei der Bürgerkonferenz zum Thema Sicherheit und Ordnung, mit Veröffentlichungen und mit zwei Stadtrundgängen setzten wir Impulse, das Thema Sicherheit einmal ganz anders zu denken. Dabei spielte auch die zunehmende Bedrohung und Ausgrenzung queerer Menschen eine wichtige Rolle. Wir verwiesen z.B. auf die Farb-Attacke im April 2023 auf das queere Kulturzentrum „FLUID“ in Bochum. Ein wichtiger Partner bei den Stadtrundgängen waren Aktive des queeren Treffpunktes »Oval Office Bar« im Schauspielhaus.
Unsere Frage an die Aktiven des »Oval Office«, was von Seiten der Politik und der Zivilgesellschaft getan werden muss, um mehr Sicherheit für queere Menschen in Bochum zu schaffen, beantworteten sie wie folgt:
„Die finanzielle Absicherung queerer Beratungsstellen und Hilfsangebote in Bochum muss dauerhaft sichergestellt werden. Dazu gehört die Rosa Strippe, das WiR Zentrum und das Fluid. Diese Orte zum Treffen, Austauschen und zur Beratung sind zentral für queere Menschen und geben essenzielle Sicherheit.
Betroffenen von queerfeindlicher Gewalt müssen Zugang zu sozialen und psychotherapeutischen Angeboten in verschiedenen Sprachen haben. Außerdem muss medizinische und wenn gewollt therapeutische Betreuung von queeren Geflüchteten in Bochum durch Personal in den Unterkünften bereit gestellt werden. Dazu braucht es Schulungen und Informationsmaterial sowie die sichere Möglichkeit externer Beratung.
Eine nicht-polizeiliche Meldestelle für queerfeindliche Hassgewalt vor Ort (ähnlich der digitalen Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit NRW – MIQ NRW – Queeres Netzwerk NRW) ist wichtig, um dieser Gewalt etwas entgegen zu setzen. Es wäre nötig, die Gründung eines Netzwerks nach Münsteraner Vorbild »Trans-Inter Münster e.V.« (Angebote wie Selbsthilfegruppen, Aufklärungsangebote, Vernetzung usw.) voranzutreiben.“
Diese Forderungen bleiben aktuell. Denn die Bedrohung mit Gewalt und die Ausgrenzung queerer Menschen geschieht nicht nur durch religiöse Fundamentalisten, nationalistisch-identitäre Gruppierungen und gewaltbereite Rechtsextreme. Auch in der Mitte der Gesellschaft werden Anliegen der queere Community nicht ernst genommen oder zurückgewiesen. Erinnert sei hier an die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, der Reichstag sei kein Zirkuszelt, mit der er das Hissen der Regenbogenflagge während des Pride-Monats im Juli 2025 ablehnte.
Unsere Gedanken sind bei den Opfern des Anschlags und ihren Angehörigen.«
