Freitag 31.07.26, 13:08 Uhr
Die Linke und attac kritisieren Zensur

Solidarität mit Lebenslaute


Die Absage des Konzerts „Viva la musica – enteignet Vonovia“, das für den 7. August im Kunstmuseum geplant war, stößt auf heftige Kritik. Die Linke Ratsfraktion spricht von Zensur, die attac-Stadtgruppe Bochum kritisiert die Unterdrückung einer notwendigen Diskussion. Das Konzert sollte die Rolle großer Wohnungsunternehmen bei der immer schärferen Wohnungsnot zur Diskussion stellen.

Die Ratsfraktion Die Linke schreibt: »Das politische Orchester Lebenslaute berichtet, dass eine bereits bestätigte Raumreservierung für das Konzert „Viva la Musica – enteignet Vonovia“ im Kunstmuseum Bochum gekündigt wurde. Geplant war ein Konzert mit klassischer Musik und Redebeiträgen zu Wohnungsnot und dem Geschäftsmodell großer Immobilienkonzerne. Das Kunstmuseum begründet die Kündigung damit, dass Lebenslaute in der Veranstaltungsankündigung den Namen des Wohnungskonzerns Vonovia nennen wolle und deshalb Verleumdung oder üble Nachrede nicht ausgeschlossen werden könne. Dazu Maria Trautmann, sachkundige Bürgerin im Ausschuss für Kultur und Tourismus für die Ratsfraktion Die Linke in Bochum:

„Wohnungsnot, Verdrängung und Mietenexplosion sind reale Probleme, von denen uns viele Menschen bei Gesprächen an der Haustür berichten. Angesichts der bundesweiten Einschränkungen der Kunstfreiheit ist es ein fatales Signal, wenn eine Veranstaltung zu diesen Themen in einer kommunalen Kulturinstitution zensiert wird. Wir werden das Geschehnis im Ausschuss weiterverfolgen“.

Die Ratsfraktion Die Linke solidarisiert sich mit dem Orchester Lebenslaute und unterstützt die Forderung, dass das Konzert wie geplant stattfinden kann. Lara Lösch, Kreissprecherin der Bochumer Linken:
„Gerade öffentliche Kultureinrichtungen müssen Orte sein, an denen gesellschaftliche Konflikte und politische Debatten ihren Platz haben. Dazu gehört auch, die Rolle profitorientierter Immobilienkonzerne wie Vonovia kritisch zu thematisieren. Kunst muss Missstände benennen und unbequeme Fragen stellen. Ein Konzert, das sich mit den sozialen Folgen der Wohnungspolitik auseinandersetzt, gehört in den öffentlichen Raum.“«

Die attac-Stadtgruppe Bochum schreibt: »Die attac-Stadtgruppe Bochum protestiert aufs Schärfste gegen die Absage des Konzertes des politischen Orchesters Lebenslaute, das für den 7. August im Kunstmuseum geplant war. Das Konzert unter dem Titel „viva la musica – enteignet Vonovia“ sollte die Rolle großer Wohnungsunternehmen bei der in deutschen Ballungszentren immer schärferen Wohnungsnot beleuchten.

„Die Forderung nach einer Enteignung stellt sicherlich ein Extrem dar“, stellt Aichard Hoffmann von attac-Bochum klar, „aber ein Extrem, das unser Grundgesetz ausdrücklich vorsieht, wenn es um das Wohl der Allgemeinheit geht. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Wohnungsriesinnen wie Vonovia, LEG und Co. zu dem geworden sind, was sie heute sind, weil die öffentliche Hand in den nuller Jahren hunderttausende Wohnungen privatisiert hat. Inzwischen gibt es genug Erfahrungen mit börsengetriebenen Wohnungsunternehmen, dass auch dem Letzten klar sein müsste, dass das ein Fehler war. Also muss man auch darüber diskutieren dürfen, wie diese Wohnungen wieder unter öffentlich Kontrolle zu bringen sind. Enteignung ist ein Weg dazu, den das Grundgesetz in Artikel 14 ausdrücklich nennt.“

Dass die Stadt Bochum diese Diskussion zu unterdrücken versucht oder zumindest in ihren eigenen Räumen nicht dulden will, zeigt laut attac, wie die Stadt vor Unternehmen kuscht, die man als bedeutende Arbeitgeber und Sponsoren in Bochum bezeichnen könnte. „Worum geht’s?“, fragt attac. „Befürchtet die Stadt, dass Vonovia den Sponsoring-Vertrag bezüglich des Ruhr-Stadions nicht verlängern könnte, wenn das politische Umfeld nicht mehr freundlich genug erscheint?“

Attac stellt klar: Vonovia ist das größte Wohnungsunternehmen in Europa – und gleichzeitig dasjenige, dass den Mieter:innen am meisten Probleme verursacht. Mieterhöhungen, Wohnungsmängel und vor allem die Nebenkosten treiben den Mietervereinen im Ruhrgebiet Vonovia-Mieter:innen in Scharen zu. Hoffmann: „Darüber wird seit Jahren öffentlich diskutiert, aber die Stadt Bochum spricht von Verleumdung und übler Nachrede. Die Verantwortlichen sollten vielleicht mal ab und zu die Zeitung lesen, dann wüssten sie, dass sie mit Vonovia zwar einen Konzern von bedeutender Größein der Stadt haben, aber auch einen riesigen Problemschaffer für hunderttausende Mieter:innen.“«

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert