Sonntag 12.07.26, 17:40 Uhr
Aktion von IPPNW und Friedensplenum zum "Mayors for Peace" Tag 2026 in Bochum

Begrüßungsrede von Arno Lohmann


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zum heutigen „Mayors for Peace“-Tag und freue mich, dass wir uns anlässlich dieses besonderen Gedenkens hier versammelt haben.

Wir kommen heute zusammen, um ein sichtbares Zeichen zu setzen. Wenn wir gleich die Flagge der „Mayors for Peace“ vor unserem Rathaus hissen, tun wir dies nicht nur als symbolischen Akt. Wir tun es aus tiefer Überzeugung und in Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft unserer Stadt.

Für Bochum hat der heutige Tag eine außerordentliche Bedeutung: Unsere Stadt ist seit nunmehr 20 Jahren stolzes Mitglied dieses internationalen Netzwerks. Was 1982 auf Initiative von Takeshi Araki, dem damaligen Bürgermeister von Hiroshima, als Appell zur Abschaffung von Atomwaffen ins Leben gerufen wurde, ist heute eine weltweite Bewegung. Mehr als 8.500 Städte und Gemeinden werben gemeinsam für Frieden, nukleare Abrüstung und internationale Verständigung.

Ein Blick auf die weltpolitische Lage zeigt uns schmerzhaft, wie zerbrechlich die globale Sicherheitsordnung ist. Konflikte, Kriege und nukleare Aufrüstung bestimmen viel zu oft die Schlagzeilen. Mit Blick auf diese unzähligen internationalen Krisen scheint dieses Gedenken notwendiger denn jeher. Angesichts dessen mag man sich als einzelne Kommune manchmal ohnmächtig fühlen. Doch genau hier setzt unsere Idee an:

„Der Wunsch nach Frieden verbindet die Menschen über alle Grenzen hinweg. Und es sind die Städte und Gemeinden, in denen die Menschen leben, in denen Frieden gestaltet und bewahrt werden muss.“
Mit dem Hissen dieser Flagge senden wir heute aus Bochum eine klare Botschaft:
 * Wir sagen Nein zu atomarer Aufrüstung und Krieg.
 * Wir sagen Ja zu Diplomatie, Dialog und internationaler Verständigung.
 * Wir stehen solidarisch an der Seite aller Menschen, die weltweit unter den Folgen von Krieg und Gewalt leiden.

Mein besonderer Dank gilt der IPPNW-Gruppe Bochum – den Internationalen Ärztinnen und Ärzten für die Verhütung des Atomkrieges –, die auch in diesem Jahr diese Veranstaltung organisieren. Mit zahlreichen Aktionen, Vorträgen und Ausstellungen haben Sie bereits im Vorfeld des Flaggentags erneut auf dieses überlebenswichtige Thema aufmerksam gemacht.

Seit der Gründung Ihrer Initiative im Jahr 1980 engagieren sich Gesundheitsfachkräfte aus aller Welt unermüdlich für Frieden, Abrüstung und Menschenrechte.

Gemeinsam mit der von Ihnen mitinitiierten Internationalen Kampagne ICAN haben Sie entscheidend dazu beigetragen, dass das Thema der atomaren Abrüstung wieder auf die internationale Agenda gerückt ist. Für dieses außergewöhnliche Engagement wurde ICAN im Jahr 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Dafür gebührt allen Beteiligten unser großer Respekt und herzlicher Dank!
Auch die Stadt Bochum hat sich klar positioniert.

Bereits am 3. Juli 2019 hat sich der Rat der Stadt mehrheitlich dem ICAN-Städteappell angeschlossen. Damit fordert unsere Stadt die Bundesregierung auf, dem Vertrag der Vereinten Nationen über das Verbot von Atomwaffen beizutreten. Dieses Bekenntnis gilt unverändert. Gerade angesichts neuer geopolitischer Spannungen und einer zunehmend unsicheren Weltlage dürfen wir das Ziel einer atomwaffenfreien Welt niemals aus den Augen verlieren.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises einen Gedanken formuliert, der bis heute nachwirkt: Er erinnerte daran, dass es das Böse in der Welt gibt und dass Gewalt in bestimmten Situationen notwendig sein kann, um Menschen zu schützen oder Aggressionen zu stoppen. Diese Einsicht bedeutet jedoch keineswegs, den Glauben an den Frieden aufzugeben. Im Gegenteil: Gerade weil die Welt unvollkommen ist, brauchen wir starke internationale Institutionen, verlässliche Bündnisse und gemeinsame Regeln.
Frieden entsteht nicht von selbst. Er wächst durch Vertrauen, durch Diplomatie, durch Zusammenarbeit und durch den stetigen Ausbau jener Institutionen, die Konflikte einhegen und Verständigung ermöglichen. Diese Haltung passt perfekt zum Selbstverständnis der „Mayors for Peace“.
Städte können Kriege vielleicht nicht verhindern. Aber sie können Verantwortung übernehmen. Sie können Räume des Dialogs schaffen, Partnerschaften pflegen, die Erinnerung lebendig halten und deutlich machen, dass Sicherheit niemals auf der Drohung gegenseitiger Vernichtung beruhen darf.

Friedensarbeit beginnt aber nicht erst auf der großen Weltbühne, sondern vor unserer eigenen Haustür. Sie beginnt dort, wo wir Vielfalt respektieren, Schwächere schützen und Vorurteile abbauen. Ein friedliches Miteinander in unserer Stadt ist das Fundament, auf dem wir aufbauen. Wir wissen, dass Unterdrückung, Gewalt und Kriege auch künftig nicht einfach verschwinden werden. Gerade deshalb dürfen wir den Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde niemals einstellen. Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass wir die Schwierigkeiten leugnen, sondern dadurch, dass wir ihnen entschlossen begegnen.

Der „Mayors for Peace“-Tag erinnert uns daran, dass Frieden immer auch vor Ort beginnt – in unseren Städten, in unseren Schulen, an unseren Arbeitsplätzen und in unserem täglichen Miteinander. Als Stadt Bochum werden wir uns weiterhin gemeinsam mit tausenden Kommunen weltweit für Dialog, Verständigung und eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen.

Lassen Sie uns dieses Banner als tägliche Mahnung und gleichzeitig als Versprechen verstehen. Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen und Ihr unermüdliches Engagement und wünsche der heutigen Veranstaltung einen erfolgreichen und inspirierenden Verlauf.