Liebe Gäste, liebe Freund:innen und Mitstreiter:innen,
wie schön ist es, heute mit Ihnen und Euch hier zusammenzukommen.
Das Festival Ruhr International macht Bochum an diesem Wochenende zu einem Ort der Begegnung, der Musik, der Farben und der Geschichten. Es zeigt, was unsere Stadt ausmacht: Vielfalt, Offenheit und Zusammenhalt.
Wir, die migrantischen Organisationen aus Bochum und der Region, stehen heute mit Freude hier. Denn das, was wir hier feiern, ist keine Inszenierung und keine Folklore. Es ist die Realität unserer Stadt und unseres Ruhrgebiets.
Seit Generationen prägen Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern diese Region. Sie haben in den Zechen gearbeitet, Unternehmen aufgebaut, Familien gegründet, Vereine geschaffen, Kultur gestaltet und unsere Gesellschaft mitgetragen. Ohne sie gäbe es das Ruhrgebiet, wie wir es kennen, nicht.
Bochum, Nordrhein-Westfalen und Deutschland sind Einwanderungsregion und Einwanderungsland. Und das ist keine Herausforderung, die wir bewältigen müssen – es ist eine Stärke, auf die wir stolz sein können.
Niemand verlässt leichtfertig seine Heimat, seine Familie, seine Sprache oder seine vertraute Umgebung.
Wer migriert, beginnt oft bei null. Migration bedeutet Unsicherheit. Migration bedeutet Neuanfang. Migration bedeutet Mut.
Mut, sich auf eine neue Gesellschaft einzulassen. Mut, Hindernisse zu überwinden. Mut, trotz Rückschlägen weiterzugehen.
Millionen Menschen haben diesen Mut aufgebracht. Sie arbeiten hier, zahlen Steuern, gründen Unternehmen, pflegen Angehörige, engagieren sich ehrenamtlich und übernehmen Verantwortung für unser Gemeinwesen.
Sie sind nicht Gäste dieser Gesellschaft. Sie sind Teil dieser Gesellschaft.
Und trotzdem erleben viele Menschen mit Migrationsgeschichte jeden Tag etwas anderes.
Während wir hier Vielfalt feiern, werden anderswo Menschen aufgrund ihres Namens, ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft benachteiligt.
Während wir hier von Zusammenhalt sprechen, werden Zugehörigkeiten infrage gestellt.
Während wir hier kulturelle Vielfalt bewundern, erleben viele Menschen Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus.
Das ist die andere Realität.
Eine Realität, die wir benennen müssen.
Denn Vielfalt kann nicht nur dann willkommen sein, wenn sie bunt aussieht, gut klingt und sich für schöne Bilder eignet.
Vielfalt bedeutet auch gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleiche Teilhabe.
Und genau daran fehlt es vielerorts noch immer.
Unsere Arbeit hält die Gesellschaft zusammen
Migrantische und postmigrantische Vereine leisten seit Jahrzehnten unverzichtbare Arbeit.
Wir begleiten Menschen beim Ankommen. Wir fördern Bildung und gesellschaftliches Engagement. Wir schaffen Begegnungen, stärken Demokratie und organisieren Solidarität im Alltag.
Oft dort, wo staatliche Strukturen an ihre Grenzen stoßen.
Doch viel zu oft geschieht diese Arbeit unter prekären Bedingungen. Mit befristeten Förderungen, unsicheren Perspektiven und einem enormen bürokratischen Aufwand.
Dabei sind wir keine Randerscheinung.
Wir sind Teil der Lösung.
Wir sind Partnerinnen und Partner einer demokratischen und vielfältigen Stadtgesellschaft.
Deshalb richten wir heute drei klare Forderungen an die Stadt Bochum und an die Politik in Nordrhein-Westfalen:
Erstens: Verlässliche und dauerhafte Förderung migrantischer Organisationen.
Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt will, muss diejenigen stärken, die ihn jeden Tag praktisch gestalten. Gute Arbeit braucht langfristige Unterstützung und Planungssicherheit.
Zweitens: Interkulturelle Öffnung mit konkreten Ergebnissen.
Vielfalt muss sich in Verwaltungen, Institutionen, Kulturhäusern und Führungsebenen widerspiegeln. Nicht nur in Leitbildern und Broschüren, sondern dort, wo Entscheidungen getroffen werden.
Drittens: Echte Mitbestimmung statt symbolischer Beteiligung.
Redet nicht über uns – entscheidet mit uns.
Wenn es um die Zukunft unserer Stadt geht, gehören Menschen mit Migrationsgeschichte von Anfang an an den Tisch. Nicht als Teilnehmer. Nicht als Alibi. Sondern als echte gleichberechtigte Partner.
Wir wollen eine Gesellschaft, die niemanden aufgrund seiner Herkunft ausgrenzt.
Eine Gesellschaft, die Vielfalt nicht als Problem betrachtet, sondern als demokratische Stärke.
Eine Gesellschaft, in der Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und gegenseitiger Respekt nicht verhandelbar sind.
Eine Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben – unabhängig von ihrem Namen, ihrer Religion, ihrer Hautfarbe oder ihrer Familiengeschichte.
Zusammenhalt braucht Gerechtigkeit
Liebe Freund:innen und Mitstreiter:innen, das Ruhrgebiet war immer dann stark, wenn Menschen füreinander eingestanden sind.
Doch Zusammenhalt entsteht nicht von selbst.
Zusammenhalt braucht Respekt.
Zusammenhalt braucht gleiche Chancen.
Zusammenhalt braucht Gerechtigkeit.
Und Zusammenhalt braucht den Mut, sich gegen Ausgrenzung und Spaltung zu stellen.
Lassen wir uns heute von diesem Festival daran erinnern, wie vielfältig und lebendig unsere Stadt ist.
Feiern wir miteinander.
Tanzen wir miteinander.
Kommen wir miteinander ins Gespräch.
Und arbeiten wir morgen gemeinsam weiter an einer Stadt, in der Teilhabe nicht nur ein Versprechen ist, sondern gelebte Wirklichkeit.
Vielen Dank.
Im Namen von Bonem e.V. & LV-NeMO-NRW e.V.