
Ich darf euch solidarische Grüße aus unserem Bezirk übermitteln- tolles Bild hier! Wir stehen solidarisch an eurer Seite, im Kampf für eure berechtigten Forderungen! Ohne euch, Kolleginnen und Kollegen bewegt sich im Handel nichts und deshalb ist es so wichtig, dass ihr heute hier in Bochum und bundesweit an vielen Orten auf der Straße seid und lautstark auf eure berechtigten Forderungen aufmerksam macht.
Kolleginnen und Kollegen,
ihr leistet jeden Tag gute Arbeit, harte Arbeit, die Arbeit im Handel ist ein Knochenjob. Nur mit eurer Arbeit ist es doch erst möglich, dass die Handelskonzerne dicke Profite erwirtschaften. Vernünftige Lohnsteigerungen sind daher kein Geschenk, sondern etwas, was euch zusteht!
Dieser Logik folgen die Arbeitgeber des Handels aber keineswegs. Sie lassen euch weiter auf faire Löhne warten, sie Spielen auf Zeit. Das bisherige Angebot (Einzelhandel) sieht eine sechsmonatige Nullrunde vor, danach soll es ab November 2026 2 % und ab August 2027 1,5 % geben, bei einer Laufzeit von 24 Monaten – macht unterm Strich 1 % Lohnsteigerung pro Jahr.
Das ist ein schlechter Witz, eine Frechheit! Das können wir uns nicht bieten lassen! Das gleicht noch nicht einmal die Inflation aus und hilft wirklich wenig bei den aktuellen Preissteigerungen. Dabei ist es doch leider bittere Realität, dass viele Kolleginnen und Kollegen im Handel schon jetzt nicht wissen, wie sie die steigenden Kosten für Energie, Miete und Lebensmittel noch bezahlen sollen.
Ich appelliere an die Arbeitgeber in der kommenden Verhandlungsrunde am 11. Juni endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen. Es geht um Respekt und Anerkennung für eure Arbeit und die muss auch auf dem Konto ankommen!
Deswegen gehen wir als ver.di für unsere Forderungen auf die Straße: Vereint, zusammen, entschlossen, das ist die Macht unserer Mitglieder, das ist die Power von ver.di! Wie gut, dass wir die haben und danke, dass ihr dazu beitragt!
Kolleginnen und Kollegen, Tarifverhandlungen finden nie im luftleeren Raum statt. Es sind gerade turbulente Zeiten, die Arbeitgeber sehnen unbezahlte Karenztage und längere Arbeitszeiten herbei, aus der Politik hören wir Erzählungen, wir seien zu faul, zu teuer, zu krank. Sie diskutieren längere Arbeitszeiten, spätere Renten und Kürzungen beim Sozialstaat.
Von der Kanzlerpartei dürfen wir uns anhören, dass wir gerne in Teilzeit arbeiten, weil das gut zu unserem Lifestyle passt. Jetzt frage ich mal, wer im Handel gerne freiwillig in Teilzeit arbeitet? Die Realität ist doch, dass Teilzeitarbeitsverhältnisse in den allermeisten Fällen erzwungen werden und es keine freie Wahl gibt.
Auch in den aktuellen Diskussionen zu unserem Sozialstaat müssen wir sagen: Bis hierhin und nicht weiter und unsere politische Stimme als ver.di erheben. Ein starker Sozialstaat ist kein Luxus, er ist das Fundament für unseren Zusammenhalt in der Gesellschaft. Er sorgt dafür, dass Menschen Sicherheit haben und genau diese Sicherheit ist die Basis für wirtschaftlichen Erfolg.
Wer ihn kaputt macht, wer sagt: „Wir können uns dieses System, das wir heute so haben, einfach nicht mehr leisten“, der sägt an den Grundfesten unserer Demokratie.
Wir sagen, das absolute Gegenteil ist der Fall! Wir können uns keine Kürzungen in der sozialen Sicherung leisten. Sonst driftet unsere Gesellschaft immer weiter auseinander. Sonst verschlechtern sich die Lebensbedingungen für viele Menschen, werden die Grundlagen der Demokratie untergraben:
Kolleginnen und Kollegen, die Alternative liegt auf der Hand:
Sehr hohe Einkommen und große Vermögen müssen angemessen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligt werden. Über ein gerechtes Steuersystem, über die solidarische Einbeziehung aller in die Sozialversicherungen.
Wenn in Deutschland zwei Familien mehr besitzen als 42 Millionen Menschen und das Vermögen der Milliardär*innen allein 2025 real um 30 % auf über 715 Milliarden € gewachsen ist, während gleichzeitig 13 Mio. Menschen unterhalb der Armutsgrenzen leben, dann sag ich: Es wird höchste Zeit!
Liebe Kolleginnen und Kollegen lasst mich auf einen Punkt in dieser Sozialstaatsdebatte hinweisen, der mir besonders am Herzen liegt: Stichwort: gesetzliche Krankenversicherung!
Es braucht eine faire uns ausgewogene Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Wir wollen keine Politik zu Lasten der Menschen. Kürzungen bei Krankenversicherung, Pflege und Gesundheit können wir nicht hinnehmen.
Der Plan von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zu Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung ist eine Kampfansage an uns alle, er hat eine erhebliche soziale Schieflage. Sollte das Gesetz so umgesetzt werden, ginge das erheblich zu Lasten der Versicherten.
Die paritätische Finanzierung, die Arbeitgeber und Beschäftigte zu gleichen Teilen tragen, würde weiter ausgehebelt. Zugleich sollen die Versicherten höhere Zuzahlungen leisten und gleichzeitig weniger Leistungen und Absenkungen beim Krankengeld hinnehmen. Widerstand ist angesagt!
Deshalb tragen wir unseren Protest zu denjenigen, die jetzt die richtigen Entscheidungen treffen müssen: die Gesundheitsminister*innen.
Am 10. Juni demonstrieren wir in Hannover für eine Gesundheits- und Sozialpolitik, die alle schützt. Nicht nur diejenigen, die es sich leisten können. Kommt mit und lasst uns gemeinsam Druck machen. Busse fahren von vielen Orten in NRW aus los. Informiert euch in eurem Bezirk über die Busanfahrt!