Sonntag 03.05.26, 21:30 Uhr
Verwaltung ignoriert Fragen und Anregungen von Politik und Bürger:innen

Enttäuschender Auftritt des Planungsamtes in der Bezirksvertretung Süd


Die Bürgerinitiative Technologiequartier informiert: »Am 28.4.26 berichteten Vertreter des Planungsamtes Bochum vor der Bezirksvertretung Süd (BV-Süd) zum aktuellen Stand der Planung zur Ost-Erweiterung des Technologiequartiers (TQ) Bochum Querenburg (Bebauungsplan 1039). Zuvor war dem Amt ein Fragenkatalog der BV-Süd vorgelegt worden. Sie steht dem Vorhaben mit deutlicher Mehrheit kritisch gegenüber. Auch Fragen der Anwohner waren in den Katalog eingeflossen. Bereits im Februar dieses Jahres hatten zahlreiche Bürger ihre Kritik an dem Vorhaben im Rahmen der Bürgerbeteiligung beim Planungsamt eingereicht.

Der Auftritt des Planungsamtes zeigte jedoch vor allem eines: Einwände, Fragen und Vorschläge von Bezirksvertretern und betroffenen Bürgern scheinen die Stadtverwaltung Bochum nicht zu interessieren. Statt auf Einwände und Kritik einzugehen, verfolgt das Planungsamt weiterhin ein teures und in der vorgestellten Form zweifelhaftes Vorhaben. Referiert wurde nur über die Fortschritte bei der Verfolgung des umstrittenen Planungsentwurfs. Über Alternativen wird offenbar nicht einmal nachgedacht. Bürgerbeteiligung wird so zur hohlen Phrase.
Dem Entwurf des Baudezernats für die TQ-Ost-Erweiterung liegt ein Auftrag des Planungsausschusses des Rates des Stadt zugrunde, der allerdings auf Antrag des Baudezernats selbst erteilt wurde. Dieser Auftrag beruft sich auf den Rahmenplan „Bochum Campus“. Der enthält jedoch auch zahlreiche alternative Maßnahmen für eine Erweiterung des TQ. Von all diesen Alternativen hat das Baudezernat die umwelt- und klimaschädlichste sowie anwohnerfeindlichste Variante ausgesucht. Obendrein wird sie den Firmen im bestehenden TQ eine verschlechterte Verkehrsanbindung bescheren. Alternativen wie z.B. die Überbauung des Parkplatzes an der Hochschule Bochum zwischen Schattbachstraße und Lennershof oder die Verdichtung der Bebauung im bestehenden TQ werden dagegen nicht verfolgt, obwohl diese weitaus weniger schädliche Nebeneffekte mit sich brächten. Warum beginnt man ausgerechnet mit dieser TQ-Ost-Erweiterung, für die ein beachtlicher Wald-bestand gerodet und eine grüne Ausgleichsfläche überbaut werden soll? Das kann wohl nur jemand verstehen, der den Klimawandel leugnet und dem die zukünftige Wohn- und Lebensqualität in Bochum einerlei ist¹. Kein Kontinent wird sich stärker erhitzen als Europa und für Bochum ist mit einer Vervielfachung der Hitzetage sowie mit deutlich höheren Temperaturen zu rechnen.²
Aber selbst wenn man schon unbedingt die Ausgleichsfläche östlich des TQ bebauen will, stellt sich die Frage, warum auch noch die südliche Zufahrt des Hustadtrings auf die Universitätsstraße in Richtung Autobahnen (das „Ohr“) überbaut werden soll, obwohl dafür ein Wald gerodet werden muss und massive und teure Eingriffe in eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur erforderlich werden. Die so gewonnene Fläche beträgt nämlich nur etwa 20% des gesamten Areals des Bebauungsplans 1039 (vgl. Abb.). Sie könnte leicht durch höhere oder dichtere Bebauung auf dem restlichen Areal kompensiert werden.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Nachfrage nach Büroarbeitsplätzen aufgrund von Home Office und KI dauerhaft sinken wird, wie namhafte Quellen übereinstimmend prognostizieren.³ Viele Unternehmen haben bereits heute überdimensionierte Büroflächen, die sich bald in manifesten Leerstand verwandeln werden. Das alles ficht das Baudezernat nicht an. Was wirklich hinter diesem Planungsauftrag für die TQ-Erweiterung steckt, bleibt ein Rätsel angesichts der zahlreichen Ungereimtheiten und Nachteile für Umwelt, Klima, Bürger und das TQ selbst.
Der Treiber für dieses Vorgehen scheint vor allem das Baudezernat der Stadt zu sein.⁴ Es hat dafür gesorgt, dass die Ost-Erweiterung des TQ in der vorliegenden Form überhaupt in den Rahmenplan kam. Es hat genau diese TQ-Erweiterung als erste aller denkbaren Erweiterungsmaßnahmen ausgewählt und sich dafür die politische Legitimation beschafft. Es sorgt dafür, dass es keine Abweichungen von diesem Plan gibt trotz aller vernünftigen Einwände und Gegenvorschläge. Man fragt sich, wodurch dieses Vorgehen wirklich motiviert wird. Die Arbeitsplätze können es nicht sein, denn die können auch anders, einfacher und besser bereitgestellt werden.
Fragen der BV-Süd wurden im Vortrag des Planungsamtes zunächst keines Wortes gewürdigt und auch auf Nachfrage nur ausweichend oder pauschal beantwortet. Man erfülle schließlich einen Auftrag der Politik (den man sich selbst besorgt hat); Home Office gehe schon wieder zurück (obwohl alle Prognosen von einem dauerhaft hohen Stand ausgehen); man plane schließlich für 30 Jahre (aber offenbar nicht mit Blick auf Klima und Umwelt und ohne sich um Prognosen zum Bedarf an Büroarbeitsplätzen zu kümmern); Belastungen für Anwohner würden schon nicht so schlimm werden (vermutlich vor allem, weil man selbst nicht betroffen ist). Es gab keine einzige fundierte Antwort auf die gestellten Fragen. Dabei ist Dialogbereitschaft auf Bürgerseite durchaus vorhanden, denn viele Bürger stellen das Ziel der TQ-Erweiterung, d.h. die Bereitstellung neuer Büroarbeitsplätze, gar nicht vorrangig in Frage. Die Kritik richtet sich vor allem gegen das Wie und insbesondere gegen die Stilllegung des südlichen Zubringers zu Universitätsstraße. Dennoch richtet sich das Bestreben des Baudezernats ausschließlich darauf, den vorgelegten Plan zu 100% umzusetzen. Dafür wird schon jetzt viel Geld ausgegeben für Verkehrsgutachten und weitere Planungsschritte auf der Linie des Baudezernats.
Dabei liegt eine einfache, kostengünstige, umweltfreundliche und zugleich zielkonforme Lösung für die Ost-Erweiterung des TQ auf der Hand. Sie besteht darin, die Zufahrten zur Universitätsstraße zu belassen, wie sie sind, und das verbleibende Areal des Bebauungsplans etwas höher oder dichter zu bebauen. Auf diese Weise könnte die gleiche Zahl an Büroarbeitsplätzen bereitgestellt werden, aber
1. hohe Kosten für Straßenbau- und Erdarbeiten könnten eingespart werden,
2. negative Folgen für die Anbindung des TQ selbst und den ganzen Stadtteil Querenburg an die Autobahnen würden vermieden,
3. ein ganzes, wertvolles Waldstück bliebe erhalten und
4. Belastungen für die Bürger Querenburgs aufgrund veränderter Verkehrsbeziehungen würden vermieden.
All diese Aspekte sind dem Planungsamt bekannt, spielen jedoch allem Anschein nach bisher überhaupt keine Rolle. Und das nach inzwischen fast 3 Jahren Planungszeit und langem Widerstand der BV-Süd.
Sowohl Bezirksvertreter von CDU, SPD, Grünen und Linken zeigten sich bestürzt angesichts des Vortrages des Planungsamtes. Der Bezirksbürgermeister, Olaf Peters, brachte dies am Ende deutlich zum Ausdruck und bescheinigte dem Planungsamt eine vertane Chance, mit der BV Süd und den Bürgern der Stadt in einen Dialog zu kommen. Anwesende Bürger zeigten sich schockiert über den Auftritt des Planungsamts.
So bleibt der Eindruck, dass die Stadtverwaltung weiterhin ein unzeitgemäßes, fragwürdiges Projekt auf Biegen und Brechen ohne Rücksicht auf Bürger, Umwelt, Klima und Kosten für die öffentliche Hand mit fadenscheinigen Argumenten durchdrücken will.«

Quelle:Ratsinformationssystem Bochum, Vorgang 20251221, Osterweiterung_Straßenführung_Anlage“ / Schraffur vom Autor ergänzt

¹ Klima wandel in Bochum, URL: https://bochum.scientists4future.org/impulspapier_klimanotstand
² RUB, Geographisches Institut,URL: https://www.geographie.ruhr-uni-bochum.de/news/2025/news-202510-02505.html.deWDR, URL: https://reportage.wdr.de/wie-wird-das-klima-in-nrw-2050#chapter-572
Klimaatlas NRW, URL: https://www.klimaatlas.nrw.de/klima-nrw-karte?&itnrw_address=Bochum%20Querenburg
³ ifo-Institut, URL: The Impact of Working from Home on the German Office Real Estate Market | Aufsatz in Zeitschrift | ifo Institut | EconPol
⁴ Ratsinformationssystem Bochum, Vorgang 20231006, dort unter „Beschlussvorlage der Verwaltung“.

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