Sonntag 08.03.26, 20:25 Uhr
Demo zum feministischen Kampftag in Bochum am 8.März 2026

Redebeitrag von RiseUp4Rojava


Heute ist der 8. März.
Ein Tag der Erinnerung – und ein Tag des Widerstands. Wir sagen heute: Jin, Jiyan, Azadi.
Dieser Ruf kommt aus der kurdischen Frauenbewegung: Frau – Leben – Freiheit.
Er sagt etwas Einfaches und zugleich Radikales:
Eine Gesellschaft kann nicht frei sein, wenn Frauen es nicht sind.
In Rojava – besonders sichtbar in Kobane – wurde dieser Gedanke politische Realität. Frauen organisierten autonome Räte, Bildungsstrukturen und eigene Verteidigungseinheiten. Innerhalb der Syrian Democratic Forces und der Frauenverteidigungseinheiten der YPJ übernahmen Frauen Verantwortung.


Sie warteten nicht auf Erlaubnis.
Sie veränderten Machtverhältnisse.
Und genau deshalb wurde dieses Projekt immer wieder angegriffen.
Vor kurzem sagte eine Sprecherin der YPJ, Ruksen Mohamed, nach einem Angriff auf Kämpferinnen einen Satz, der viel über diesen Kampf erzählt:
Sie können unsere Zöpfe abschneiden, aber unsere Würde und unsere Ideen können sie nicht auslöschen.
Das Abschneiden der Zöpfe war ein Versuch der Demütigung.
Ein Versuch, Frauen zu entwürdigen und ihre Identität zu brechen.
Doch genau das ist nicht gelungen.
Denn die Frauenbewegung in Roiava hat gezeigt:
Freiheit ist nicht nur ein politisches Ziel.
Freiheit ist eine Praxis.
Diese Praxis sehen wir auch in anderen Teilen der Welt.
Im Iran wurde „Jin, Jiyan, Azadi“ nach der Ermordung von Jina Mahsa Amini zum Ruf eines landesweiten Aufstands.
In Afghanistan werden Frauen systematisch aus Schulen, Universitäten und dem Öffentlichen Leben ausgeschlossen.
Im Irak kämpfen Frauenbewegungen gegen Milizen, gegen Ehrenmorde und gegen sexualisierte Gewalt.
Besonders deutlich zeigte sich diese Gewalt in Şengal im Nordirak. Dort verübte der sogenannte Islamische Staat im Jahr 2014 einen Genozid an den Ezid*innen.
Tausende Frauen und Mädchen wurden verschleppt. versklavt und verkauft.
Doch auch dort entstand Widerstand.
Überlebende Frauen organisierten sich, bauten eigene Strukturen auf und kämpfen
bis heute für Sicherheit, Selbstverwaltung und Gerechtigkeit.
Auch in anderen Regionen organisieren Frauen Widerstand gegen patriarchale
Gewalt.
Und immer wieder sehen wir dasselbe Muster:
Wenn Frauen kollektive Selbstbestimmung organisieren, werden sie zur Zielscheibe.
Wir erinnern deshalb heute auch an Frauen. die dafür ihr Leben verloren haben.
Wir erinnern an Sakine Cansiz, eine zentrale Figur der kurdischen Frauenbewegung
Wir erinnern an Hevrin Khalaf, die für ein demokratisches und pluralistisches Syrien arbeitete.
Wir erinnern an Aktivistinnen im lrak wie Reham Yacoub, die öffentlich für Reformen eintrat und ermordet wurde.
Und wenn die Berichte stimmen, dann müssen wir auch den Namen von Yanar Mohammed nennen – Gründerin der Organization of Women’s Freedom in Iraq – die jahrelang Schutzräume für bedrohte Frauen organisierte und selbst unter ständiger Lebensgefahr stand.
Diese Frauen stehen für viele andere, deren Namen wir vielleicht nicht kennen,
Doch ihr gemeinsamer Nenner ist klar:
Sie organisierten Widerstand.
In Kriegen werden Frauenkörper oft zum Schlachtfeld gemacht.
im Genozid, wie an den Ezidinnen im Nordirak, werden Frauen versklavt und verkauft.
Doch sobald Frauen beginnen, ihre eigenen Strukturen aufzubauen, wird die Gewalt gezielt.
Denn patriarchale Systeme fürchten nicht Frauen, die leiden.
Sie fürchten Frauen, die sich organisieren.
Der 8. Marz erinnert uns daran:
Feministische Kämpfe sind keine Randthemen.
Sie sind Kämpfe um Freiheit, Würde und gesellschaftliche Selbstbestimmung.
Und deshalb endet dieser Beitrag dort. wo er begonnen hat.
Mit drei Worten, die aus der kurdischen Frauenbewegung kommen und heute
weltweit gerufen werden.
Jin. Frau – als Subjekt der Geschichte. Nicht als Randfigur, nicht als Opfer, sondern
als politische Akteurin.
Jiyan. Leben – ein Leben in Würde., ohne Gewalt, ohne Unterdrückung, ohne Angst.
Azadi. Freiheit – die Freiheit, über den eigenen Körper, über das eigene Leben und über die eigene Gesellschaft zu bestimmen.
Diese drei Worte gehören zusammen.
Denn ohne die Freiheit der Frauen gibt es kein freies Leben.
Und deshalb sagen wir heute gemeinsam mit FLll\lTA und Bewegungen auf der
ganzen Welt:
Jin.
Jiyan.
Azadi.
Ki ne em – Em iin in, em Kurd in, em jiyan in, em azadi ne.

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