Sonntag 08.03.26, 20:32 Uhr
Demo zum feministischen Kampftag in Bochum am 8.März 2026

Redebeitrag des Feministischen Mütterkollektivs


„Tradwives – nein danke“ so haben wir vor einem Jahr einen Artikel begonnen.
Damals wurden wir noch nicht von Friedrich Merz regiert, der mit seiner rückwärtsgewandten Politik AfD Wähler:innen für sich gewinnen will. An allen Ecken spüren wir den Wunsch einer Rückkehr zu einem alten, engen, geschlossenen Familienbild. Mutter, Vater, Kind. Möglichst angepasst. Möglichst hetero. Möglichst leise. Aber Familie war noch nie nur das. Familie sind auch zwei Mütter. Zwei Väter, Patchworkfamilien, Queere Eltern, Familien mit gemeinsamen Geschwistern, Wahlverwandtschaften. Alleinerziehende.

In Familien wird die Verantwortung füreinander übernommen, unabhängig von Geschlecht oder Trauschein. All diese Lebensrealitäten MÜSSEN auch im politischen Handeln sichtbar gemacht werden. Denn die gewollte Unsichtbarkeit ist nicht neutral. Sie ist ein Machtinstrument, gegen eine gesellschaftliche Wirklichkeit! Während von Familienwerten gesprochen wird, soll in Nordrhein-Westfalen die Kinderbetreuung durch die KiBiz-Reform verschlechtert werden. Größere Gruppen, dafür weniger Fachkräfte. Weniger Zeit für einzelne Kinder. Das bedeutet mehr Druck für Erzieher:innen. Und es bedeutet mehr unbezahlte Arbeit zu Hause.
Meistens für Mütter*
Das ist keine Wertschätzung von Familie. Das ist organisierte Überlastung. Das ist das Gegenteil von echter Vereinbarkeit.
Allen Arbeitszeitdebatten der letzten .Jahre – egal ob es um „mehr Bock auf Arbeit“, längere Arbeitszeiten oder die Diskussion um sogenannte Lifestyle-Teilzeit geht – liegt im Kern dasselbe Familienmodell zugrunde: eine Person arbeitet zu 100 % in bezahlter Erwerbsarbeit, während eine andere Person – meist die Mütter – zu 100 % unbezahlte Arbeit zu Hause leistet.
Was wir brauchen, ist die Anerkennung dieser Doppelbelastung: die unsichtbare Organisationsarbeit, die Verantwortung für Carearbeit – und vor allem echte Zeit zur Erholung, sowohl von Erwerbsarbeit als auch von Carearbeit.
Denn gleichzeitig wird das Bild der perfekten Mutter wiederbelebt. Immer liebevoll. Immer verfügbar. Ökonomisch abhängig, aber angeblich freiwillig. Dieses Bild verschweigt die Risiken. Es verschweigt Altersarmut. Es verschweigt Machtungleichgewichte. Und es verschweigt, dass echte Freiheit nur dort existiert, wo es echte Alternativen gibt.

Als feministische Mutter sage ich deshalb: Es gibt keine Rückkehr zur alten Ordnung. Diese Ordnung war nie neutral. Sie war hierarchisch. Sie war benachteiligend. Sie war ausschließend. Und sie war gewaltförmig.
Ich will eine Gesellschaft, in der Care-Arbeit nicht privatisiert, sondern gemeinsam von allen getragen wird. In der Elternschaft nicht zur Armutsfalle wird. In der Kinder lernen, dass Geschlecht vielfältig ist und Liebe keine Norm braucht. In der niemand gezwungen wird, Mutter zu sein. Und niemand gezwungen wird, eine bestimmte Art von Mutter zu verkörpern.
Feminismus bedeutet für mich radikale Fürsorge. Für alle Kinder. Für alle Familien. Eine Welt, in der feministische Werte von Eltern und Nicht Eltern weitergeben werden.
Für eine solidarische Zukunft. Für unsere Kinder und für uns!

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