
Am vergangenen Freitagnachmittag lief eine ziemlich laute Solidaritäts-Demonstration gegen die angedrohte Räumung der Villa Kunterbunt durch die Innenstadt. Auf dem Platz des europäischen Versprechens neben dem Rathaus fand die Abschlusskundgebung statt. Nachfolgend werden die Redebeiträge dokumentiert, die hier zu hören waren: „Hi ich stehe heute hier als Supporter der Villa Kunterbunt, und als Freund vieler der Bewohner:innen, als ein Mensch der sich Bochum nicht mehr ohne Villa Vorstellen kann. Für mich wie auch viele Andere ist die Villa ein Ort an dem Kultur ausgelebt wird. Ein Ort für Kunst, für große Partys. Ein Ort an dem Freundschaften geschlossen werden. Wir dürfen aber auch nicht Vergessen, dass es sich nicht nur um einen kulturellen Ort handelt, sondern auch Wohnraum für 15 Besetzer:innen und einem nun seit 50 Jahren dort lebendem Ehepaar das nun von der Stadt rausgeworfen wird – nach wohl gemerkt 50 Jahren bezahlter Miete werden sie von der Stadt auf der Strecke liegen gelassen.
Jetzt will uns die Stadt diesen Ort wegnehmen, und die Begründung die uns geliefert wird sind Bauschäden. Doch im selben Atemzug verbietet die Stadt uns diese zu beheben. Im Klartext, sie verbietet uns Probleme zu beheben, die die Stadt als Besitzer schon vor Jahrzehnten verpflichtet war selbst zu beheben. Probleme die wir mit der Hilfe von zertifizierten Fachpersonal begonnen hatten zu beheben. Probleme, die selbst Zertifiziertes Fachpersonal als reparierbar einstuften. Obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass die Stadt eine Rechtfertigung finden kann und wird, kommt es wie nichts anders als Schikane und Unterdrückung vor. Aus Unserer Sicht scheint es nichts anderes zu sein, als ein Angriff auf unsere Freiheit, sowie auf die linke Subkultur. Ein erneuter Versuch uns das System, dass wir so offen ablehnen aufzuzwingen. Das lassen wir uns nicht gefallen, wir wehren uns. Und damit sind wir nicht Alleine: Unterstützung erhalten wir aus der linken Szene Deutschland weit. Ganz egal ob Punkerinnen Autonome, Waldbestzerinnen, Antifaschitinnen oder die Linke Partei alle Haben uns geholfen und Unterstützt wo sie können.
Wir stehen heute hier, weil wir bezahlbaren Wohnraum und freiräume für Alle fordern! Wir fordern das Fortbestehen der Villa! Wir fordern, dass wir als Menschen betrachtet werden! Wir wollen diesen Lebensraum erhalten und gestalten!
Wir Fordern den Schutz von Kultur Räumen und Wohnraum!
VIVA la Villa“
„Hallo Menschen, die sich für die Villa einsetzen!
Es ist mir eine große Ehre, hier sprechen zu dürfen.
Mein größter Dank geht an die Bewohner*innen. Was euch gerade passiert, ist ganz großer Scheiß! Die Stadt lässt ein Haus verrotten, das über 40 Jahre Heimat war. Ein Haus, in dem Menschen liebevoll all die wunderbaren Details bewahrt haben, die ich fotografieren durfte. Danke, dass ihr mich in eure persönlichen Räume gelassen habt – ihr habt gezeigt: In dieser Villa steckt viel mehr Geschichte, als in den Akten steht!
Diese Villa ist nicht nur ein ein Gebäude sie ist eine Erinnerung an eine Bewegung. Zwischen 1980 und 1986 kämpfte eine bunte, junge, entschlossene Szene hier in Bochum für autonome Räume, für ein Autonomes Zentrum, für Freiheit und Selbstbestimmung. Häuser, Fabriken, ein ganzes Viertel wurde besetzt.
Dass die Villa 1991 unter Schutz gestellt wurde, lag einzig an den damaligen „Instandbesetzer*innen“ – so wurden sie in den 80ern in einem Zeitungsartikel bezeichnet.
Jetzt faselt die Bauverwaltung was von „akuter Gefahr für Leib und Leben“ und verhindert gleichzeitig das ihr euer Zuhause instand setzen könnt – lächerlich! Und das alles, obwohl im Denkmalschutzgesetz glasklar steht, dass die Stadt selbst verpflichtet ist, dieses Gebäude zu erhalten, instand zu setzen und zu schützen! Wenn hier jemand Gefahr verursacht hat, dann ist es die Stadt Bochum – durch jahrzehntelanges Weggucken, Kaputtsparen und Sabotieren!
Und heute? Heute wirkt es, als wolle sich die Stadt – allen voran der ehemalige Bürgermeister Eiskirch – mit einem „Sieg über die Besetzerszene“ ein eigenes Denkmal setzen. Wie zynisch ist das bitte? Menschen, die seit Jahrzehnten Herzblut, Arbeit und Solidarität investieren, werden kriminalisiert, während die Stadt ihre eigenen Pflichten ignoriert.
Die Bewohner*innen machen hier die Arbeit, das Bauamt und die Denkmalbehörde seit Jahren verweigern. Und dafür kriegen sie Repression statt Dank?
Schluss mit dem Mist!“
„Wir stehen heute hier, weil man uns erneut aus unseren eigenen vier Wänden reißen will.
Weil sie glauben, dass man Menschen wie Akten wegheften kann.
Weil die Villa wieder auf der Todesliste dieser Stadt steht –
und wir mit ihr.
Wir sind 15 Mitbewohner mit vielen Tieren und absoluter Liebe zueinander.
Aber wir sind nicht alleine in diesem Haus.
Auf der anderen Haushälfte lebt seit 1965 ein Altes Ehepaar das nun auch eiskalt auf die Straße soll.
Die Stadt will uns räumen und die FDP Bochum zieht aktiv die Fäden, drückt auf die Knöpfe, betreibt eine Politik, die Menschenleben wie Bürokratie behandelt.
Was sie „Verfahren, Recht und Ordnung “ nennen, ist in Wahrheit ein Skandal.
Ein Angriff auf unsere Würde.
Ein Versuch, uns zu erniedrigen
und uns obdachlos zu machen.
Die Villa steht seit 1898 und ist seit 1981 besetzt und schlichtweg ein Kulturdenkmal der Stadt Bochum und ein Zuhause für alle, die vorher keins hatten.
Da Frage ich mich, was ist eine Stadt wert, die ihre eigenen Menschen erfrieren lässt,
während Kultur, Geschichte und Gemeinschaft hinter diesen Mauern um ihr Leben schreien?
Und während sie uns erzählen,
wir hätten nicht genug renoviert,
schweigen sie über etwas anderes:
Dass wir drei Wochen Lang
Tag und Nacht gebaut haben,
mit Herz, mit Händen, mit purer Angst und Stress,
einfach mit allem, was wir hatten.
Wir haben mehr geschafft als jede Behörde je erwartet hätte, und genau deshalb zogen sie uns den Stecker und warfen uns einen Baustopp vor die Füße gefolgt von einer Mängel Liste die wir hätten beheben können hätte man uns nicht kurz zuvor die Hände gebunden!
Und trotzdem –
wir sind noch hier.
Mit zitternden Händen,
mit durchgearbeiteten Nächten,
mit Lachen zwischen Schutt,
mit Liebe zwischen Dreck,
mit Widerstand in jeder verdammten Fuge dieses Hauses.
Die Villa ist kein Problem.
Die Villa ist ein Herzschlag.
Ein freier Raum.
Ein Stück utopische Realität.
Ein letzter Beweis dafür,
dass Menschen mehr können als aufgeben.
Und wenn sie uns räumen wollen,
dann sollen sie wissen:
Wir gehen nicht leise.
Wir gehen nicht ohne Geschichte.
Wir gehen nicht ohne Zeug*innen.
Wir gehen nicht ohne Kampf.
Wir sind die Villa und wir werden bleiben!
Wir sind der Lärm, den sie nicht kontrollieren können.
Wir sind das Chaos, das atmet.
Wir sind die Erinnerung, die bleibt,
selbst wenn sie Mauern niederreißen.
Viva la Villa!!“
„WIR SIND DIE VILLA!!!
Ein seit 44 Jahren besetztes Haus.
Das kennen viele von euch jetzt schon.
Doch ist das ganze Haus besetzt?
NEIN!
Es gibt ein mietendes Ehepaar welches seit 55 Jahren in dem Haus lebt, brav ihre Miete zahlt und jede Generation Besetzer*innen miterlebt hat und jede Generation kann auch etwas über das griechische Ehepaar berichten.
Was die Stadt mit uns den Besetzer*innen anstellt das wisst ihr mittlerweile.
Wir waren doch recht transparent mit allem.
Es wird aber aus unserer Sicht noch frecher wenn man sich anschaut was sie dem Ehepaar Andreadis über 55 Jahre ihrerer Lebenzeit angetan haben und in welchen Zuständen Sie das Ehepaar haben Leben lassen.
Denn während in Hausnummer 3 die Schäden behebbar sind, ist es in der Hausnummer 1 teilweise wirklich kritisch vorallem was den dortigen Schimmelbefall angeht.
Vor der Ordnungsverfügung vom 27.10. hatte noch kein oder kaum einer der Bewohner*innen oder ehemaliger Bewohner*innen der besetzten Haushälfte die Möglichkeit die Räumlichkeiten in der Hausnummer 1 zu sehen. Geschweige denn den Keller.
Die Räumlichkeiten im EG der Haushälfte 1, habe selbst das Ehepaar nicht gesehen. Laut dessen Aussagen haben nur die Vermieter einen Schlüssel.
Wer sind die Vermieter und Eigentümer? Die Stadt Bochum.
Frau Andreadou sagt ,sie habe der Stadt immer wieder von Mängel berichtet, in den Jahren die sie dort wohne. Den Schimmelbefall habe sie bereits vor 12 Jahren das erste Mal bei der Stadt gemeldet.
Die Bewohner*innen haben sofort reagiert und haben angefangen, den Schimmel nach fachgerechter Empfehlung zu behandeln, Bautrockner aufzustellen und ihr auch an anderen Stellen zu helfen.
Jetzt kommt von der Stadt Bochum ein Brief.
Nur an die besetzte Seite der Villa das die Arbeiten eingestellt werden sollen da sich diese sich in der Verantwortung des Eigentümers befinden würde. Dazu eine neue Ordnungsverfügung für alle mit altbekannten Inhalten und dem Angebot von 3 Mietwohnungen mit insgesamt 8,5 Zimmern und 17 Wohnkontainern.
Im Endeffekt schränken sie uns dabei ein das Ehepaar Andrealis zu unterstützen und deren Schäden zu beheben.
Das alternative Wohnangebot fühlt sich eher an wie eine Einlagerung der alternativen Szene.
Wie ist die Bausubstanz der zur Verfügung gestellten Wohnungen?
Wo stehen diese Wohnkontainer dann? Außerhalb der Stadt wo sie keiner sehen kann?
Ja, richtig! Sie sollen hinter der Bochumer Stadtgrenze nahe einer Müllkippe Richtung castroph rauxel stehen.
Oder da wo uns jeder sehen kann damit die Jugendgruppe Generation Deutschland der AfD Partei uns besser finden kann?
Ich muss auch fragen als jemand der ALLE Bewohner*innen dieses Hauses unterstützen möchte, warum die Stadt Bochum ihre Mieter*innen so hat hängen lassen und warum sie zugelassen hat, dass derartige Zustände vor allem in Haushälfte 1 überhaupt zustande kommen konnten.
Es ist eine Frechheit, dass nun die derzeitigen Bewohner*innen in die Verantwortung für die Versäumnisse der Stadt gezogen werden und an der Aufarbeitung gehindert werden.
Dabei hat doch die Stadt ihre Verantwortung die Räumlichkeiten der Hausnummer 1 Instand zu halten versäumt.
In den letzten Wochen haben die Bewohner*innen der Villa mithilfe vieler ehemaliger Bewohner*innen und Besucher*innen Akten, Artikel, Schreiben, Briefe, Bilder und noch soooo viel mehr ,mit dem man ganze Geschichtsbücher füllen könnte, bekommen.
Ein Sammelsorium an herrlich schaurigschöner solidarischer Villa Geschichte mit Spaß hier und Unsinn da.
Doch auch mit einer kämpferischen Schattenseite sowohl juristisch, als auch gesetzeswidriger Natur, bei der die Stadt Bochum den Endgegner memt und aus dessen Aufzeichnungen immer wieder hervorgeht wie unfair die Stadt Bochum gegen dieses Gebäude und gegen Generationen Besetzer*innen und alteingesessene Bewohner*innen dieses Hauses vorgeht.
Wir werden weiter auf diese Unfairness aufmerksam machen, weiterhin laut bleiben und uns weiterhin widersetzen. Für uns, für das Ehepaar Andreadis, für euch und für Bochum!
VIVA LA VILLA!“