Montag 27.10.25, 10:32 Uhr

Verfolgte Zwillinge erhalten ihr Gesicht zurück


In seinen Forschungen zu homosexuelle Häftlingen in der Krümmede während der NS-Zeit hat Jürgen Wenke hat neue Erkenntnisse zusammentragen können und stellt diese zur Verfügung: »Sie waren Zwillinge, sie waren homosexuell, sie waren jüdisch. Die Brüder Ernst und Leo Salomon (geboren am 3.10.(!!)1894) aus Trier. Bereits am 6. November 2017 wurden auf Initiative des Forschers und Psychologen Jürgen Wenke aus Bochum zwei Stolpersteine in Trier zur Würdigung der Brüder verlegt. Die damalige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz hatte die Patenschaft für die Stolpersteine übernommen.-   Jetzt machte der Forscher und Biograph der beiden Männer eine neue, seltene Entdeckung: Er fand erstmals Bilder der Zwillinge. Und das ausgerechnet in einer Nazizeitung von 1935:

Im August 1935 berichtete die NS-Tageszeitung Nationalblatt Trier unter der reißerischen Überschrift „Jüdisches Zwillingsgestirn erloschen“ mit der hetzerischen Unterzeile „Rasseschänder Ernst und Leo Salomon dingfest gemacht“ über deren Verhaftung.

In dem Artikel werden die Brüder mit vollem Namen, Privatadresse und Adresse ihres Herrenbekleidungsgeschäftes in Trier genannt und Privatfotos der beiden Männer präsentiert und in Text und Bild als Homosexuelle geoutet.

In dem ganzseitigen Artikel, voll von Hetze gegen Juden und gegen Homosexuellen, werden die beiden bereits zu Straftätern abgestempelt, obwohl eine Gerichtsverhandlung und eine Verurteilung wegen homosexueller Kontakte in Trier erst im April 1936 erfolgte. Der letzte Satz des umfangreichen, ganzseitigen Artikels von 1935 kann als vorweggenommenes Urteil und Todesurteil verstanden werden:

„Das jüdische „Zwillingsgestirn“, dessen Gemeinheit lange genug am dunklen Firmament unserer Stadt flackerte, ist erloschen. Aufgegangen ist der Stern der Wahrheit. Die Flamme der Strafe wird entzündet und die Rache spricht aus unseren geballten Fäusten.“

Ernst und Leo Salomon kamen nach der Verhaftung 1935 nicht mehr in Freiheit. Sie wurden vom Trierer Landgericht wegen „homosexueller Handlungen“ (im Sprachgebrauch der Nazis „widernatürliche Unzucht“) zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, die sie in vollem Umfang verbüßen mussten im Gefängnis von Wittlich an der Mosel, im Gefängnis von Bochum (genannt „Krümmede“) an der Ruhr und im Gefängnis von Wolfenbüttel in Niedersachsen. Leo Salomon starb dort im Oktober 1942 kurz vor Ende der Haftzeit. Ernst Salomon wurde am Ende der Haft von Wolfenbüttel nach Auschwitz deportiert und wurde dort am 18. Februar 1943 ermordet.

Das, was die Nazizeitung 1935 angekündigt hatte: „Die Flamme der Strafe wird entzündet“ war auf grausige Weise Realität geworden: Ernst Salomons Leiche wurde nach der Ermordung in den KZ-Öfen von Auschwitz verbrannt.

Was bleibt: die einzigen Fotos der Brüder aus der Nazizeitung vom August 1935 – und der Bericht über die Zwillinge Ernst und Leo Salomon sowie die Stolpersteine, zu finden unter:

Ernst&Leo Salomon – Stolpersteine für Homosexuelle«