Mittwoch 10.09.25, 22:02 Uhr
Das war Rot-Grün in Bochum (38)

Warum Wald erhalten, wenn man teure Wohnungen bauen kann?  1


Nur 7,5 % Wald gibt es auf Bochumer Stadtgebiet – bald ist es geschafft, mit weiteren Abholzungen von Platz 2 auf den traurigen Spitzenplatz der waldärmsten Kommune NRWs zu vorzurücken. Vor allem zum Ende der Legislatur hatte es die Verwaltung eilig, so viele Bauvorhaben wie möglich von den Gremien abnicken zu lassen, frei nach der Devise: Bauen vor Klima! Brisantes Dauerthema: das Fällen von altem Baumbestand, das Versiegeln ökologisch wertvoller Freiflächen, das Geringschätzen von Frischluftschneisen und Kaltluftsammelbecken, der Verlust von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen.

Die aktuellsten Beispiele:

  • -26 über 100 Jahre alte Platanen sollen im Oktober trotz massivem Protest von Anwohner*innen und Umweltinitiativen in der Graf-Adolf-Straße in Wattenscheid gefällt werden. Alternativen zur umfassenden Umgestaltung der Straße wurden von der Stadtverwaltung verworfen. Der zuständige Mobilitätsausschuss verweigerte eine von der Bezirksvertretung angeregte Bürgerversammlung. 
  • An der Stiepeler Straße und der Markstraße wurden ca. 6000 m² Wald für einen überdimensionierten Parkplatz und ein in vielen Augen überflüssiges „Verwaltungs-/ Gesundheitsgebäude“ gefällt. Dabei gab es aus der Bürgerschaft Alternativplanungen, mit denen der Wald weitgehend hätte erhalten werden können, ohne auch nur eine der geplanten Wohneinheiten zu gefährden.
  • Im ‚Ostpark‘ sollen 1300 neue Wohnungen entstehen: im Quartier Feldmark werden z.Zt. 700 Wohneinheiten für 3000 Menschen gebaut, der ‚Havkenscheider Höhe‘ sollen 3,5 Hektar Wald zum Opfer fallen.
  • Für die Erweiterung des Technologie-Quartiers auf dem Ruhr-Uni-Campus nach Süden in ein Landschaftsschutzgebiet sollen Wald, Obstbaumwiesen und dort bereits für andere Vorhaben umgesetzte Ausgleichsmaßnahmen beseitigt werden.
  • An der Overdyker Straße soll ein familienfreundliches Wohngebiet mit drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäusern, davon ca. 40 Prozent als geförderter Wohnungsbau sowie einige Reihenhäuser entstehen. Der Wald an der Overdyker Straße soll gerodet werden – insbesondere für die dort geplanten Reihenhäuser.

Für die gefällten Bäume müssen sog. Kompensationspflanzungen gemacht werden, je wertvoller die Bäume, desto mehr neue – je nach Wertigkeit Ausgleich 1:1, 1:2 oder auch 1:3. Alle laufenden Bebauungsplanverfahren allein benötigen überschlägig ermittelt bereits rund 60 ha Waldausgleich. Aber dafür gibt es auf Bochumer Stadtgebiet keinen Platz. 

Rot-Grün hat deshalb im Oktober 2024 im Planungsausschuss unter Top 4 beschlossen: Für die durch beschlossene Baumaßnahmen gefallenen Bäume soll in Bochum nur ein 1:1 Ausgleich erfolgen.

Für die Sitzung im November 2024 hat die Verwaltung einen „Waldausgleich-Bericht“ vorgelegt. Danach muss zurzeit auch der 1:1 Ausgleich in einem der in NRW ausgewiesenen Kompensationsräume erfolgen. Für Bochum ist das der Kompensationsraum K 01 „Münsterländisches Tiefland und Westfälisches Tiefland“. Statt grüne Lungen vor Ort zu erhalten, bezahlt Bochum laut Lokalpresse für die Ausgleichsflächen in 25 Jahre 3,25 Mio. 

Initiativen wie BoKlima und das Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung  setzen sich dafür ein, endlich Bauen und Klima zusammen zu denken. Sie fordern u.a. einen Klimacheck in der Bauleitplanung, Vorrang für Sanierung im Bestand, die Sanierung von nicht nutzbaren Gewerbeflächen und den konsequenten Schutz ökologisch wertvoller Freiflächen.

Die Serie „Das war Rot-Grün in Bochum“ wird hier dokumentiert


Ein Gedanke zu “Warum Wald erhalten, wenn man teure Wohnungen bauen kann? 

  • Hubert

    Dass viele Bäume gefällt werden, wird einem immer bei so großen Bauprojekten klar.
    Ich hätte aber eine Frage. Wie viel Bäume werden statistisch jeden Tag in Bochum gefällt. Nicht nur, weil sie vielleicht krank sind, sondern einfach weil sie stören oder eine Gefahr bedeuten könnten.
    Das sind Dinge, die ich auch immer wieder in meinem Stadtviertel beobachte und mich frage. War dieser Baum wirklich krank oder hat er nur irgendjemanden/ irgendwie gestört.

Kommentare sind geschlossen.