Montag 08.09.25, 21:21 Uhr
Das war Rot-Grün in Bochum (36)

Stopp für das Radkreuz am Husemannplatz?


„Das Radkreuz ist der innerstädtische Verteiler für den gesamtstädtischen Radverkehr. Der direkte Weg quer durch die Innenstadt ist schneller, komfortabler und zugleich sicherer als der Weg über den Ring.“ So stellte OB Eiskirch am 27. 9. 2023 in einer Pressemitteilung die zukünftige Radverkehrsplanung in der Innenstadt vor. Weiter versprach die Stadt damals – also vor 24 Monaten: „In den nächsten 18 Monaten wird sich die Innenstadt zugunsten des Rad- und Fußverkehrs sichtbar verändern.“ Davon ist wenig zu sehen. Angekündigt wird allerdings, dass der geplante Radweg am Husemannplatz unterbrochen werden soll. Die Ankündigung „schneller, komfortabler und direkter Weg“ ist vergessen. Das Radkreuz-Konzept wird zwei Jahre nach seiner Verkündung völlig in Frage gestellt.

Mit der Radkreuz-Idee wollte die Stadt gegensteuern, dass sich die Charakterisierung „Fahrradhölle“ für die Bochumer Innenstadt immer mehr durchsetzt. Auf dem Innenstadtring mit dem Fahrrad zu fahren, ist heute lebensgefährlich. Bis 1962 gab es hier Radwege. Sie wurden zu Autoparkplätzen. Das soll nach dem Willen von Verwaltung und Rot-Grün auch so bleiben. Das Radkreuz vor dem Rathaus sollte ursprünglich von allen Seiten gut erreichbar sein und damit den Radverkehr lenken.
Ein Zugeständnis gab es bereits bei der Planung für das Radkreuz. Wer von der Universitätsstraße kommt, kann nicht direkt in die Innenstadt fahren. Ein kleines Stück Radweg am Südring wurde in die Planung aufgenommen.
Die einfachste und preisgünstigste Lösung kam für Rot-Grün nie in Betracht: Zwei der vier Spuren auf dem Ring könnten einfach zu Radfahrbahnen werden, die auch von den Nahverkehrsbussen genutzt werden dürfen.

Exkurs: Eine heftige Auseinandersetzung über Radwege am Innenstadtring lief Anfang des Jahrtausends: Der Nordring wurde neu gebaut. Das damalige „Bündnis umweltfreundlicher Stadtverkehr“ (BUS) wies nach, dass der Querschnitt des Nordringes völlig ausreicht, um Autos, Radfahrenden und Fußgänger:innen genügend Platz zu bieten. Den Aktiven von BUS gelang es, führende Mitglieder der SPD-Fraktion zu überzeugen, dass Radwege vor allem für Autofahrer:innen von Vorteil seien. Fahrräder würden dann schließlich nicht mehr den Autoverkehr stören. Nur mit einem gewaltigen Aufwand gelang es der Verwaltung, die Politik wieder ins Auto zu holen. BUS wurde mit Versprechungen für sehr schöne – aber nie gebaute – Radquerungen über den Nordring vertröstet.

Man darf gespannt sein, ob Politik und Verwaltung tatsächlich ihr Radkreuz-Konzept aufgeben wollen und die Zufahrt per Rad über die Viktoriastraße am Husemannplatz unterbrechen. Vielleicht ist das ja auch nur ein für denkbare Koalitionsverhandlungen erzeugter Streit- und Profilierungspunkt.

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Die Serie „Das war Rot-Grün in Bochum“ wird hier dokumentiert