Auf dem Gelände der ehemaligen Erich Kästner-Schule soll ein Wohnquartier mit u.a. 40 % dringend benötigtem preisgebundenem Wohnraum entstehen. Das Quartier soll hohen Ansprüchen an klimaschützendes und klimaresilientes Bauen, Wohnen und Leben gerecht werden. Für die erwartete Reduzierung von CO2-Emissionen hat eine Fachjury unter Leitung des NRW-Wirtschaftsministeriums das Wohnprojekt im Juni 2024 als „KlimaQuartier. NRW“ ausgezeichnet. Ob die Jury nicht darüber informiert war, dass neben dringend benötigten Wohnungen auch ein Gewerbeblock und eine Stellplatzanlage geplant sind, für die ca. 6000 m² Wald gerodet werden mussten? Müsste für eine Klima-Auszeichnung nicht das Bauvorhaben mit allen Auswirkungen als Ganzes bewertet werden?
Die geplante Waldrodung stieß bereits in der Bürgerversammlung 2019 auf Widerstand. Im weiteren Verfahren hat die Verwaltung dann die ökologische Wertigkeit jedes einzelnen Baumes untersuchen lassen. Auch wurde kartiert, welche Bäume erhalten werden könnten, wenn auf Gewerbe und Stellplatzanlage verzichtet würde. In einer Informationsveranstaltung im November 2023, die erst auf Veranlassung des Bezirksbürgermeisters zustande kam, war eine Änderung der Planung dann aber kein Thema mehr. Es sollte bei der Totalrodung bleiben. Dabei hatte nahezu in allen Stellungnahmen im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bauvorhaben die Rettung des Waldes erste Priorität.
Der Protest gegen die Waldrodung setzte sich auf der Straße fort. Vor dem Gelände und vor dem Rathaus führten Klimaschutz- und Naturschutz-Initiativen gemeinsam mit dem Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung und Betroffenen Aktionen durch. Der Protest ließ Verwaltung und Politik im Rathaus aber unbeeindruckt. Das Verfahren sei nun zu weit fortgeschritten, hieß es. Dabei waren aus der Zivilgesellschaft Alternativen aufgezeigt worden, mit denen trotz vollständiger Umsetzung der Wohnbaupläne der Wald weitestgehend hätte gerettet werden können. Die Stellplätze hätten nur bei gleichzeitigem Verzicht auf den Gewerbeblock verlegt werden müssen.
Dazu waren Verwaltung und Politik im Rathaus aber nicht bereit. Offenbar rechnete sich das Bauvorhaben wirtschaftlich nur mit Gewerbeblock. Im Januar 2025 wurde der Wald vollständig vernichtet. Dass der Kahlschlag nicht so schnell vergessen sein würde, hat jemand unter Anspielung auf ein von den Grünen im Bundestagswahlkampf verwendetes Plakat an der Markstraße deutlich gemacht.
Jetzt bleibt wohl erst mal nur darauf zu achten, dass als Ersatz für den gerodeten Wald in Eppendorf tatsächlich eine neue Aufforstung 1:2 erfolgt, wie es im Bebauungsplan festgesetzt ist. Für Bochum hat der Rat nämlich beschlossen, Ersatzaufforstung in Bochum nur 1:1 durchzuführen. Ein erforderlicher Restausgleich soll dann im Münsterland auf dort angemieteten Flächen erfolgen. Dabei ist Bochum schon jetzt waldarm. Nur 7,5 Prozent des Stadtgebiets sind Wald. Damit liegt Bochum auf Platz 2 der waldärmsten Städte in NRW.
Der Arbeitskreis Umweltschutz, das Bochumer Klimaschtznündnis, der BUND Bochum. Extinction Rebellion, Fridays for Future, der NABU Bochum, die Naturfreunde Langendreer, der VCD Bochum haben gemeinsam mit dem „Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung“ den Widerstand vor Ort begleitet und wollen sich auch weiterhin für Walderhalt in Bochum einsetzen.
Die Serie „Das war Rot-Grün in Bochum“ wird hier dokumentiert


