bo-alternativ berichtete letzte Woche über zunehmende „Queerfeindliche Angriffe an der Ruhr-Universität“ und die queer*feministische Bibliothek & Archiv LIESELLE lädt nun ein für Montag, den 14.07. um 16 Uhr, zu einer Soli-Aktion an der Ruhr-Universität Bochum vor GA 02/60 ein und schreibt dazu: Anlass ist die erneute Öffnung nach einem Einbruch im Kontext rechter Raumnahme an der RUB. In den letzten Monaten gab es wiederholt Angriffe auf queere und feministische Räume an der RUB – so auch auf die LIESELLE.
Was zu Beginn des Jahres mit dem Abreißen queer*feministischer Plakate und dem Überkleben von Sticker an der Eingangstür begann, eskalierte zuletzt am 16.06., als sich unbekannte Personen Zugang zum Archiv verschafften. Die Täter*innen zerstörten mutwillig Plakate, die weiblich gelesene Körper auf empowernde Weise zeigten, schütteten Limonade auf wertvolle Archivmaterialien, entwendeten Datenträger sowie Bargeld und demolierten den zentralen externen Speicher, über den das digitale Archivsystem läuft.
Auch andere Initiativen auf dem Campus, die sich gegen Diskriminierung engagieren und eine klare queer*feministische Haltung vertreten, sind von ähnlichen Angriffen betroffen. Bereits zuvor hatten rechte Botschaften an den Wänden im GA-Gebäude ein Gefühl der Unsicherheit ausgelöst. Die Universität ist informiert, die Vorfälle wurden zur Anzeige gebracht, teils ermittelt der Staatsschutz. Ob und was das bringen wird, ist derzeit noch nicht absehbar.
Vor dem Hintergrund eines politischen Klimas, in dem rechte Politik zunehmend an Einfluss gewinnt und LGBTQI*-Sichtbarkeit unter dem Vorwand „politischer Neutralität“ eingeschränkt wird, sind Übergriffe wie diese leider keine Überraschung, sondern eine erwartbare Konsequenz.
Der deutliche Rechtsruck in Deutschland hat reale Auswirkungen auf Initiativen wie die LIESELLE – von massiven Kürzungen der Förderung queer*feministischen und antifaschistischen Engagements bis hin zu gewaltvollen, rechtspolitisch motivierten Angriffen auf Räume und Menschen.
„Gerade jetzt sind wir mehr denn je auf gegenseitige Solidarität und Unterstützung angewiesen,“ sagt eine Sprecherin der LIESELLE.
„Einschüchterungsversuche wie diese werden uns nicht davon abhalten, uns weiterhin für die Sichtbarkeit queer*feministischer und antifaschistischer Perspektiven einzusetzen. Die LIESELLE ist ein Ort, der aus feministischen Kämpfen und solidarischem Miteinander hervorgegangen ist – und auf diesem Weg besteht sie weiter.“
Nach dem Einbruch hatte die LIESELLE zwischenzeitlich geschlossen, um ein Sicherheitskonzept für die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen zu erarbeiten. Am 14.07. will die Bibliothek die erneute Öffnung feiern.
Das Team der LIESELLE freut sich über rege Teilnahme und bittet darum, Sticker mitzubringen. Nach einem kurzen Redebeitrag soll die Eingangstür, auf der vor den Angriffen feministische und antifaschistische Sticker klebten, neu bestickert werden. Im Anschluss gibt es die Gelegenheit, sich bei einer Limo über die Vorfälle auszutauschen und zu vernetzen.«
Montag, 14. Juli, 16:00 Uhr
Ruhr-Universität Bochum vor GA 02/60