Sonntag 22.11.20, 14:10 Uhr

Bunter Lockdown


Die Idee war überzeugend: Als Protest gegen eine Kundgebung von Menschen, die in der Corona-Pandemie keine oder nur wenig Gefahr sehen, sollte eher auf unnötige soziale Kontakte verzichtet werden. DGB und Bündnis gegen Rechts riefen deshalb dazu auf, dass möglichst wenig Demonstrant*innen von möglichst vielen Organisationen mit Transparenten kommen sollten.

Hiermit sollte ein breites gesellschaftliches Spektrum die Ablehnung der „Querdenker“-Positionen und ihrer rechtslastigen Verankerung demonstrieren. Eine Mahnwache mit 50 Teilnehmenden wurde angemeldet. Die Polizei, die in diesem Bereich selten zu Übertreibungen neigt, schreibt in ihrem Bericht, dass 330 Demonstrant*innen gekommen seien. Sie brachten mehr als 100 Transparente und Schilder mit und organisierten damit ein buntes kreatives Bild, wie es eher auf einer CSD-Parade üblich ist. Bemerkenswert war noch die Teilnahme von zahlreichen Parlamentarier*innen von Grünen, Linken und SPD. Die Sozialdemokrat*innen hatten zwar kein Transparent aber immerhin eine Fahne dabei. Die Stimmung war ausgesprochen gut, auf Reden wurde verzichtet und nach zwei Stunden wurden die Transparenten eingerollt und bei vielen war die Erleichterung zu spüren, dass der Kirmesplatz gähnend leer aussah.

Die „querdenken“-Organisatorinnen hatten ursprünglich 1.500 Teilnehmerinnen angemeldet und auf viel mehr Zulauf gehofft. Als die Stadt einen Aufmarsch durch die Stadt untersagte, reichten sie niedrigere Zahlen ein, um gerichtlich ihre Demonstration durchsetzen zu können. Sie scheiterten damit.

Die Stimmung auf dem Kirmesplatz war schlecht und zu Beginn der Kundgebung um 13 Uhr waren ca. 300 Leute auf dem Kirmesplatz. Im Laufe des Nachmittags wurden es dann fast 600. Die Polizei berichtet, dass sie 80 von ihnen mit Platzverweisen nach Hause schickte, weil sie keinen Mund-Nasenschutz tragen wollten.
Von der Bühne aus gab es lautstarke scheinheilige Distanzierungen gegenüber rechtsextremen Kräfte. Mit dem anwesenden u. a. wegen Volksverhetzung verurteilten Landesvorsitzenden der NPD Claus Cremer und anderen Nazis, die sich deutlich als solche zu erkennen gaben, wurde eher freundlich umgegangen. Das auf Facebook angekündigte Hilfegesuchen der Demo-Anmelderin an die Polizei, Nazis von der Demo zu entfernen, kam bei der Polizei nicht an. Es war nur für die Presse bestimmt.

Twitter-Meldungen über Nazis bei der „Querdenken“-Demo

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