Montag 27.01.20, 20:06 Uhr

Stranger Than Fiction


Zum 12. Mal präsentiert das endstation.kino ab dem 31.01. eine Auswahl aktueller Dokumentarfilme, die in Inhalt und Form ein breites Spektrum aufzeigen und auf Festivals ihr Publikum begeistert haben. Moderierte Filmgespräche mit den Regisseur/innen bieten Gelegenheit zu Fragen und zur Diskussion.

Freitag, 31.01., 19:00 Uhr: Spassmacher (mit Gästen)
Das Anhand von zwei Künstlern und einer Künstlerin zeigt der Dokumentarfilm den Alltag von Menschen, deren Beruf es ist, Spaß zu verbreiten. Die drei Protagonisten – den Kölner Alleinunterhalter Dieter, den Hardrock-Songs spielenden Heimorgelspieler Mambo Kurt und Corina, die Diplom-Clownin und Performance-Künstlerin – verbindet die Lust am Unterhalten. Für sie ist es nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung, der sie alles unterordnen. Die Regisseure sowie eine der Protagonist*innen sind für ein Gespräch zu Gast.

Samstag, 01.02., 19:00 Uhr, Under the Underground (mit Gästen)
In den improvisierten Räumen von Janka Industries, einem kreativen Mikrokosmos der Wiener Subkultur im 7. Bezirk, haben Chris uns sein Bruder Ali Janka ein skurriles Elektroschrott-Sammelsurium geschaffen. Die Tüftler, Künstler, Musik-liebhaber, Tonfreaks und Elektronerds haben das unterirdische Kellergewölbe eines Fabrikgebäudes in den 1980er-Jahren bezogen. Nach 30 Jahren ist die Zukunft des Underground-Laboratoriums nun bedroht. Bands wie Voodoo Jürgens, Petra und der Wolf oder Tankris proben und performen hier. Der Musikfilm fängt die Magie des Ortes ein und setzt ein Statement für die Dringlichkeit von Subkultur. Regisseurin Angela Christlieb ist für ein Filmgespräch zu Gast.

Sonntag, 02.02., 17:00 Uhr, Una Primavera
Fiorella Primavera sitzt in ihrem Haus im ländlichen Italien. Während sie das schwere, enzyklopädisch große Hochzeitsalbum auf dem Schoß liegen hat, fragt sie: „Ob er mich jemals geliebt hat?“. Sie hat die Scheidung eingereicht und ist hier, um ihre Sachen zu packen. Endlich einen Schlussstrich unter den 40 Jahren Ehe voller Beleidigungen, Demütigungen und Gewalt zu ziehen – das hat sie entschieden, als sie nach der letzten großen Eskalation bei ihrer Tochter Valentina in Berlin Zuflucht gefunden hat. Die Tochter begleitet sie auf ihrer Suche nach Selbstbestimmung und Freiheit nach Italien und dokumentiert die aufwühlende Reise mit der Kamera. Gnadenlos begleitet sie die Konfrontationen, nicht nur mit dem Ex Mann, sondern auch mit den patriarchalen Strukturen ihrer gesamten Umgebung. Gleichzeitig entwickelt sie eine liebevolle Hommage an ihre Mutter und eine Studie darüber, was es bedeutet, Tochter zu sein.

Montag, 03.02., 19:00 Uhr, Das Wunder von Taipeh (mit Gästen)
Die erste Fußballweltmeisterschaft der Frauen fand im Jahr 1981 in Taipeh statt. In einer Zeit, in der der DFB den Frauenfußball eher duldete als förderte, nachdem er bis 1970 noch offiziell verboten war. So hatte er auch wenig Interesse daran, eine Frauennationalmannschaft zu gründen. Stattdessen wurden die Rekordmeisterinnen der SSG 09 Bergisch Gladbach nach Taiwan geschickt. Ursprünglich aus einer Kölner Thekenmannschaft entstanden, spielten sie das Turnier ihres Lebens – und gewannen. Die ehemaligen Spielerinnen erzählen anekdotenreich und mit einer großen Portion Humor von den heute absurd anmutenden Bedingungen: von der Ignoranz, gegen die sie sich durchsetzen mussten und dem chauvinistischen Gebaren, von dem sie umgeben waren. Untermalt durch historisches Filmmaterial sind es Zeitzeugnisse einer Männerwelt, die heute umso anachronistischer wirken. Ein Film über viel mehr als sportlichen Erfolg – ein Film über Gleichberechtigung und Anerkennung. Regisseur John David Seidler ist für ein Filmgespräch zu Gast.

Dienstag, 04.02., 20:00 Uhr, Space Dogs
Laika war eigentlich eine ganz gewöhnliche Moskauer Straßenhündin. Bis sie zur vielleicht berühmtesten Hündin der Welt wurde, als man sie 1957 ins Weltall katapultierte. Seither gilt sie als erstes Lebewesen, das die Menschen gezielt in eine Umlaufbahn der Erde beförderten. Dass Laika bereits einige Stunden nach dem Start der Rakete starb, wurde erst im Jahr 2002 bekannt. Bis heute hält sich die Legende, Laika sei als Geist zur Erde zurückgekehrt und zöge seitdem durch die Straßen von Moskau. Levin Peter und Elsa Kremser begeben sich nun mit ihrem wunderbar montierten Dokumentarfilm auf die Spuren dieses Geistes. Sie begleiten zwei Straßenhunde auf ihren nächtlichen Streifzügen durch die russische Hauptstadt. Die tierischen besten Freunde flanieren durch Gassen, jagen Katzen, beobachten still, wie die Menschen in Bars ihre triste Realität wegsaufen – und das alles aus der ungewöhnlichen Perspektive zweier Vierbeiner. Geschickt fangen Peter und Kremser Momentaufnahmen im heutigen Russland ein und vermengen sie mit eigenwilligen – bislang unveröffentlichten – Filmaufnahmen der sowjetischen Raumfahrtära. Die magische Geschichte einer Freundschaft zwischen Vertrautheit und Brutalität sowie kleinen und großen Aufbrüchen in unbekannte Sphären. Die Regisseur*innen Elsa Kremser und Levin Peter sind für ein Filmgespräch zu Gast.

Mittwoch, 05.02., 19:00 Uhr, La Cordillera de los sueños
Mit La Cordillera de los sueños vollendet der chilenische Dokumentarfilmer die Trilogie zu seiner verlorenen Heimat Chile. Nach der Atacama-Wüste in Heimweh nach den Sternen und den Wasserstraßen in Perlmuttknopf, widmet er sich auf besonders persönliche Weise dem Anden-Massiv. Es macht 80% der Oberfläche Chiles aus, ist jedoch für viele Chilenen ein unbekanntes Gebiet. Guzmán, der seit dem Pinochet-Putsch 1973 im Pariser Exil lebt, betrachtet diesen blinden Fleck in der Natur als Sinnbild für die Geschichte Chiles – eine Geschichte revolutionärer Utopie, faschistischer Diktatur und neoliberalem Raubbau an der Gesellschaft, die bis heute die politischen und ökonomischen Realitäten des Landes maßgeblich beeinflusst, aber aus der Wahrnehmung der Gesellschaft verdrängt wurde. Sein Film ist ein Werk der Bewusstmachung und ein Plädoyer gegen das Vergessen. La Cordillera de los sueños wurde 2019 in Cannes als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.