Dienstag 23.04.19, 17:57 Uhr

Soli-Tresen gegen Polizeiübergriff


Am Freitag, den 26. 4. findet ab 18 Uhr im Sozialen Zentrum ein Solitresen statt. In der Einladung heißt es: »Es ist 21 Uhr am Samstag den 30.03.2019 in Essen-Altenessen. Organisiert wurde ein nettes, kleines Konzert in einer Boxschule: Ein Rapper, zwei Bands, ein Liedermacher. Doch bevor die zweite Band spielen konnte, kam die Polizei – der Vorwand war eine Ruhestörung. Als der Veranstalter herbeieilte, um mit der Polizei zu sprechen, war die Stimmung bei den Beamt*innen bereits im Keller, da sie sich angeblich von Gästen beleidigt fühlten. Schnell war eine Hundertschaft vor Ort.
Es führte eins zum Anderen: die Veranstaltung wurde offiziell für beendet erklärt, trotzdem wollten die Cops in die Räumlichkeiten. Der Veranstalter wurde niedergerungen und verhaftet, als er die Durchsuchung der Räume verbal verhindern wollte, auch Menschen die sich noch beim Abbau der Instrumente in den Räumlichkeiten aufhielten wurden körperlich genötigt und geschubst, ein Gummiknüppel kam zum Einsatz. Filmende Menschen wurden von seitens der Cops massiv bedroht, ihnen wurden zum Teil die Handys abgenommen, Filmmaterial, welches die Cops hätte belasten können, wurde gelöscht. Ein Mensch, der zum Selbstschutz die Hände ausstreckte, wurde mitgenommen.
Die Konsequenzen: Der Veranstalter wurde bis ca. 1 Uhr an eine Bank in der Wache gekettet, ein anderer Mensch musste die Nacht in Haft verbringen, das Liegen auf kaltem Boden und Abschürfungen am Kopf inklusive. Ein Mädchen erlitt eine Gehirnerschütterung und Blutergüsse im Gesicht. Von einer Anzeige wegen Widerstands gegenüber einer Person wissen wir, was uns sonst noch blüht wird abgewartet werden müssen. Der ganze Einsatz war (wieder mal!) völlig unverhältnismäßig.
Getroffen hat es einige – gemeint sind wir alle!
Wir wollten lediglich in Frieden mit unseren Mitmenschen leben, lieben und feiern. Das scheint unseren Neidern jedoch grundsätzlich inakzeptabel zu sein. Warum sollte ein Mensch die Entscheidung treffen, seine berufliche Selbstverwirklichung in der Rolle des von der Steuerzahlerin entlohnter Schläger suchen, wenn doch zum Beispiel der Pflegesektor bekanntermaßen die Gesellschaft geradezu händeringend um Arbeitskräfte anfleht? Dass sich in der Exekutive und vor allem in den Hundertschaften der Polizei ein emotionaler Bodensatz der Gesellschaft abbildet, halten wir nicht für einen Zufall, es handelt sich hier unserer Ansicht nach um ein systemisches Problem. Der Beruf des/der Polizist*in übt zwangsläufig vorrangig auf Menschen mit Gewaltphantasien eine geradezu magische Anziehungskraft auf. Wie sonst ist es zu erklären, dass für einen dummen Spruch eine Hundertschaft auf den Plan gerufen wird, um eine Party auseinanderzuknüppeln? An dieser Stelle möchten wir auch die Presseorgane, die scheinbar alle aus Faulheit stumpf den Polizeibericht als Spickzettel genutzt haben, dazu auffordern die Gegebenheiten energischer zu hinterfragen und für eine kritischere Berichterstattung zu sorgen. Heute wird das vielleicht Whistleblowing genannt, und es gibt durchaus Menschen die dafür das Wörtchen “Volksverräter” aus der Mottenkiste ausbuddeln, aber es gab auch Zeiten, in denen das Journalismus hieß.
Leider werden wir wieder mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben, während die Straftaten, die die Cops im Einsatz begehen, wie fast immer ohne Folgen bleiben werden – denn wo will man diese anzeigen, wenn nicht bei anderen Cops? Umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam den Betroffenen Solidarität zeigen, mit Wort und Tat.
Deswegen laden wir euch ein zu einem gemütlichen Abend mit netten Menschen, Bier und guten Gesprächen. Das gesammelte Geld wird für die Anwaltskosten verwendet werden. Wir freuen uns auf euch! «