Der Bochumer Opel Betriebsrat informiert in einem Flugblattdie Belegschaft: »Seit mehreren Wochen wird in der Einigungsstelle über die Zukunft der Bochumer Werke und tausender Arbeitsplätze verhandelt. Darauf haben sich Opel-Vorstand, Bochumer Betriebsrat und der Vorsitzende der Einigungsstelle geeinigt. Der Auslauf der Fahrzeugproduktion und alle weiteren Themen sollen „ergebnisoffen“ behandelt werden. Im Betrieb gibt es immer wieder Nachfragen, ob möglicherweise ein Scheitern der Einigungsstelle provoziert werden soll:

Jetzt sollen die Bochumer mithelfen, die Rüsselsheimer bei der Abwicklung unseres Werkes bzw. die Verlagerung unserer Arbeitsplätze zu unterstützen. „Muss ich das tun?“, wurden wir gefragt. Die Aufgaben jedes Beschäftigten sind in seinem Arbeitsvertrag und den Tätigkeitsbeschreibungen geregelt. Mehr braucht man nicht zu tun oder zu sagen. Das hat nichts mit Arbeitsverweigerung zu tun. Im Zweifelsfall beim Betriebsrat nachfragen.
Inzwischen wurde bestätigt, dass es keine ernsthaften und verbindlichen Zusagen über Ersatzarbeitsplätze für Bochum gab. Das hatte auch die IG Metall vor der Abstimmung zum Tarifvertrag erklärt. Zum Projekt „Bochum Perspektive 2022“ wird die Firma Opel von allen Seiten wegen ihrer Verzögerungspolitik kritisiert. Der Opel-Strategievorstand T. Sedran, der sich persönlich um das Werk Bochum und um „Bochum Perspektive 2022“ kümmern sollte, wurde kurzfristig zum Chef von Chevrolet-Europa befördert. Gleichzeitig ist die Kampagne gegen den Bochumer Betriebsrat und die Bochumer Belegschaft gescheitert.
Die Marke Opel stürzt im Ansehen ab. In einem Interview-Marathon wird vom Opel-Vorstand die Trendwende beschworen. Dem Opel-Vorstand gelingt in allen Interviews das Kunststück, mit keinem Wort zu erwähnen, dass mit Bochum das größte deutsche Fahrzeugwerk und ein besonders wichtiges Opel-Werk geschlossen werden soll. Journalisten, die danach fragen, will man keine Interviews gewähren.
An anderer Stelle heißt es vom Opel-Vorstand: „Bochum soll geopfert werden, um die anderen Werke zu retten!“ So hat man auch die Schließung des Opel-Werkes Antwerpen begründet. Der Automobilprofessor Dr. F. Dudenhöffer erklärte: „Diese Politik kostet Opel Marktanteile. GM-Aktionäre werden viel Geld verlieren.“ Wir sind uns nicht immer einig mit dem Automobilexperten F. Dudenhöffer, aber diesmal sind wir es.
Wir brauchen keine Kosmetik, um alte Politik in neue Schläuche zu verkaufen. Opel hat nur eine Chance, wenn eine kluge Politik gemacht wird:

Das Bochumer Werk abwickeln, möglicherweise tausenden Menschen kündigen müssen und damit die anderen Opel-Werke retten? Eine Imagekampagne zur Stärkung von Opel sieht jedenfalls anders aus! Mit dieser Politik wird man scheitern.
Darum bestehen wir auf ernsthafte Verhandlungen um über die Zukunft der vielen tausend Menschen bei Opel in Bochum und der regionalen Zulieferindustrie. Die Menschen brauchen keine schwammigen Zusagen, sondern belastbare Lösungen. Im Rahmen der vereinbarten Möglichkeiten werden wir auch weiterhin zeitnah über die Einigungsstelle informieren.«