Sonntag 01.07.18, 10:28 Uhr

Perfektionierte Täuschung

Am Ende jeden Monats veröffentlicht die Agentur für Arbeit Zahlen, mit denen sie die Öffentlichkeit über das Ausmaß der Arbeitslosigkeit täuscht. Die Chefin der Bochumer Agentur Regine Schmalhorst erklärte jetzt in einer Pressemitteilung ihrer Behörde z. B.: “„Gut 17 Tausend arbeitslose Menschen gibt es in Bochum und damit die geringste Anzahl an gemeldeten Arbeitslosen seit Jahren im Monat Juni.” In der Pressemitteilung räumt sie später ein, dass 23.742 Menschen arbeitslos gemeldet waren, aber aus der Statistik rausfallen. Diese Täuschung reicht noch nicht. Die dazu abgebildete Grafik suggeriert, dass sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu Vorjahr mehr als halbiert hat. Der Trick: Basis der Darstellung ist nicht der Nullpunkt sondern die Zahl 16.000. Eine seriöse Darstellung (mit der 0-Achse als Basis) zeigt, dass sich in den letzten zehn Jahren bei den von der Agentur vorgetäuschten Zahlen nicht viel verändert  hat.

Über das reale Ausmaß der Arbeitslosigkeit gibt es keine zuverlässigen Zahlen. Dass es viele Menschen gibt, die sich nicht den Schikanen des Hartz IV-Regimes aussetzen wollen und sich nicht als arbeitslos registrieren lassen, ist unbestritten.

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1. Jul. 2018, 21:35 Uhr

LeserInnenbrief von Livingston:

Der WDR geht ähnlich seriös vor und verkündete am 29.6.2018 als Überschrift auf seiner Webseite: “Arbeitslosenquote in NRW auf Rekordtief”
Unter einem Rekordtief verstehen immer noch viele die echte Vollbeschäftigung (zu erträglichen Löhnen für alle). Das ist zwar Sozialdemokratensprech und trifft den Kern der Ausbeutungsfrage unter kapitalistischen Bedingungen noch nicht mal ansatzweise, aber … ach das führt jetzt wohl zu weit.
Zumindest kommt man in dem WDR-Artikel noch recht früh zu der Erkenntnis, dass es durchaus eine hohe Unterbeschäftigung gibt, “Maßnahmen” zu einer Schönung der Zahlen führen und einige andere Gründe dazu führen, aus der Statistik zu fallen.
Die Bochumer Agentur ist da schon geschickter: Auch in der Pressemitteilung traut man sich nicht, diese Fakten gänzlich zu verschweigen, aber erst mal muss man durch den Wust von Jubelmeldungen durch und die hier gezeigte Statistik überstehen, bis leichte kritische Töne zu finden sind. Tolle Technik: Soweit liest eh niemand und das Säulendiagramm hat sich bereits in die Netzhaut eingbrannt. Toll gemacht, Frau Schmalhorst! Aus Ihnen wird noch mal was.


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