Sonntag 10.06.18, 09:24 Uhr

Medizin im Nationalsozialismus

Am Freitag, den 15. Juni um 19.00 Uhr laden die Initiative „Langendreer / Werne gegen Nazis” und der Bahnhof Langendreer zu einer Veranstaltung zum Thema “Medizin im Nationalsozialismus” ein: »Mehr als 300 000 Zwangssterilisationen und mehr als 160 000 Morde im Rahmen der „Euthanasie“ Aktionen, begingen Ärzte und PflegerInnen während der Nazidiktatur; Ärzte entschieden an den Entladerampen der Konzentrationslager über Leben und Tod; bestialische Menschenversuche wurden in den Konzentrationslagern durchgeführt.
Ärzte waren nicht nur willige Mitläufer im weißen Kittel, sie schufen durch Versuche an kranken Kindern die Grundlage für den späteren Massenmord durch Gas, durch ihr Zutun wurden viele Verbrechen der Nationalsozialisten erst möglich. – Doch Ärzte waren auch Opfer. So wurden etwa 9000 jüdische Ärzte entehrt, beraubt, vertrieben oder in Konzentrationslagern getötet.
Bis heute fällt es der Ärzteschaft schwer, sich mit dieser dunklen und auch schmerzhaften Geschichte auseinander zu setzen. Die medizinischen Fachgesellschaften arbeiten erst seit wenigen Jahren ihre Rolle während der Nazidiktatur auf.
Wir wollen uns – neben einem historischen Abriss – auch mit der Aufarbeitung der Verbrechen nicht nur während der Nürnberger Ärzteprozesse sondern auch in den Jahren danach (bis heute) beschäftigen.«

1 LeserInnenbrief zu "Medizin im Nationalsozialismus" vorhanden:

LeserInnenbrief(e) zu "Medizin im Nationalsozialismus" als RSS


 

12. Jun. 2018, 16:14 Uhr

LeserInnenbrief von Silke Brockmann:

Im Nürnberger Ärzteprozess 1946/47 wurden nur ganz wenige Mediziner verurteilt. Zynische Verteidigung eines ärztlichen Täters: die Versuchspersonen „seien ohnehin dem Tod geweiht gewesen“.
Und die “Erkenntnisse” wurden munter weiter verwendet. Als ich in Bochum Medizin studierte und 1978 die Anatomie-Vorlesung besuchte, zeigte Professor H. einen Unterrichts-Film aus den 1940er-Jahren, in dem experimentell bei einem Menschen ein Lungenflügel lahmgelegt wurde (sog. Pneumolyse). Dafür stand der Mensch mindestens 20 Minuten lang vor einem Röntgengerät und war der Strahlung ausgesetzt. Erst atmete er normal, dann war durch den Eingriff eine Lungenhälfte gelähmt. Wir hatten die Phantasie, dass es sich um einen Menschenversuch handelte, der Film im KZ, auf jeden Fall ohne Einwilligung des Menschen, gedreht worden. Nach unserem Protest wurde der Film nicht mehr gezeigt.
Bei Youtube sind einige solcher Filme aus der „Reichsanstalt“ zu sehen mit u.a. diesem Kommentar: „Die extrem hohe Strahlenbelastung denen die …Menschen zu Filmzwecken ausgesetzt waren ist im höchsten Maße ethisch bedenklich. Aber da die Aufnahmen nun einmal existieren, sollten sie nicht nur in den Archiven fristen.“ Wirklich? Wird Zeit, auch diese ethische Frage aufzuarbeiten!


 

LeserInnenbrief schreiben:

 
 
 
 

Terminmitteilungen bitte an
redaktion@bo-alternativ.de