Mittwoch 14.06.17, 08:46 Uhr
Hausbesetzung Herner Straße 131

Die Stadt will weiter abwarten

Die Bochumer Marketing GmbH hat gestern Abend mit ihrem Projekt UniverCity Bochum vor dem noch im Bau befindlichen Rotunde-Gebäude eine Veranstaltung durchgeführt. Der anspruchsvolle Titel: “Stadtexperimentierraum: (Frei-)Räume für Freie Szenen: Goldene Zeiten oder Tanz um die Goldene Ananas?” Die BesetzerInnen der Hernerstraße hatten angekündigt, dass sie den dort auf dem Podium sitzenden Oberbürgermeister zwingen wollen, sich endlich zu ihrer Besetzung zu äußern. Das tat er dann auch, indem er zu Beginn der Veranstaltung eine Erklärung abgab. Demnach hat es gestern erstmals in der Stadtspitze ein Gespräch über das Thema gegeben und nächste Woche soll eine zweite Gesprächsrunde noch vor dem Zwangsversteigerungstermin folgen. Hier soll die Situation geprüft und vor allem wohl abgewartet werden. Erst dann soll auch mit den BesetzerInnen  geredet werden.
Eiskirch deutete auch an, dass die bisher ablehnende Haltung von Rat und Verwaltung in Bezug auf eine Zweckentfremdungsverordnung überdacht wird. Am Rande der Veranstaltung war zu erfahren, dass offenbar ein Investor Interesse an der Immobilie signalisiert hat und dass heute früh der Vorstand der GLS-Bank sich für ein Engagement in Kooperation mit den Besetzern entscheiden will. Die Stadt spekuliert offensichtlich darauf, dass sie nicht handeln muss.
Die anschließende Veranstaltung war bis auf ein paar Publikumsanmerkungen langweilig. Dem Oberbürgermeister wurde die Hälfte der Gesamtredezeit eingeräumt. Tom Gawlig von der Trinkhalle durfte erzählen, wie humorlos und unfreundlich die Verwaltung ist, die ihm Internetausdrucke vorlegt, wie BesucherInnen der Trinkhalle den Bürgersteig blockieren. Pia Wagner brachte den klassischen Betroffenheitsbeitrag der unter prekären Bedingungen agierenden freien Kunstszene und Moderator Tom Thelen fragte sie nicht etwa nach konkreten Forderungen an die Politik, sondern warum sie als Düsseldorferin nach Bochum und nicht nach Berlin gegangen ist. Es war halt eine Veranstaltung von Bochum Marketing. Das machte dann auch Michael Kiese, Wirtschaftsgeograph an der Ruhr-Uni, deutlich. Er beschrieb die Bedeutung einer attraktiven freien Szene als urbanen Standortfaktor. Für einen regelrechten Gentrifizierungsprozess sei Bochum zu klein. Dass die freie Kunstszene durch ihr Engagement einen Stadtteil aufwertet und dann durch die steigenden Mietpreise verdrängt werde, sei halt der Gang der Dinge.
Für die meisten der ca. 100 BesucherInnen gehörten die vielen Gespräche vor und nach der Veranstaltung wahrscheinlich zum Erfreulichsten an diesem lauen Sommerabend.

 
 
 
 


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