Samstag 18.06.16, 19:37 Uhr

Riesige Menschenkette mit 8.500 Menschen und gewollter Lücke

Um eine 3.800 Meter lange geschlossene Menschenkette bilden zu können, sind mindestens 3.000 TeilnehmerInnen erforderlich. Zu der Menschenkette in Bochum kamen heute 8.500 Menschen. Angesichts des Wetters waren damit selbst optimistische Prognosen der VeranstalterInnen weit übertroffen. An der Ecke Kortumstraße/Brückstraße klaffte jedoch gut sichtbar eine 50 Meter lange Lücke in der Menschenkette. Statt Menschen, die sich an den Händen halten, standen hier mehr als hundert Paar leere Schuhe. In einer gemeinsamen Presseinformation der Kampagne „Flucht ist kein Verbrechen“, der Initiative TreffPunkt Asyl und von Refugee Strike Bochum heißt es dazu: „Wir halten diesen Platz frei für die Menschen, die heute nicht hier sein können – weil sie auf Anordnung der Stadt Bochum abgeschoben wurden, oder weil sie wegen der mörderischen EU-Außengrenzenpolitik gestorben sind“.
Weiter heißt es in der Erklärung: »An der Menschenkette gegen Rassismus haben sich auch Oberbürgermeister Thomas Eiskirch und viele andere politisch Verantwortliche beteiligt. „Wenn sie das ernst meinen, erwarten wir, dass sie Schluss mit der aktuellen Abschiebepolitik machen“, sagt Hans Hudde vom TreffPunkt Asyl. „Einerseits hier Händchen für einen gesicherten Aufenhaltsstatus von Geflüchteten halten und gleichzeitig die schlimmste Abschiebewelle in der Geschichte Bochums vorbereiten, das passt nicht zusammen.“ Hudde bezieht sich damit auf Ankündigungen der Stadt, mehr als 800 Menschen aus Bochum abschieben zu wollen.
Parallel zu der Aktion verteilte die selbstorganisierte Geflüchteteninitiative Refugee Strike Bochum Flugblätter mit ihren Forderungen. „Es geht uns um Gleichberechtigung und ein menschenwürdiges Leben für alle“, sagt Tareq Alaows von der Initiative. „Aktuell wird in Bochum Geflüchteten aus den meisten Herkunftsländern sogar der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen verweigert. Wer zufällig den falschen Pass hat, soll überhaupt keine Chancen haben. Das ist Diskriminierung.“ Andere zentrale Forderungen der Initiative sind ein Ende der Massenunterbringung und Zugang zum Arbeitsmarkt, der den meisten Geflüchteten in Bochum noch immer verwehrt wird.
Unter dem Motto „Leben statt Lager“ machte auch die Kampagne Flucht ist kein Verbrechen auf das Versagen der Stadt Bochum in der Wohnungs- und Unterbringungspolitik aufmerksam. „Es ist ein Skandal, dass Menschen in Bochum in Industriezelten und Containern leben müssen, obwohl unsere Stadt seit 1990 35.000 Einwohnerinnen und Einwohner verloren hat“, sagt Rabea Latussek vom Bündnis. „Bochum muss kommunalen Wohnungsbau betreiben. Die Stadt muss ein Programm zum Aufkauf leerstehender Wohnungen sowie zum Umbau der 90.000 Quadratmeter leerstehender Bürofläche auflegen. Außerdem brauchen wir eine kommunale Wohnraum-Zweckentfremdungssatzung, die Leerstand genehmigungspflichtig macht. Hier müssen Verwaltung und Politik aktiv werden, wenn ihre Beteiligung an der heutigen Aktion nicht als Farce entlarvt werden soll.“«
Flyer von Refugee Strike

 
 
 
 


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