Mittwoch 01.06.16, 06:16 Uhr

Geflüchtete protestieren gegen
drohende Räumung

In einer heute Nacht veröffentlichten Pressemitteilung der Initiative “Refugee Strike Bochum” heißt es: »70 Refugees, die in der Turnhalle der Hans-Böckler-Schule an der Querenburgstraße 35 in Bochum untergebracht sind, demonstrieren seit dem Abend des 30. Mai gegen ihre Verlegung in die Industriezelte an der Kollegstraße. Sie fordern eine menschenwürdige Unterbringung statt einer weiteren Verschlechterung ihrer sowieso schon unerträglichen Lebensverhältnisse. Die Stadt Bochum will möglichst schnell alle Turnhallen freiziehen – ohne den Betroffenen jedoch menschenwürdigere Alternativen anzubieten. Denn die neue Unterkunft an der Kollegstraße bedeutet für die Refugees die gleichen schlechten Bedingungen, unter denen sie bereits seit bis zu acht Monaten leben müssen. In Industriezelten sollen sie weiterhin auf weniger als sechs Quadratmeter pro Person zusammengepfercht leben – ohne Privatsphäre und ohne Möglichkeit für sich selbst zu kochen. Ein auch nur in Ansätzen selbstbestimmtes Leben ist unter solchen Bedingungen nicht möglich. Dazu liegt die Unterkunft an der Kollegstraße weit außerhalb der Stadt und es gibt fußläufig keine Infrastruktur für das tägliche Leben.
Am Montag, den 30. Mai, hat die Stadt bereits ungefähr 150 Menschen in die Industriezelte auf dem Kalwes verlegt. Die hier verbliebenen 70 Refugees sollten gestern mit einem Bus ebenfalls dort hin transportiert werden. Als die Geflüchteten gegen die Verlegung in die Industriezelte an der Kollegstraße protestierten, drohte die Stadt das Turnhallen-Lager gewaltsam durch die Polizei räumen zu lassen. Damit sprach man ihnen faktisch das Recht auf Demonstration ab.
Derzeit hat sich die Polizei zurückgezogen, die Turnhalle bleibt jedoch akut von der Räumung bedroht.
Hier folgen die Erklärung und Forderungen der protestierenden Refugees:
„Wir, die vor der Turnhalle an der Querenburgerstraße protestieren, kritisieren das Verhalten der Stadt Bochum scharf. Uns wurde vor der Verlegung, trotz mehrmaligem Nachfragens, nicht gesagt, in welche Unterkunft wir genau verlegt werden sollen. Aber uns wurde zwei Wochen vor dem Transfer von der Heimverwaltung versprochen, dass wir entweder in Wohnungen oder in Unterkünfte mit Containern und eigener Küche verlegt werden. Erst als die ersten Menschen in die Industriezelte verlegt worden sind, wussten wir, wohin wir wirklich transferiert werden sollen und waren angesichts der Zustände schockiert.
Wir können nicht nachvollziehen, warum einige Geflüchtete bereits in Wohnungen transferiert wurden und andere hier ausharren müssen, seitdem das Lager eröffnet hat. Wir kritisieren die fehlende Kommunikation. Weder die Stadt noch die AWO-Beschäftigten haben uns irgendwelche Informationen gegeben.
Wir fordern:
1.     Die Unterbringung in regulären Wohnungen, mindestens aber in Unterkünften, in denen wir selbst kochen können, mehr Privatsphäre und Selbstbestimmung haben. So können wir nicht mehr leben.
2.     Den Zugang zu Sprach- und Integrationskursen für alle.
3.     Endlich Asylanträge stellen zu können und die Beschleunigung unserer Asylverfahren.“«

 
 
 
 


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