Sonntag 17.08.14, 13:20 Uhr

Für einen Moment aus dem Flüchtlingsalltag entflohen


Freitagnachmittag im Flüchtlingslager an der Wohlfahrtstraße: Mehr als 250 geflüchtete Menschen leben hier auf engem Raum. Viele von ihnen sind seit vielen Monaten in Containern untergebracht, in denen es bis vor einigen Tagen unerträglich heiß war. Jetzt herrscht gelöste Stimmung. Ein kleines Sommerfest ist organisiert worden.
Ein Puppenspieler begeistert eine Schar von Kindern, es gibt Kaffee und Waffeln, Luftballons und Sonnenblumenpflanzen. Die Kinder können Seifenblasen pusten, sich schminken, Bilder malen und rumtoben. Organisiert haben dies die Medizinische Flüchtlingshilfe, der Flüchtlingsrat NRW und Amnesty International. Unterstützung gibt es von den SozialarbeiterInnen der Stadt, dem Netzwerk Wohlfartstraße  und natürlich von den Bewohnerinnen des Lagers.
Das ganze ist durch eine Initiative des Menschenrechtsaktivisten und Musikers Heinz Ratz und von Elisabeth Ngari und Dorothea Lindenberg (Women in Exile) zustande gekommen. Seit einem Monat fahren Frauen, die nach Deutschland geflüchtet sind, in Begleitung von Heinz Ratz mit seiner Band Strom & Wasser auf zwei Flößen über Flüsse und Kanäle von Nürnberg nach Berlin. Als schwimmende Demonstration machen sie insbesondere auf die Situation von geflüchteten Frauen und Kindern aufmerksam. Behördliche Schwierigkeiten konnten bis dato zumeist umschifft werden, auch oder insbesondere durch eine breite mediale Öffentlichkeit. Auf dem Konzert am Abend gesteht Heinz Ratz, dass er in der Schule nicht viel gelernt hat. Aber an die Geschichte mit dem trojanischen Pferd habe er sich erinnert. Und so sei ihm die Idee mit dem Puppenspieler, dem Clown und dem Kinderprogramm für die Flüchtlingskinder gekommen. Und tatsächlich: Niemand habe sich diesem Angebot für die Kinder verweigert. Es sei gelungen, in die Flüchtlingsunterkünfte zu kommen und einen Erfahrungsaustausch zwischen den Flüchtlingsfrauen  in den unterschiedlichen Orten zu ermöglichen.
Praktisch war das am Nachmittag allerdings nicht so einfach gewesen. Die Sprachenvielfalt setzte hier enge Grenzen. Am Abend war das anders: Die musikalische Botschaft von Strom & Wasser wurde im rappelvollen Studio 108 des Bahnhof Langendreer verstanden und begeistert gefeiert.

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22. Aug. 2014, 15:25 Uhr

LeserInnenbrief von Women in Exile & Friends:

Letztlich funktioniert es dann aber meistens doch mit der Verständigung … hier der Bericht von Women in Exile & Friends über den Besuch in Bochum und die fürchterlich beengten Verhältnisse in den Containern: http://www.refugee-women-tour.net/1508-a-visit-to-bochum/


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