Dienstag 08.04.14, 19:21 Uhr
100 Jahre Tradition: Partei der Kriegskredite hat ein Herz für Moltke

SPD und CDU für Moltkemarkt

Mit den Stimmen von SPD und CDU lehnte der Ausschuss für Bürgeranregungen und Beschwerden heute den Antrag des Friedensplenums gegen die Namensgebung für den Freitagsabendmarkt auf dem Springerplatz ab. Auch ein Kompromissantrag der Linken, die Verwaltung zu beauftragen, mit den Betreibern des Marktes möglichst einen Konsens über eine Namensänderung des Marktes herzustellen, scheiterte an der Bochumer Moltkekoalition. Wolfgang Dominik stellte für das Friedensplenum noch einmal die Bedeutung Moltkes für den preußischen Militarismus und damit für zwei Weltkriege in den Vordergrund, die 1947 zur Umbenennung des ehemaligen Moltkeplatzes führte: ein bewußter Bruch mit einer unseligen Tradition, die im Abgrund unserer Geschichte endete.
Gabriele Schuh wies für die SPD darauf hin, dass es in vielen Städten Moltkestraßen und -plätze gebe, und schloss die Frage an, ob die denn nun alle umbenannt werden müssten. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass der Name Moltke vielen Menschen gar nichts sage. Aus persönlichen Umfragen wisse sie, dass die meisten nichts gegen die Bezeichnung Moltkemarkt hätten. Karsten Finke (Die Grünen) und Bianca Schmolze für die Linke schlossen sich der Einschätzung Wolfgang Dominiks an, Geschichtsvergessenheit könne nicht der Maßstab der Entscheidung sein.Herwig Niggemann sei zum Namen “Moltkeplatz” sicher gesprächsbereit, wenn eine Mehrheit dagegen erkennbar werde. Sie regten deshalb einen entsprechenden Appell des Ausschusses als Grundlage für Gespräche an. Ratsfrau Schuh wollte sich aber lieber auf ihre persönlichen Umfragen verlassen als auf einen Mehrheitsbeschluss des Ausschusses. Der Einwurf von Wolfgang Dominik, wenn Moltke den Menschen nichts sage, sei er als Namensgeber leicht verzichtbar, stieß bei der Moltkekoalition auf ebenso taube Ohren wie Klaus-Peter Hülder (UWG), der sich nachdrücklich dafür einsetzte, den  Argumenten des Bochumer Historikers Hubert Schneider gegen einen Moltkemarkt auf dem Springerplatz zu folgen. Wo doch, möchte man hinzufügen, die profilierten Historiker in den Reihen der Bochumer SPD einfach schweigen.
SPD und CDU wollten durchziehen. Die Oberbürgermeisterin für den Frieden saß stumm daneben. Dagegen hatten Grüne und Linke gemeinsam mit dem Friedensplenum keine Chance. 100 Jahre danach – im Gedenkjahr 2014 – entdeckt die SPD, Partei der Kriegskredite, ihr Herz für den preußischen Militaristen Moltke. Für den waren Kriege Gottes Werk und 1870/71 wollte er Paris aushungern. Deshalb ein fröhliches Prösterchen der ahnungslosen Bochumer Kleinbourgeoisie auf dem Abendmarkt! Das kann Karl Springer, von den Nazis umgebracht, doch nicht in seiner Ruhe stören.

2 LeserInnenbriefe zu "SPD und CDU für Moltkemarkt" vorhanden:

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9. Apr. 2014, 04:44 Uhr

LeserInnenbrief von Kielbas:

Wenn die letzten Sätze in halbwegs verständlichen Deutsch verfasst worden wären, könnte man hierbei glatt von einer Art Nachricht sprechen …
Was ich aber verstanden habe: Sind die deppert im Stadtrat? Ich dachte – als Zugezogener – Moltkemarkt hätte Tradition. Aber anscheinend sind denen Aliterationen wichtiger als Geschichtsbewusstsein …


 

9. Apr. 2014, 18:06 Uhr

LeserInnenbrief von Jakob Spatz:

Alle Moltkeplätze umbenennen? Vielleicht könnten die Damen und Herren erst einmal im eigenen Zuständigkeitsbereich aktiv werden und jene Bochumer Straßen umbenennen, welche an die Preußischen Siege im Krieg gegen Dänemark erinnen, also die Düppel- und Alsenstraße. Aus Anlass des Jahrestages von 1864 und Beitrag zur Nachbarschaft mit Dänemark. Vielleicht kommt ja sogar die Königin zur Umbenennung?

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-D%C3%A4nischer_Krieg

Falls sie schlau sind, erscheinen Ihre Majestät übrigens nicht. Sie ist Raucherin. Wohin sollte die Stadt sie einladen?


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