Dienstag 04.03.14, 14:25 Uhr
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nimmt zu

4.540 Menschen in der „Alt-Arm-Spirale“

Die Zahl der Menschen in Bochum, die von ihrer Rente nicht leben können, wächst. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor einer „Alt-Arm-Spirale“. Wer heute im Job stehe, müsse einen deutlich besseren Schutz vor Altersarmut bekommen, so die NGG-Region Ruhrgebiet. Ansonsten drohe sich das fortzusetzen, was bereits heute „traurige 65plus-Armutsbilanz“ sei: In Bochum waren genau 2.840 ältere Menschen im Jahr 2012 auf die gesetzliche Grundsicherung zum Lebensunterhalt angewiesen, so die NGG. Dies gehe aus der aktuellsten Erhebung hervor, die vom Statistischen Landesamt (IT NRW) zur Altersarmut vorliege. Demnach lebten 2012 insgesamt 4.540 Menschen in Bochum von Grundsicherung – knapp 5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Hierzu gehören, so die NGG, neben RentnerInnen auch Menschen mit voller Erwerbsminderung. „Das ist schockierend. Aber in Wahrheit ist es noch viel schlimmer: Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der Menschen, bei denen die Rente zum Leben nicht reicht, noch sehr, sehr viel höher ist“, sagt Yvonne Sachtje.
Die Geschäftsführerin der NGG-Region Ruhrgebiet macht hierfür das Absenken des Rentenniveaus und zu niedrige Löhne verantwortlich. „Wir können uns keine Renten im Sinkflug erlauben“, so Sachtje. Oberste Priorität müsse eine Stabilisierung der Rente haben. Die „rote Linie“ sei durch die bisherigen Rentenkürzungen längst überschritten. „Zudem brauchen wir flexible Übergänge in den Ruhestand. Die Rente mit 67 bedeutet für den Großteil der Beschäftigten schließlich nichts anderes als zusätzliche Abschläge bei der Rente, weil sie bis 67 gar nicht durchhalten können“, macht Yvonne Sachtje deutlich. Wichtig seien auch gute Tariferhöhungen. Die NGG werde deshalb schon im März beispielsweise für die Beschäftigten in den Hotels und Gaststätten in Bochum eine Tarifrunde mit einer Lohnforderung zwischen 5 und 6 Prozent ansteuern. In gleicher Höhe will die Gewerkschaft für das Ernährungsgewerbe verhandeln.
Beschäftigte in Niedriglohn-Branchen laufen, so die NGG, geradewegs auf die Altersarmut zu. „Schon deshalb ist der Mindestlohn ein Muss. Und zwar einer, von dem man heute leben kann und der später eine Rente sichert, die zum Leben reicht. Aber auch die zum System gewordene befristete Beschäftigung sorgt für Lücken bei der Beitragszahlung in die Rentenkasse. Das ist Gift für eine Rente, die später zum Leben reichen soll“, sagt NGG-Geschäftsführerin Sachtje. Schon heute bekämen Durchschnittsverdiener, die 35 Jahre durcharbeiten, eine Rente, die nur knapp oberhalb der Grundsicherung liege. Wer sich an der Niedriglohnschwelle von 1.800 Euro Monatseinkommen bewege, brauche hierfür sogar 45 Beitragsjahre. „Diese bittere Bilanz macht deutlich: Eine Senkung des Rentenniveaus können wir uns nicht erlauben. Genauso wenig wie die Rente mit 67, die nichts anderes als eine Rentenkürzung durch die Hintertür ist“, sagt Yvonne Sachtje.

 
 
 
 


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