Freitag 07.02.14, 15:26 Uhr

Teilstilllegung bei Johnson Controls

Stellungnahmen des Betriebsrates und von Sevim Dagdelen

Zu der ankündigten Teilstilllegung bei Johnson Controls Bochum erklärt der Betriebsrat: »Der angekündigte Wegfall von 220 Arbeitsplätzen ist ein deutliches Zeichen, dass von der geplanten Schließung des Bochumer Opelwerkes auch weitere Menschen und ihre Familien betroffen sind. Mit einem abgebauten Arbeitsplatz im Opelwerk, folgen 10 und mehr Arbeitsplätze bei Zulieferern und in anderen Bereichen. Allein für die Produktion der Autositze für den Opelbereich gibt es weitere 100 Zulieferer, die Teile herstellen und anliefern. (Verstreut über ganz Deutschland und zum Teil im Ausland)
So sind auch Spediteure und andere Dienstleister zusätzlich betroffen. Die Vernichtung von Industriearbeitsplätzen bei Opel hat die Zerschlagung von Zulieferketten zur Folge. Das hat katastrophale Auswirkungen auf die Region und darüber hinaus. In Bochum kommt noch die geplante Arbeitsplatzvernichtung bei Outokumpo hinzu. Es kann absolut nicht unser Interesse sein, dass die Region Bochum zum neuen Detroit wird. Leere Fabriken, verfallene Häuser, bankrotte Kommune – das kann nicht unsere Perspektive sein.
Als Beschäftigte bei Johnson Controls, wie auch bei Opel, haben wir eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der ganzen Region und für die Zukunft unserer Jugend. Der Betriebsrat ist daher gesprächsbereit, aber er wird keine Verhandlungen zum Zweck einer reinen Abwicklung führen. Die Angebote der Unternehmensleitung über Arbeitsplätze im 350 KM entfernten Saarlouis sind kein wirkliches Angebot!
Johnson Controls gehört zu den 100 größten Konzernen der Welt. Das Bochumer Werk gibt es seit fast einem viertel Jahrhundert. Und in dieser Zeit wurden Millionen von Gewinnen auf dem Rücken der Mitarbeiter erwirtschaftet. Wer Geld rausgezogen hat muss auch wieder Geld investieren.
Natürlich muss man sich über Abfindungen Gedanken machen, aber dem Betriebsrat geht es in erster Linie um den Erhalt aller Arbeitsplätze. Für diesen Kampf werden wir uns gemeinsam mit der Belegschaft einsetzen. Wir finden uns auch nicht mit der Schließung des Opelwerkes ab und erklären uns solidarisch mit dem Kampf der Opelaner.
Der Betriebsrat wird zusammen mit der Belegschaft die notwendigen Forderungen beraten. Das könnte zum Beispiel eine Absenkung der betrieblichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich sein. Die Forderung nach Ersatzarbeitsplätzen gehört genau so dazu. «
Die Bochumer Bundestagsabgeordnete Der Linken erklärt zu den Plänen von Johnson Controls: „Der angekündigte Abbau von 220 Arbeitsplätzen bei Johnson Controls Bochum zeigt, welche Auswirkungen das Ende der Autoproduktion in Bochum bedeutet. Weit mehr Menschen als die direkt Betroffenen bei Opel droht der Arbeitsplatzverlust. Diese Menschen brauchen unsere konkrete Solidarität. Doe Linke steht solidarisch an der Seite des Betriebsrates und der Beschäftigten und fordert einen Schutzschirm für die Beschäftigten von Opel und bei den Zulieferbetrieben anstatt für Banken, wie es die Bundesregierung aktuell wieder mit einem neuen Griechenlandpaket plant.
Die IHK spricht von etwa 10.000 weiteren Arbeitsplätzen, die von der Schließung des Bochumer Opelwerks betroffen sind. Bei aller Dramatik, die diese Zahl beinhaltet, ist diese Prognose kurzsichtig. Denn diese Prognose kann nur für die Dienstleister und Gewerbetreibenden in Bochum gelten. Nach Berechnungen der Hochschule Aachen stehen in NRW über 45.000 Arbeitsplätze bei regionalen Zulieferern, Komponentenherstellern und Dienstleistern in direkter Abhängigkeit zum Bochumer Werk. Es arbeiten etwa 130 Zulieferer in NRW für Opel-Bochum. Alle Ruhrgebietsstädte sind von der Schließung des Bochumer Opel-Werks betroffen.
Den Massenentlassungen im Ruhrgebiet muss Einhalt geboten werden. Nur ein stärkeres Engagement des Staates kann diesen Trend noch stoppen: Massenentlassungen müssen gesetzlich verboten werden, grundsätzlich muss der öffentliche Einfluss auf Großunternehmen gestärkt werden, wie dies zum Beispiel bei VW der Fall ist. Es kann nicht sein, dass Banken ohne Gegenleistung auf Kosten der Öffentlichen Hand gerettet werden, während Tausende von Beschäftigten in den Industriebetrieben von der Politik im Stich gelassen werden. Die ruinöse und arbeitsplatzvernichtende Standortkonkurrenz sowie ein Subventionshopping muss endlich beendet werden. Deshalb fordert Die Linke weiterhin die im Bundestag vertretenden Parteien auf, sich den Initiativen der Linken für ein Verbot von Massenentlassungen anzuschließen. Die Spirale in die Armut durch Massenentlassungen besonders im Ruhrgebiet muss aufgehalten werden.“

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10. Feb. 2014, 14:46 Uhr

LeserInnenbrief von Corrala Utopia:

Wow, stimmt, voll die gute Idee: Massenentlassungen einfach verbieten und für immer Autos produzieren, am Besten eigentlich auch die Produktion erhöhen. Mensch klar, das ist doch DIE Lösung! Wäre da nicht… achja, Ökologie vor Ökonomie oder wie war das nochmal? In welchem Wahlprogramm steht das nochmal? Egal, der wichtigere Grundsatz ist doch ohnehin: Populismus vor Analyse.


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