Sonntag 14.04.13, 13:10 Uhr
Gelungene Generalprobe für die Groß-Demo am 14. 9. in Bochum

“Die Verteilung in unsere Gesellschaft ist nicht nur ungerecht, sie ist obzön!”

In mehr als hundert Orten liefen gestern bundesweit Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen im Rahmen eines Aktionstages der Kampagne umFAIRteilen. Wie erwartet fand die größte Aktion mit mehr als 2.000 TeilnehmerInnen in Bochum statt. Es war damit eine gelungene Generalprobe für die bundesweite große Demonstration des Bündnisse, die acht Tage vor der Bundestagswahl am 14. September in Bochum stattfinden wird. Um fünf vor Zwölf begrüßte ver.di Geschäftsführerin Gudrun Müller die DemonstratInnen vor der ver.di Zentrale an der Universitätsstraße. Nach zwei kurze Reden vom stellv. Betriebsratsvorsitzenden von Opel, Murat Yaman und von Wolfgang Knop vom Personalrat der Stadt Bochum startete der Demo-Zug Richtung Innenstadt. Beim Passieren der Arbeitsagentur schilderte Josef Strzalka vom Arbeitslosen-Zentrum in Herne Beispiele für den Alltag mit Hartz IV und Armut in einem der reichsten Länder der Welt. Rolf Stein vom Bahnhof Langendreer erinnerte vor dem Schauspielhaus an die Situation der Soziokultur in Bochum. Hier mangelt es finanziell am Notwendigsten und gleichzeitig ist Geld für Prestigeprojekte wie das Konzerthaus vorhanden.
Carl Lewerenz von Schuldenberatung machte vor der Deutschen Bank anschaulich deutlich, wie die Vermögensverteilung in Deutschland aussieht und verteilte den Raum auf den Husemannplatz an 100 Menschen entsprechend des Vermögens von Privathaushalten in Deutschland: Wenige haben sehr viel Platz und für viele wird es eng! Özlem Yildiz von der DIDF-Jugend fragte vor dem Rathaus: “Wo bleibt da die Perspektive für die Jugend? Wir müssen Kürzungen hinnehmen, seien es fehlende KiTa-Plätze, geschlossene Schulen, Bibliotheken und Schwimmbäder. Öffentliche Plätze verkümmern, Schulen und Universitäten verrotten. Gute Bildung und Teilhabe am kulturellen Leben sind letztlich vom Portmonee der Eltern abhängig. Die Rede im Wortlaut. Als der Demozug schließlich zur Abschluss-Kundgebung auf dem Dr. Ruer-Platz eintraf, strahlte erstmals seit Wochen die Sonne und La Papa Verdes heizte musikalisch ein. Rico Dettbarn von der DGB-Jugend machte deutlich, wie stark sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahren geändert hat. Es ist normal, dass Jugendliche Zukunftsängste haben und eine sichere Berufsperspektive fehlt. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen brachte schließlich den Spruch des Tages: “Die Verteilung in unsere Gesellschaft ist nicht nur ungerecht, sie ist obzön!” Jutta Sundermann, Gründungsmitglied von attac und eine der wichtigsten Aktivistinnen der umFAIRteilen Kampagne, versuchte dann mit einem überdimensionalen Taschenrechner den ungeheuren privaten Reichtum in unserer Gesellschaft darzustellen. Aber es sei einfach unvorstellbar. Den Rechner überließ sie dann den VeranstalterInnen, damit sie vor dem 14. September die vielen Busse addieren können, die zur Großdemonstration nach Bochum kommen.  Die Rede im Wortlaut. Jochen Marquardt, Geschäftsführer der hiesigen DGB-Region formulierte schließlich ziemlich deutlich, worum es in der umFAIRteilen-Kampagne geht: “Die Marktgläubigkeit der letzten Jahrzehnte hat den Staat in Deutschland an den Rand seiner finanziellen Handlungsfähigkeit gebracht. Er wurde von Staatsfeinden in Wirtschaft und Politik systematisch ausgeplündert. Dazu kommt, dass es offensichtlich gelungen ist, die Marktgläubigkeit und die so genannte Alternativlosigkeit als Dogmen bis tief in die politischen Verantwortlichkeiten unserer Gemeinden, Städte und ins Land zu implantieren.” Die Rede im Wortlaut. Der Kabarettist Matthias Reuter sorgte zwischendurch und zum Ende der Kundgebung nicht nur für beste Unterhaltung sondern auch für beste Weiterbildung: Er übte mit seinem Publikum ein, die Revolution auszurufen. Auch wenn es nur um die Revolution im Altersheim ging – die Richtung der ganze Veranstaltung stimmte.

 
 
 
 


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