Samstag 20.10.12, 18:33 Uhr
der notstand, Infoladen Bochum, präsentiert:

Moderne Piraterie

"Die Piraten vor Somalia und ihre frühen afrikanischen Brüder"

Am  Freitag, den 26. Oktober 2012 stellt Ralph Klein um 19.30 im Sozialen Zentrum seinBuch Moderne Piraterie vor. Die Einladung: “Die Piraterie vor Somalia stellt eine Innovation im piratischen Gewerbe dar. Es werden keine Güter geraubt, keine Schiffe zerstört, niemand soll besiegt oder getötet werden: Es geht einzig um Lösegeld – nur so lange werden die wie ihre historischen Brüder unter härtesten Bedingungen arbeitenden Matrosen entführt. 100 Millionen Dollar sollen es im Jahr 2010 gewesen sein, bei einem geschätzten somalischen Bruttosozialprodukt von 820 Millionen Dollar. Die unbotmäßigen piratischen Subjekte greifen zum Mittel der Piraterie, weil sie durch eine zerstörerische postkoloniale Politik ihrer Subsistenzmittel beraubt wurden. Von ihren Sozialverbänden getragen – mit 200-jähriger Erfahrung in erfolgreicher Piraterie in der Tradition der ostafrikanischen »shifta« -, nehmen sich die in Dutzenden heterogenen Zellen organisierten Piratengruppen Teile des Reichtums, der täglich am Horizont vorbei schwimmt.
Während die karibischen Piraten des 17./18. Jahrhunderts den Dreieckshandel England-Westafrika-Amerika lahmlegten, der Sklaven von Afrika in die Neue Welt und Kolonialprodukte von dort nach Europa schaffte und für die Herausbildung des kapitalistischen Systems konstituierend war, stören die heutigen afrikanischen Piraten den globalen Kapitalismus und die Just-in-time-Produktion der europäischen Fabriken. Im Vortrag wird versucht, die Perspektive der piratischen Subjekte einzunehmen, die ihre Tätigkeit als eine Form temporärer, prekärer Arbeit begreifen. Piraterie in Somalia changiert zwischen sozialem Banditentum, Kampf um ein besseres, angemessenes Einkommen für den Sozialverband und dem Verlangen nach dem Wohlstand der westlichen Länder. Mit ihren Unternehmungen holen sich die Piraten einen Teil des gesellschaftlichen Reichtums zurück, der ihren Sozialverbänden geraubt oder vorenthalten wurde.”

 
 
 
 


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