Donnerstag 20.09.12, 16:40 Uhr

Armut und Reichtum in Bochum

Norbert Hermann, Bochum prekär schreibt: »Jahr für Jahr steigt in Bochum die Armutsgefährdungsquote. Je nach Lesart ist sie inzwischen bei 16,7 oder 17,7 % angelegt. In Dortmund sind es bereits 24 %.Wo soll das noch hinführen? Sechs Prozent der Gefährdeten in Bochum erhalten nicht einmal Grundsicherungsleistungen (Hartz IV, GruSi im Alter und bei Erwerbsminderung, Sozialhilfe oder Asylbewerberleistungen). Sie sind zumeist „working poor“ – arm trotz Arbeit, und beantragen nicht die zustehende Aufstockung.
Die unterschiedliche „Lesart“ hängt davon ab, die bundesweite Armutsrisikoschwelle iHv 872 Euro zum Maßstab genommen wird, oder die im Armenland NRW niedrigere iHv 833 Euro.
Seit Juni ist der bundesweite Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung überfällig und wurde systematisch verschleppt. Nun hat die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) den Entwurf zugespielt bekommen und Fakten daraus veröffentlicht. Es ist erbärmlich, dass trotz der dramatischen Verschlechterungen versucht wird zu beschönigen: es seien weniger Kinder von Hartz IV abhängig ( weil sie älter geworden sind und weniger Kinder nachkommen oder weil die Eltern jetzt mit Arbeit arm sind), und die immer reicheren Reichen würden sich doch mildtätig engagieren.
Wie das Leben im unteren Drittel konkret aussieht beschreibt der Sozialbericht NRW 2012:
„Die 30 % der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen geben durchschnittlich mehr Geld aus als sie einnehmen und müssen auf Erspartes zur Bewältigung der monatlichen Ausgaben zurückgreifen. Ein finanzieller Spielraum für das Ansparen eines „Sicherheitspolsters“ für notwendige Anschaffungen und die unkalkulierbaren Wechselfälle des Lebens ist nicht vorhanden. …
Zur Befriedigung der lebensnotwendigen Bedürfnisse, wie Miete, Nahrungsmittel oder Kleidung wurden durchschnittlich etwas mehr als die Hälfte der gesamten Ausgaben aufgewendet. Bei den Haushalten, die zu den unteren 10 % der Einkommensverteilung gehören, entfielen mehr als drei Viertel der Ausgaben auf den Lebensunterhalt. Die Ausgaben für die soziale Teilhabe sind bei den Haushalten am unteren Rand der Einkommensverteilung gesunken.“
Bochums Spitzenverdienende verfügen über ein Einkommen von mehr als  drei Millionen Euro jährlich. Mit rechtschaffener Arbeit lässt sich das nicht verdienen. Das Vermögen wächst entsprechend ins Uferlose.«
Quellen:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neuer-armuts-und-reichtumsbericht-der-bundesregierung-reiche-trotz-finanzkrise-immer-reicher-1.1470673
http://www.amtliche-sozialberichterstattung.de/index.html
Sozialbericht NRW 2012:
http://www.mais.nrw.de/sozialberichte/index.php

 
 
 
 


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