Freitag 06.07.12, 10:46 Uhr
Eine Pressemitteilung im Wandel: Und plötzlich war die Polizei weg

Bochum jetzt weniger total

Auf bo-alternativ war gestern unter der Überschrift Bochum noch totaler eine Pressemitteilung der Stadt Bochum unkommentiert veröffentlicht worden. Es ging um den Einsatz eines fliegenden Überwachungsroboters beim Massenspektakel “Bochum total”. In der Originalpresseerklärung hieß es: “Das teilen Feuerwehr und Polizei mit. Er überträgt Luftbilder an die Einsatzleitung der Feuerwehr. Das Pilotprojekt soll Feuerwehr und Polizei zusätzliche einsatztaktische Erkenntnisse durch Bilder aus der Vogelperspektive liefern.” In der online veröffentlichten Fassung der Pressemitteilung wurde inzwischen die Polizei gestrichen, aber vergessen bei “teilen” den Plural in eine Singularform zu ändern. Es heißt auf der Webseite der Stadt jetzt: “Das teilen Feuerwehr mit.” Korrekturen von Pressemitteilung werden normaler Weise vom Presseamt der Stadt den Redaktionen mitgeteilt. Diesmal war das nicht der Fall. Die aktuelle Seite als Screenshot. Dank an Leser CyberPunk, der auf das Verschwinden der Polizei aufmerksam gemacht hat.

4 LeserInnenbriefe zu "Bochum jetzt weniger total" vorhanden:

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6. Jul. 2012, 14:06 Uhr

LeserInnenbrief von riddig:

Hallo,

die zum EInsatz kommende Drohne ist von Airrobot, ich habe früher eng mit dieser Firma zusammengearbeitet, als sich diese gegründet hat und die Drohne entwickelt wurde.

Es ist richtig, dass man misstrauisch gegenüber solcher Überwachungsinstrumente sein sollte, aber diese Drohne ist eine reine Aufklärungsdrohne für Rettungseinsätze. Sie ist nicht zur Spionage oder für Waffensysteme gebaut. Ich selber bin diese Drohne bereits geflogen und habe sie im EInsatz gesehen, zb. bei Tagebaubrüchen in NRw um eine Übersicht zu liefern oder bei schweren Verkehrsunfällen und Großeinsätzen des Katastrophenschutzes. Für solche Dinge ist diese harmlose Drohne geeignet, da sie massgebend für wichtige ENtscheidung der EInsatzstelle vorort ist und somit über Leben und Tod entscheiden kann.
Gruß, Riddig


 

6. Jul. 2012, 17:58 Uhr

LeserInnenbrief von Martin Budich:

@riddig: Kameras sind grundsätzlich harmlos. Die Frage ist, wer sie wofür einsetzt. Vor allem ist immer darauf zu achten, wie Akzeptanzbeschaffungsmaßnahmen für den Einsatz von Überwachungssystemen aussehen. Der Leserbrief ist ein typische Beispiel, wie so eine Akzeptanzbeschaffung aussieht.
Beim ersten Bundeswehreinsatz außerhalb der NATO sind auch nicht gleich massenhaft ZivilistInnen umgebracht worden, wie jetzt in Afghanistan. Ein Minenräumkommando im Persischen Golf und ein Sanitätseinsatz in Kambodscha dienten zur Akzeptanzbeschaffung. Was konnte man schon dagegen haben…


 

7. Jul. 2012, 16:35 Uhr

LeserInnenbrief von Ex-USch:

Überwachungskameras töten permanent – und zwar die Menschenwürde. Aber was könnte mensch (kleingeschrieben) schon dagegen haben in Zeiten von Grundrechtsdumping und einem historisch einmaligen Siegeszug totaler Überwachung bis in die letzten Winkel des öffentlichen Raums.

Ex-USch


 

8. Jul. 2012, 11:44 Uhr

LeserInnenbrief von Wolfgang Dominik:

Drohnen sind natürlich typische Dual-Use-Produkte. Im Kontext des seit Januar 2009 laufenden EU-Projekts Indect ((„Informationssystem zur Unterstützung zur Suche, Entdeckung und Überwachung von Bürgern in städtischen Umgebungen“) und im Kontext der ZMZ (Zivil-Militärische Zusammenarbeit) und auf dem Hintergrund, dass allein in Deutschland bis 2015 ein Markt von über 30 Milliarden Euro für Sicherheitstechnologien vom BFM (Bundesforschungsministerium) geschätzt wird, darf „man“ die Drohnen in Bochum nicht auf die leichte Schulter nehmen! Dutzende von Behörden, Unternehmen und Hochschulen arbeiten an Drohnen. Indect soll „abnormales“ menschliches Verhalten registrieren können. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die Frage zu stellen, ob bei den „Abnormalen“ in Heiligendamm oder bei erwarteten „abnormalen“ Massenstreiks, vielleicht sogar „abnormalen“ Armutsrevolten, staatliche Repressionsorgane nicht gut beraten sind, fast lautlose und sehr kleine Drohnen statt doch recht martialisch wirkende und laute Tornados einzusetzen. Offiziell ziert sich zum Beispiel das BKA noch, Drohnen einzusetzen, aber die jüngste Änderung des Luftverkehrsgesetzes erlaubt es schon mal, Drohnen als Flugobjekte einzusetzen. Und dann der Export! Für Mubarak und Co. wäre es doch recht nützlich gewesen, die Demonstranten sofort per Drohnen identifizieren zu können. Die biometrische Erkennung von Gesichtern und Körperhaltung wird immer weiter verfeinert.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar übrigens wurde über Indect erst aus der Presse informiert! Bei „unseren“ Geheimdiensten eigentlich nicht weiter verwunderlich!


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