Samstag 18.06.11, 12:29 Uhr

Extremismus-Diskurs als Ablenkung

Auf die Justiz, die Medien, die Polizei und die Politik in Bochum ist Verlass. Wenn Naziverbrechen, wie gestern bei der Verurteilung von Andre Zimmer, unbestreitbar an die Öffentlichkeit gelangen, dann werden die Verbrecher häufig als verirrte Einzeltäter verharmlost. Der Richter bezeichnete Zimmer in der Urteilsbegründung als “geistig  verworren”. Dass der Verurteilte NPD-Landtagskandidat war und bei vielen Nazi-Aktivitäten eine führende Rolle inne hatte, wurde dagegen nicht thematisiert. Wie eigentlich immer in solchen Situationen wird dann nach einer Geschichte gesucht, mit der darstellbar ist, dass die Linke auch böse ist. Der Extremismus-Diskurs soll von der Gefahr durch die Nazis ablenken. Diesmal übernimmt diese Aufgabe nicht wie üblich die WAZ sondern die Ruhr Nachrichten. Sie machen ihren Bochumer Lokalteil heute mit einem fünfspaltigen Artikel unter der Überschrift auf: “Morddrohung im Vorstadtkrieg – Links- und rechtsextreme Jugendliche bekämpfen sich gegenseitig“. Der Artikel beginnt: »Norbert Busche, Bezirksbürgermeister im Bochumer Osten, spricht von „politisch Verwirrten”. Zumeist Jugendliche. Sie liefern sich derzeit einen Krieg auf den Straßen im Osten. Es gibt sogar eine Morddrohung. Parolen, Schmierereien, Drohungen und Übergriffe. Mit großer Sorge beobachten die Bezirksvertreter und die Menschen im Bochumer Osten, wie sich jugendliche Rechtsextreme und Linksextreme einen Schlagabtausch liefern. „Die scheinen sich gemüßigt zu fühlen, einen Krieg zu führen”, sagt Bezirksbürgermeister Norbert Busche (SPD).« In dem Artikel werden dann eine Reihe von Nazistraftaten aufgezählt und den Linken wird zugeschrieben, dass sie den Kopf eines Kriegerdenkmals abgeschlagen haben.
Tatsächlich gibt es seit einiger Zeit verstärkt Nazi-Aktivitäten in Langendreer. Die Täter sind allerdings keine Jugendlichen sondern erwachsene Männer, die grölend durch den Stadtteil ziehen und PassantInnen bedrohen und belästigen. Mit einer Vielzahl von Schmierereien versuchen sie Langendreer als Nazi-Stadtteil zu markieren. Verschiedene Gruppen in Langendreer haben sich inzwischen zusammengesetzt und überlegt, was zu tun ist, damit nicht demnächst Dortmunder Verhältnisse in Langendreer herrschen. Auch in Dortmund waren die Nazi-Verbrechen jahrelang von Polizei, Justiz und Politik verharmlost worden.  Der Überfall von 300 Nazis auf die DGB-Demonstration am 1. Mai vor zwei Jahren hat dann zu mindestens einige in der Nachbarstadt wachgerüttelt.

2 LeserInnenbriefe zu "Extremismus-Diskurs als Ablenkung" vorhanden:

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18. Jun. 2011, 15:23 Uhr

LeserInnenbrief von Azzoncao, ein Polit-Cafe:

Für die, die gerne mehr zu LA-und die Abläufe dort erfahren wollen hier eine kleine Link-Sammlung:

Aus Mitte letzten Jahres stammt dies Flugblatt, dass wir 3000 mal in Werne und Langendreer verteilten, da sich sichtbar im Stadtteil Nazis breit machten:
Nazis in Werne und Langendreer
http://linksunten.indymedia.org/de/node/22293

Aus dem Januar 2011 stammt dieses Flugblatt, das in einer Stückzahl von 1000 rund um das Ehrenmal verteilt wurde. Es setzt sich mit der Geschichte des Denkmals und dem Umgang damit auseinander:
Bochum/Kriegerdenkmal – „Im Westen Nichts Neues?“
http://linksunten.indymedia.org/de/node/32605

Anfang April 2011 demonstrierten Dortmunder und Bochumer Nazis an der Stadtgrenze gegen die Unterbringung von Flüchtlingen im „Grevendicker Feld“. Hier ein kurzer Bericht:
Zur Nazidemonstration am 2.4.2011 gegen die Flüchtlinge im „Grevendicker Feld“
http://linksunten.indymedia.org/de/node/36819

Die „Ruhrachse“ der NPD gastierte noch im Februar 2011 am Langendreerer Amt. Dort wo sich zur Zeit ein Brennpunkt der Auseinandersetzungen zwischen neonazistischen Antidemokraten und ihren GegnerInnen abspielen:
NPD – Im Schweinsgalopp durchs Ruhrgebiet
http://linksunten.indymedia.org/de/node/34717

Am Montag den 6. Juni demonstrierte die Bochumer NPD zusammen mit so genannten „Autonomen Nationalisten“ (vorwiegend Dortmunder) in der Bochumer Innenstadt.
NPD-Kundgebung in Bochum versinkt im Regen! – http://linksunten.indymedia.org/de/node/41294)
Tenor „Gegen antideutsche Gewalttäter – Kriminelle Ausländer raus!“ Neben NPD-ler kamen auch die angereisten Ans zu Wort. Das liegt anscheinend daran, dass einige Dortmunder als Mitglieder einer Nazi-WG in Langendreer den Bogen am vorhergehenden Wochenende überspannt hatten und sich daraufhin einige Blessuren einfingen.


 

19. Jun. 2011, 14:21 Uhr

LeserInnenbrief von werner müller:

ich frage mich ja, ob dieser herr busche einfach nur eine peinliche gestalt ist, oder diese verharmlosung von nazi-aktivitäten teil des rechtsrucks der spd ist. es ist fast schon belustigender unsinn das absägen eines denkmals mit naziaktivitäten in verbindung zu bringen.

(nebenbei; wenn es diesen zusammenhang gäbe, dann heisst das doch die nazis in langendreer halten das denkmal für ihr denkmal und die aktion gegen das denkmal als einen angriff auf ihr denken. wenn es sich also um ein nazi-freundliches denkmal handelt, warum hat herr busche nicht längst die initiative ergriffen das denkmal abzureissen zu lassen?)

weit näher ist der zusammenhang verstärkter naziaktivitäten wohl dazu, dass salon-rassist sarrazin in der spd bleiben darf oder die spd dortmund mit kaum verhohlenen antiziganismus in der nordstadt-debatte das feld bereitet, in dem nazis ihre aktivitäten plazieren können.

antirassist/innen in der spd (unterstelle mal die gibt es noch) haben also ein echtes problem.


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