Sonntag 13.08.06, 22:03 Uhr

2004 LeserInnenbriefe


2.12.04Hallo Gabriele,
mit großem Erschrecken verfolge ich nun seit Tagen die Diskussion um den Neuen Freiraum. Der Artikel in der BSZ, der zur Mobilisierung und Werbung dienen sollte, ist wegen der unglücklichen Formulierungen völlig nach hinten losgegangen. Daraus irgendwelche Rückschlüsse auf die Vorbereitungsgruppe, die bisher beteiligten Personen oder das Konzept (welches noch gar nicht existiert, sondern gemeinsam erarbeitet werden soll) zu ziehen wäre sehr schade und der guten Idee und dem Engagement aller nicht angemessen.
Ich hoffe Du überdenkst Deinen Entschluss noch einmal und lässt Dich von dieser kontraproduktiven Debatte nicht beirren. Ich selbst (55 Jahre) bin seit Beginn in der Vorbereitungsgruppe aktiv und kann nur sagen, dass die Zusammenarbeit und der Ton in der Gruppe sehr solidarisch und fair war. In dem Papier zur Selbstdarstellung wird zudem ausdrücklich ein Bezug zum Alten Freiraum hergestellt und der Verein heißt auch weiterhin Freiraum e.V. .
Ich wünsche Dir schöne Feiertage und hoffe Dich am 07.01.2005 zur Begehung und Vorstellung der Räume zu sehen.
Freundliche Grüße

Horst Hohmeier


22.12.04
Liebe Leute,

hier meldet sich jetzt voller Entsetzen eine „Szene-Omi“, die über 10 Jahre freiraum Arbeit gemacht hat und schon bei dem Artikel unter der Überschrift „Lokalgeschichte“ ziemlich erschüttert war, dass der freiraum an der Wittener Straße (1984 bis 1993) von den neuen „freiräumler/inne/n“ zur Bochumer Historie offenbar gar nicht hinzugezählt wird. Aber da hab ich mir dann gedacht, dass das dem Generationen-Wechsel geschuldet ist und es ja vielleicht irgendwann Gelegenheit gibt, deutlich zu machen, dass es in Bochum eine eigene Tradition von kleinen Zentren neben dem Bahnhof Langendreer gibt. Mir hat die bisherige Projektbeschreibung ansonsten ausgesprochen gut gefallen, deshalb bin ich jetzt angesichts der Debatte so entsetzt – nicht nur über den Inhalt, sondern auch über den Stil.
Ich habe eigentlich vor, solidarisch „in der Nähe“ zu bleiben, mit Spenden etc. zu unterstützen und vielleicht auch die Räumlichkeiten für Veranstaltungen etc. zu nutzen – kommt nämlich auch bei über MittvierzigerInnen vor, dass sie einen mittelgroßen, gut erreichbaren, kostengünstigen und von der Umgebung (Innenstadt) und den Leuten her angenehmen Raum suchen, mit dessen Nutzung auch noch ein sinnvoller Zweck unterstützt wird, suchen (ging mir neulich so, als ich für die bobaku-Initiative-Veranstaltungen einen solchen suchte, da hatte ich dann schon gesagt: „Wenn erstmal das neue freiraum-zentrum (bei mir heißt das halt einfach noch so) fertig ist…“) .
Aber nach dem, was ich da so lese, sieht es mir nicht danach aus, als hätte so eine bürgerliche Omi wie ich die Chance sich da gelegentlich einzuklinken, bin ja auch inzwischen Teil des Establishments (so als langjährig Erwerbstätige und Ex-Bürgermeisterin). Zeit und Muße für langwierige ideologische Debatten über die Frage, inwieweit meine Vorhaben dann der „reinen Lehre“ eines wie auch immer gearteten „Zentrumsleitbildes“ entsprechen würden, habe ich leider nicht mehr – das ist es, was ich aufgrund der hier geführten Debatten mittelfristig befürchte, davon abgesehen, dass ich auch keine Lust (mehr) darauf habe – an dieser Stelle würde ich dann gerne mal eine „Generationendiskussion“ führen…
.
Schade, dass die Offenheit, die reklamiert wird, schon im Vorfeld so schlechte Chancen hat.

Trotzdem einen guten Start wünscht
Gabriele Riedl


21.12.04

Zu dieser leidigen bsz-Artikels-Debatte:

I) Das was an dem bsz-Artikel und vor allem an der Antwort des Autors auf
die Kritik des „autonomen Hausbesetzers“ beanstandet wurde, war die Arroganz
und das elitäre Gedankengut, das dort wahrzunehmen ist.
Angeblich soll „emanzipatorische Streitkultur“ gefördert werden. Womit
bitte? In dem man erst einmal negativ über andere spricht? Sprecht von Euch,
bzw. sprich von Dir! Von den Wünschen, Hoffnungen, Zielen, die ihr oder
vielmehr die Du hast. Nicht aber darüber was andere angeblich so schlecht
machen oder gemacht haben. Nicht sofort Abgrenzung, Hierarchisierung und
somit Ausgrenzung.
Wenn Dich jemand kritisiert (wie in dem Leserbrief), dann demütige und
beleidige ihn nicht. Dies zeigt nur das Gerangele um Definitionsgewalt und
Macht auf. Versuche sachlich seine Argumente zu widerlegen, wie abstrus
diese Dir auch erscheinen mögen und wie unverstanden Du Dich auch wähnst.
Wir sind alle mit dem kapitalistischen Konkurrenzdreck im Kopf groß
geworden. Um aus diesem Teufelskreislauf heraus zu kommen, muß man die
Stärke entwickeln auch in persönlich engen Situationen den Weg zu
beschreiten, der einem als befreiend und emanzipatorisch gilt und nicht in
dieselbe Kerbe hineinzuhauen. Gewinnen tut dabei niemand. Man selber erst
recht nicht, da man sich immer mehr von dem entfernt, was/wie man selber
sein möchte.

II) Keiner hat hier einen wie auch immer genannten Vorbereitungskreis
kritisiert. Es ist eine Aussage einer nicht genannten Person aus diesem
Kreis kritisiert worden.
Alles andere bezieht sich auf den bsz Autor.

III) „Vielleicht finden sich ja ein Paar Szene Omis und Opis, die von damals
erzählen und ihre Einschätzungen weiter geben.“
Ich weiß eigentlich gar nicht, wie auch auf dieses Sprachgebilde reagieren
soll. Handelt es sich um Sprachschnoddrigkeit? Oder angebliche Coolness? Ist
es in den ASTA-Kreisen üblich über andere Leute so zu reden? Ist dies eine
Form von Gerontophobie (Altenfeindlichkeit)? Ist für den Autor ein/e 40zig
jährige/r schon ein Fall fürs Altersheim? Welchen Wert legt der Autor auf
Jugendlichkeit, Körperkult, Effizienz und Leistungsfähigkeit? Und worin und
wie sind diese zu messen? Soll diese Wortwahl eine Provokation sein? Glaubt
der Autor so irgendeine/n dieser Omis oder Opis dafür gewinnen zu können von
„damals“ zu erzählen? Glaubt der Autor, daß die Omis und Opis von „damals“
,sprich von gestern sind? Zum „alten Eisen“ gehören? Heute keine politisch
relevanten Sachen sagen, Projekte machen usw.?

Ich finde, daß der Autor des bsz-Artikels gut daran tut sich der
emanzipatorischen Streitkultur zu widmen.

Für mich auf jeden Fall gilt, daß ich mich auf das derzeitige Niveau nicht
begeben will. Dies ist auch somit mein letzter Beitrag zu dem bsz-Artikel.


Ein „Alt-Autonomer“
20.12.04

Liebe Lena, lieber „Alt-Autonomer“, andere Autonome und alle Interessierten,

als ich meine Antwort absendete, war mir nicht ganz wohl dabei: Es war die Form, die mir nicht behagte. Doch dann fand ich diese wiederum angemessen, angesichts der Formulierungen wie „dümmer“, „nicht ernst zunehmen“ usw. Auch wenn ich finde, dass ihr beiden mit zweierlei Maß messt, möchte ich mir eure Kritik zu Herzen nehmen. Deshalb möchte ich auch versuchen, ein wenig konstruktiver zu antworten.

Zunächst zu den „cenrti sociali“. Im bsz Artikel ist doch lediglich die Rede davon, dass hierzulande die Sozialen Zentren durch Genua bekannt wurden. Damit ist m.E. aber noch kein direkter inhaltlicher Bezug hergestellt. Ich denke nicht, dass in Bochum versucht werden soll, italienische Projekte zu kopieren. Die Wahrheit, wenn sie denn hier ausgesprochen werden darf, ist viel banaler: Weil wir in die Öffentlichkeit müssen, um das Projekt bekannter zu machen, musste ein Name her. Mit „Infoladen“ hatten manche totale Bauchschmerzen, autonomes Zentrum, von inhaltlichen Differenzen abgesehen, hätte den Nagel auch nicht auf den Kopf getroffen, weil der Laden hierfür zu klein ist. Das „Gute“ lag also nahe und so nannten wir das Projekt „Soziales Zentrum“.

Zur Offenheit: Warum Offenheit mit Infoläden nicht möglich ist, fragt Lena? Die Frage ist natürlich nicht so einfach zu beantworten, weil es ja auch darauf ankommt, was für Leute den Laden machen. Theoretisch ist also auch ein offener Infoladen denkbar. Ich persönlich glaube aber, dass die Infoläden in die 80er und Anfang 90er Jahre gehören und dass sich hieraus auch ihre „Geschlossenheit“ ableitet. Schließlich gab es noch z.B. Militanz und damit das Bedürfnis sich zu schützen. (Z.B. gab es des Öfteren Bullenstress mit div. Plakaten.)
Eventuell wäre es geschickter gewesen, das Ganze positiver zu formulieren. Hätte ich geahnt, dass Autonome offen sein wollen, hätte ich das bestimmt auch anders gemacht.

In dem Konzeptentwurf zum Sozialen Zentrum steht geschrieben: „Mit dem Infoladen sind zwei Hoffnungen verbunden: Eine emanzipatorische Streitkultur zu schaffen und einen Gegenpol zur Mainstream-Kultur zu bilden.“ Vielleicht können wir ja mit der emanzipatorischen Streitkultur beginnen. Dazu gehört sicherlich auch, sich nicht gegenseitig Lächerlichkeit usw. vorzuwerfen.

Wenn es Diskussionsbedarf gibt, wäre es doch bestimmt möglich, so etwas wie Veranstaltungen hierzu zu organisieren. Vielleicht finden sich ja ein Paar Szene Omis und Opis, die von damals erzählen und ihre Einschätzungen weiter geben. Des Weiteren könnte es eine Veranstaltung zu „centri sociali“ geben, um zu schauen, was das Soziale Zentrum Bochum mit diesen gemeinsam oder eben nicht gemeinsam hat. Vielleicht wäre es auch nicht schlecht, eine Veranstaltung zu „den Autonomen“ im allgemeinen zu machen. (Wie haben sich die Autonomen entwickelt? Gibt es die Autonomen überhaupt noch?)

Noch was: Natürlich finde ich, dass auch hier auf bo-alternativ über das Soziale Zentrum debattiert und gestritten werden darf. Ich möchte nur eines zu bedenken geben: Wir, d.h. der Vorbereitungskreis oder der Orga-Kreis, sind ein wenig in der Zwickmühle. Wir hoffen nämlich, dass noch weitere Leute hinzu kommen und mitmachen und mitdiskutieren, um das Projekt auf möglichst breite Füße zu stellen. Deshalb lassen wir möglichst vieles offen und werden dafür kritisiert. Treffen wir hingegen Beschlüsse, werden wir hierfür kritisiert. Eine typische Situation also, in der nichts richtig zu machen ist, weil es eben nicht allen Leuten recht zu machen ist, die nicht an der Entscheidungsfindung beteiligt waren.

Gaston Déspérer


19.12.04

Verwundert, ernüchtert und doch voll Hoffnung

Verwunderung
Verwundert nahm ich den Artikel in der bsz über das angedachte Soziale
Zentrum in der Bochumer Innenstadt war.
Als sogenannter Alt Autonomer, der die Fabrikbewegung mitgemacht hat, der im
besetzten „Haus Berlin“ am Werner Hellweg 450, später im Heusnerviertel,
danach in der Villa gewohnt hat, der die Besetzung in der Brückstr, den
Infoladen an der Kohlenstr, den Versuch eines Infoladens am Springerplatz „S
29“ 1995 mitgetragen hat. Der sich auch anderen kleineren Besetzungen,
diversen Gruppen, Kampagnen und Projekten beteiligte (Sorry, ich war nur ein
paar mal in der Feuerwache), war ich sehr verwundert über den 6-Zeiler, der
die Lokalgeschichte der Bochumer Scene beleuchtete. Anscheinend kannte der
Autor nur die Feuerwache und hatte entfernt von der „Fabrik“ gehört. Nun
dachte ich: „Der Autor muß wohl ein zugewanderter Student mit wenig Kenntnis
und noch weniger Interesse an der Lokalgeschichte der Bochumer Scene sein.
Deren AktivistInnen zudem vorwiegend aus dem Nicht – Studierenden Milieu
kamen.“
Nun ist es ja kein Privileg älter zu sein und andere Erfahrungen gemacht zu
haben. Diese verkürzte Geschichtsauffassung mag mich ja einerseits treffen,
da ich denke das diese ( auch meine) Geschichte nun die jungen Linken nicht
interessiert. Andererseits denke ich, daß man dazu neigt, Fehler anderer zu
wiederholen, wenn man sich nicht für Geschichte interessiert und versucht
daraus zu lernen. Und sei es auch nur die Geschichte der Stadt, in der man
lebt.
Verwundert hat mich aber auch die Bezeichnung „Soziales Zentrum“ und der
Verweis auf die Centri Sociali in Italien. Diese sind zumeist besetzt, somit
illegal und oftmals von starker Repression betroffen. In Bochum soll eine
Lokalität angemietet werden. Also legal im Rahmen kapitalistischer
Verwertungskriterien. Warum sagt man nicht sozialer Treffpunkt? Warum die
Schaffung von Assoziationen zu der gelebten Radikalität anderer Menschen?
Des weiteren verwunderte mich die Abgrenzung eines Freiraumaktivisten zu
nicht näher benannten Infoläden und Autonomen Zentren. Ich hätte es besser
gefunden, wenn diese Person gesagt hätte, daß man in der Vergangenheit
Fehler gemacht hätte, diese nun aufheben wolle; mehr Vielfalt, mehr
Transparenz, keine Ghettobildung, usw. usf.. Aber laut des Aktivisten machen
andere Fehler, man selber ist dabei es besser zu machen. Ein mir seit 24
Jahren wohlbekanntes Muster: der Splitter im Auge des Anderen sehen, den
Balken im eigenen Auge nicht wahrnehmend. Konkurrenz, Hierarchie, interne
Elitebildung alles schon oft leidvoll erlebt.
Das der „autonome Hausbesetzer“ nun recht empfindlich reagierte, glaube ich
zu verstehen. Er scheint anders verbunden mit den Freiraum – Leuten und auch
über die Art verletzter zu sein, wie der Artikel geschrieben ist und was er
für Inhalte transportiert.
Ich kritisiere den Artikel wie ich es oben tue.

Ernüchterung
Was mich nun eher ernüchterte, ist der Antwortbrief des bsz Autors. Seine
Häme, diese Herablassung, diese Art der Belehrung, der Besserwisserei, diese
Abwatschung. Dieser Unibluff, locker aus der Hüfte aus irgendwelchen
Papieren und Papierchen zu zitieren und sich somit als großer Gelehrter und
Wissender darzustellen.
Ich fand die Antwort hochnäsig und arrogant. Sie spiegelte für mich viel
verletzte Eitelkeit wider.
Traurig macht mich dieser Stil. Und sauer.

Hoffnung
Ich wünsche den Leuten, die den Laden in Bochum machen wollen viel Kraft,
gute Laune, Zutrauen, Solidarität und Schokolade. Nehmt diese Art der
Auseinandersetzung bitte als Negativbeispiel und macht es anders.
Ich denke, daß wir uns auf jeden Fall sehen werden!

ein Alt-Autonomer


19.12.04
Bezug auf den Leserbrief Gaston Désespérer vom 15.12.04

Nicht alles glauben, was der Lehrer sagt…

Um es direkt vorwegzunehmen: Es gibt in der Tat Menschen, die sich der Interpretation des „autonomen Hausbesetzers“ anschließen und aus eben diesem Grund halte ich es für sinnvoll, eine mit dem Beitrag von Gaston überflüssig und peinlich gewordene Diskussion noch einmal aufzugreifen. Es zeugt meiner Meinung nach weder von Halluzinationen noch von böswilliger Verleumdung, den Satz zu Autonomen Zentren („Hiermit wollen wir eine Offenheit transportieren, die bei sogenannten Autonomen Zentren oder Infoläden einfach nicht gegeben ist“) als Abgrenzung gegenüber eben diesen Zentren und Läden zu interpretieren. Genau diese Abgrenzung wurde in dem Leserbrief des „Hausbesetzers“ zu Recht kritisiert. Im bsz-Artikel vom 8.12. wird diese Abgrenzung weder begründet, noch eine Option eröffnet, wie es die „centri sociali“ besser gemacht haben, welches einen Bezug auf sie legitimieren könnte. Eine programmatisch zu transportierende „Offenheit“ mit einer unbegründeten Abgrenzung gegen andere Projekte einzuleiten, scheint mir extrem fragwürdig.

Ich bin gern bereit, mich überzeugen zu lassen, dass centri sociali viele Bezugsmöglichkeiten bieten, die mir leider nicht bekannt sind, nur fällt das ziemlich schwer, wenn außer der Tatsache eines positiven Bezugs auf die centri im Artikel keine Informationen gegeben werden. „Selbstaufklärung“, „Vernetzung“, „gegenseitige Hilfe und Kooperation“ warum könnte ein Autonomes Zentrum das nicht bieten?

Konkret stellt sich also die Frage (die weder im Artikel der bsz (646) noch in der Reaktion auf den Leserbrief beantwortet wurde), was diese centri sociali eigentlich so attraktiv macht und (selbst wenn sie so toll wären) inwiefern dieses eine Abgrenzung gegenüber Autonomen Zentren legitimieren würde? Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier „alte“ Konzepte radikal-linker Politik zugunsten einer neuen, tendenziell reformistischen aber ach-so-offenen Politik verdrängt werden sollen, ohne dafür eine rationale politische Grundlage und Theorie auch nur einer Erwähnung wert zu halten.
Soviel zur inhaltlichen Kritik, an der vielleicht deutlich wird, dass es sich hier nicht um die böswillige Interpretation eines Einzelnen handelt, sondern der Artikel meiner Meinung nach zu Recht kritisiert wird. Was die Form der Auseinandersetzung angeht, stehe ich der Aggressivität und den persönlichen Anfeindungen der Reaktion auf die Kritik im Leserbrief völlig verständnislos gegenüber. Ich halte den Leserbrief des autonomen Hausbesetzers nicht nur in seinem Inhalt, sondern auch in seiner Sprache für einen konstruktiven Beitrag zur inhaltlichen Auseinandersetzung, ganz im Gegensatz zu der Reaktion. In jedem Fall gab es keinen Anlass, den Verfasser persönlich zu diskreditieren (schwache Leistung: selbst wenn man sich auskotzen will, sollte man es schaffen, auf einer politischen Ebene zu bleiben!) oder ihm schlichtweg falsche Aussagen zu unterstellen. An welcher Stelle des Leserbriefes hat der „autonome Hausbesetzer“ denn erwähnt, dass ihm die Idee nicht gefalle, Widerstand zu vernetzen (wie ihm in der Reaktion vorgeworfen wird)? Aus lauter Wut über Kritik so übers Ziel hinauszuschießen ist lächerlich. Ich hoffe, dass politische Diskussionen im Zentrum in der nächsten Zeit auch kritische Beiträge beinhalten können, schon allein, um die vielbeschworene Offenheit des Zentrums, die sicherlich sinnvoll ist, zu wahren.

Ein letzter Punkt: Ich halte es für völlig berechtigt, diese Debatte nicht nur auf dem Freitagsplenum zu diskutieren, da es Leute geben soll (zu denen ich auch gehöre), die zwar freitags keine Zeit haben, sich aber trotzdem für ein Zentrum in Bochum interessieren und sich an Diskussionen beteiligen wollen. Was spricht dagegen?

Lena

PS: Ich wohne erst seit 21 Jahren in Bochum, daher ist mir Heinz Schenk leider unbekannt (außer als Moderator des Vorläufers des Musikantenstadls „Zum Blauen Bock“.) Gab es da eine Debatte drüber?


15.12.04

Stellungnahme von Gaston Déspérer zum Leserbrief von „ein autonomer Hausbesetzer“

In der Schule habe ich gelernt, dass der/die LeserIn immer ein wenig schlauer ist als der Autor. Will sagen: Texte sind offene Gebilde und erst fertig, wenn sie interpretiert werden. Du, lieber Bochumer autonomer Hausbesetzer, hast der Welt in deinem Leserbrief deine Interpretation des bsz (646)-Artikels „Ein Zentrum im Zentrum“ mitgeteilt. Ich fand schon in der Schule, dass eine Interpretation Grenzen haben sollte. Andernfalls kann einem Text alles unterstellt und untergeschoben werden. Deine Interpretation ist nämlich genau das: Ein Sammelsurium von Unterstellungen, Diffamierungen und das in einer Art und Weise, die unter aller Sau ist. Zunächst halluzinierst (ich hätte nicht gedacht, dass ich das Wort jemals benutzen werde) du einen Generalangriff auf die Autonomen und auf AZ Bochum und schreibst eine Verteidigungsschrift, ohne dass tatsächlich ein Angriff stattgefunden hätte. Dass du dich dabei einer Sprache bedienst, die bis in die Haarspitze nicht auf ein Argument schielt, sondern diskreditiert, ist eigentlich ein Grund, dir nicht zu antworten. Da aber nicht 100%ig auszuschließen ist, dass sich andere Menschen deiner Interpretation anschließen, antworte ich trotzdem.

Schon der zweite Abschnitt lässt erahnen wohin die Reise geht: Du würfelst munter Zitate aneinander, bis das Bild entsteht, dass du gerne hättest: „erinnert mich irgendwie an attac“ resümierst du also in einer Klammer und damit ist der Fall ja eigentlich auch schon gegessen: Da wir alle wissen, dass attac von Autonomen hassenden ReformerInnen gemacht wird, kann die Sache eigentlich hier schon zu den Akten gelegt werden. Was gefällt dir eigentlich an der Idee nicht, Widerstand zu vernetzen, verschiedene Gruppen in Bochum zusammen zu bringen, um einerseits in bestimmten Situationen handlungsfähiger zu sein, aber auch um einen Raum zur Auseinandersetzung zu schaffen? Wovor hast du Angst? Etwa, dass demnächst die ansonsten so überstarke Bochumer autonome Szene demnächst mit %-Fahnen auf Demos geht und die Tobin-Steuer fordert? Ist doch lächerlich.
Dass du von „‚inoffiziellen‘ Plenen“ sprichst, ist schon ein hanebüchenes Konstrukt. Noch schwerer wiegt allerdings der Umstand, dass du es nicht kenntlich machst, dass dies kein Zitat ist, sondern aus deiner Feder stammt. Zur Erläuterung: In dem bsz-Artikel ist vom ersten „‚offiziellen‘ Plenum“ die Rede. „Offiziell“ (in Anführungsstrichen) eben deshalb, weil der Vorbereitungkreis brieflich eingeladen hat und hofft, dass sich der Termin (7. Januar, ab 18h) möglichst weit rumspricht. Die Idee ist, dass möglichst viele die Räumlichkeiten kennen, um gemeinsam besprechen zu können, was wie wo läuft. Ein inoffizielles Plenum gibt es nicht – auch nicht mit Anführungsstrichen. Im bsz-Artikel steht ausdrücklich, dass wir uns Freitags um 19h im Bahnhof Langendreer treffen.

Was dich wohl am meisten wurmt, ist folgender Satz: „Dass wir das Projekt soziales Zentrum nennen, hat aber eine andere Ursache: Hiermit wollen wir eine Offenheit transportieren, die bei den so genannten Autonomen Zentren und Infoläden einfach nicht gegeben ist.“ Aus dieser Feststellung halluzinierst du den Generalangriff auf Autonome und dessen Strukturen. Doch damit nicht genug. Du beziehst diesen Satz mir nichts dir nichts auf das AZ Bochum. „Dass sich dieser Satz zwangsläufig auf das az bochum bezieht, das ja später auch noch erwähnt wird, sei hier mal vorausgesetzt.“, schreibst du. Das ist doch kompletter Unsinn und scheidet schon aus logischen Gründen aus. Du unterschlägst geflissentlich, dass in der Feuerwache kein autonomes, sondern ein antirassistisches Zentrum (nachzulesen auf der HP, in Pressemitteilung usw.) entstehen sollte. Beides ergibt ja bekanntermaßen das Kürzel AZ. Das von dir angesprochene Projekt ist also nicht mitgemeint! (Außerdem wurde das Projekt zu schnell geräumt, um hier überhaupt ein Aussage machen zu können. Allen bekannt dürfte doch sein, dass die Feuerwache vielen ein Anlass zur Hoffnung war.)
Doch betrachten wir nochmals den oben zitierten Satz und fragen mit deinen Worten: „Was will uns dieser Satz sagen?“ Nichts von dem, was du vermutest ist wahr. Er will viel weniger sagen. Eigentlich will er genau das sagen, was er sagt: „Hiermit wollen wir eine Offenheit transportieren, die bei den sog. Autonomen Zentren und Infoläden einfach nicht gegeben ist.“ Sicherlich ist das Urteil ein wenig undifferenziert, was dem eigentlichen Thema (es ging nämlich nicht um eine Kritik an Infoläden und Azs) und dem Platzmangel (was auch damit zu tun hat, dass nicht jede Party, nicht jede symbolische Besetzung im Rahmen der AZ-Kampagne erwähnt ist, sondern das Ereignis, welches im kollektiven Gedächnis am ehesten verankert ist) geschuldet ist. Einen Infoladen in der Provinz aufzumachen, ist sicherlich etwas anderes, als einen Infoladen in Berlin oder Hamburg zu gründen, und macht eine gewisse Offenheit und auch Bündnisfähigkeit notwendig. (Vgl. radikal 139 „Notizen aus der Provinz“.) Andererseits war die Offenheit oder Geschlossenheit der Autonomen Szene und dessen Strukturen auch immer wieder Anlass zur Auseinandersetzung. Vielleicht hast du, lieber autonomer Hausbesetzer, es in deinem autonomen Hausprojekt in Bochum nicht mitbekommen, aber es hat Diskussionen auch um autonome Politikformen gegeben. Erinnert sei doch nur an die Heinz Schenk Debatte oder an die Debatten um die AA/B0 und dessen Politik. Diesen Diskussionen war eines gemeinsam: Es ging um die Zurückeroberung von gesellschaftlicher Relevanz. Hierbei meldeten sich auch immer wieder (autonome) Gruppen zu Wort, die das Ziel ausgaben, das kuschlig warme Szene-Ghetto zu verlassen, eben keine Nischenpolitik zu betreiben. Sicherlich gab es hier auch andere Stimmen, die auf die Wichtigkeit von Nischen verwiesen haben. Aber dies war nie losgelöst von den vorgefundenen Bedingungen einer Stadt und immer an eine große (subkulturelle) Szene gebunden. Wenn du mich fragst, würde sich ein autonomer Infoladen in dieser Stadt mehr als lächerlich machen. Die handvoll Bochumer Autonome, die ich kenne (und ich bin mir fast sicher, dass ich alle kenne), sind entweder zu alt, zu müde (is net bös gemeint), zu verstritten, aber vor allem zu wenige, um ein solches Projekt tragen zu können.
Bei diesem Satz geht es also weniger um eine Anpisse autonomer Projekte, als vielmehr darum, zu signalisieren, Konsequenzen aus den Entwicklungen der letzten Jahre ziehen zu wollen. Diese Entwicklung betrifft zum einen die gesamtgesellschaftliche, wie auch Entwicklungen innerhalb der Szene. Die radikale Linke zerfällt mit einer unglaublichen Halbwertszeit. Während die neokonservative Hirnverbrätzelung (kannst du in deinem autonomen Hausprojekt Sabine Christiansen empfangen?) voranschreitet, neue Akkumulationsstrategien gefahren werden, schaut die sog. radikale Linke zu, statt der Dummheit schaden anzutun.

Wie es dir vielleicht dämmert, gibt es also durchaus aus „autonomer“ Sicht Gründe, das Zentrum Soziales Zentrum zu nennen. Im Grunde lieferst du die Gründe gleich mit, weshalb es ganz gut ist, eine Offenheit zu transportieren. Das, was du uns nämlich als „autonom“ präsentierst, ist eher zum abgewöhnen. Die meisten sind über das Bild des „bösen, gewaltbereiten Autonomen“ (Zitat Leserbrief) schon längst hinaus. Du scheinst dir aber in dieser Rolle des Bürgerschrecks ganz gut zu gefallen. Du baust das Konstrukt der Distanzierung „entlang der Linie „gewaltfrei“- „gewaltbereit““ auf, um es einerseits wieder zurück zunehmen, anderseits entsteht der Eindruck, dass du diese nie gemachte Distanzierung brauchst, um ein Bild von dir selbst zu zeichnen. Die Botschaft ist deutlich: Zusammen mit den Spitzen „das Zentrum könnte sich auch gut „Demokratisches Zentrum“ nennen“ und der Anmerkung, dass das Zentrum irgendwie an attac erinnert, vervollständigst du das Bild. Dir genügt es nicht, dich selbst zu etikettieren („ein autonomer Hausbesetzer“ ist schon ziemlich daneben), sondern versuchst dies implizit in einer Art und Weise aufzufüllen, die sich auf die Formel reduzieren lässt: autonom=superradikal+gewaltbereit. Was soll der Quatsch? Betreibst du etwa deine private Wagensportliga oder begnügst du dich damit, darüber zu jammern wie reformerisch doch alle sind?

Ich hoffe ein wenig zur Klärung beigetragen zu haben. Ich möchte betonen, dass dieser Text ohne Rücksprache mit Personen meines Vertrauens entstanden ist. Alles Weitere sollte nicht auf bo-alternativ ausgetragen werden, sondern auf dem Plenum, denn da gehören solche Debatten hin. Dich, Autonomer Hausbesetzer, würde ich bitten, Texte doch ein wenig wohlwollender zu lesen, statt das Schlimmste zu unterstellen. Vielleicht hilft es ja schon, wenn du fragst, was dieser oder jener Satz noch bedeuten könnte, um die Sache im anderen Licht erscheinen zu lassen. Ansonsten kannst du hoffentlich lange suchen, um Leute zu finden, die mit dir das alte Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Block?“ spielen. Und nicht nur deshalb, weil das Spiel so ganz ohne schwarzen Block eh keinen Spaß macht.

Gaston Déspérer


11.12.04

Zu: „Ein neues Zentrum im Zentrum ist da!“ vom 07. Dezember

Judäische Volksfront?

Dass der freiraum e.v. es nach Jahren endlich geschafft hat, Räume anzumieten, freut auch mich. Die Art und Weise, in der der Artikel, der hier auf bo-alternativ und in der bsz erschienen ist, uns davon berichtet erfreut mich allerdings nicht.

Inhaltlich lässt der Text ja so viel wie möglich offen, verweist nur auf das erste „offizielle“ Plenum Anfang Januar. Viel mehr, als dass sich das entstehende „Soziale Zentrum“ offensichtlich an italienischen „centri sociali“ orientieren soll, um „globalisierungskritischen Widerstand“ durch „Vernetzung“ in eine „gesellschaftlich relevante Gegenmacht“ zu transformieren (erinnert mich irgendwie an attac), scheinen die „inoffiziellen“ Plenen bis jetzt noch nicht erarbeitet zu haben. Das ist auch nicht weiter schlimm, sollen doch die „NutzerInnen“ die „MacherInnen“ des Projektes werden. („Wir finden es wichtig, dass aktive Leute mit ihren Vorstellungen und ihrer Mitarbeit zu uns stoßen. Um unabhängig arbeiten zu können, sind wir auf Menschen angewiesen, die mit uns sympathisieren und uns finanziell mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen unterstützen.“)

Diese leicht schwammige Positionsbestimmung war dem Autor aber wohl selbst nicht genug. Er hielt es offensichtlich für nötig, das Projekt genauer zu definieren, indem er es nach links abgrenzt. Diese, meiner Meinung nach, sowohl dumme als auch unnötige Abgrenzung ist auch der Grund für diesen LeserInnenbrief.

„Dass wir das Projekt soziales Zentrum nennen, hat aber eine andere Ursache: Hiermit wollen wir eine Offenheit transportieren, die bei den so genannten Autonomen Zentren oder Infoläden einfach nicht gegeben ist.“

(Dass sich dieser Satz zwangsläufig auch auf das az bochum bezieht, das ja später auch noch erwähnt wird, sei hier mal vorausgesetzt.) Was will uns dieser Satz sagen? Will das „Soziale Zentrum“ weit in die gesellschaftliche „Mitte“ hineinwirken und eine Verbindung zu bösen, gewaltbereiten Autonomen wäre da hinderlich? Ich weiß zwar nicht genau, was ein „centri sociali“ ist, der Text verliert ja auch kein Wort darüber, kann mich aber noch sehr gut daran erinnern, dass während Genua 2001 in Italien und hier eine beispiellose Hetze gegen den vermeintlichen „black block“ stattfand, der angeblich vom Ausland gesteuert raubend und mordend durch die Städte zog. Distanziert sich das „Soziale Zentrum“ mit diesem Satz von diesem „black block“ oder grundsätzlich von allen Autonomen? Damit würden sie nur die Vorgaben von staatlicher Politik und bürgerlicher Presse aufgreifen und entlang der Linie „gewaltfrei“ – „gewaltbereit“ spalten. Das wäre dann aber ein Abgrund, den ich hier nicht unterstellen möchte, deshalb erscheint diese Lesung unwahrscheinlich.

Ist es überhaupt eine politische, ernstzunehmende Aussage? Dagegen spricht sicher die später im Text demonstrierte völlige Unkenntnis der Umstände, in denen 2000/2001 hier in Bochum um ein az gekämpft wurde. Unter der Zwischenüberschrift „Kleine Lokalgeschichte“ behauptet der Autor, der letzte Versuch „ein Zentrum zu besetzen“ habe 2000 stattgefunden und dessen Räumung habe klar gemacht, „dass von der Stadt Bochum nichts zu erwarten ist“. Das ist natürlich kompletter Unsinn und lässt nur den Schluss zu, dass der Hinweis auf den letzten Bericht über das az in der bsz („siehe bsz 636) von der Redaktion der bsz hinzugefügt wurde. Dass die bsz auf sich selbst verweist, ist ihr nicht vorzuwerfen, wohl aber, dass der Autor offensichtlich keine Anstrengungen unternommen hat, sich zu informieren. Ich zitiere hier mal aus der angegebenen bsz: „Eins der wesentlichen Ziele der HausbesetzerInnen […] war, die Behauptung der Stadt, für soziale und politische Initiativen hätte sie keinen Platz, keine Räume, als Lüge zu entlarven.“ Hmm…, irgendwie das Gegenteil von dem, was der Autor behauptet hat. Dass die Feuerwachenbesetzung vom 2. Dezember 2000 nur die erste in einer ganzen Kampagne war, in der die nicht nur die Feuerwache nochmal, sondern auch andere Objekte besetzt wurden (inlkusive Kriminalisierung und Verfahren), hier nur am Rande.

„Hiermit wollen wir eine Offenheit transportieren, die bei den so genannten Autonomen Zentren oder Infoläden einfach nicht gegeben ist.“ Im Rückblick auf die mehr als 30 Gruppen und Initiativen, die schon beim ersten Treffen im besetzten az Raumbedarf anmeldeten, klingt diese Aussage noch dümmer, als sie es eh schon tut. Wusste der Autor davon einfach nichts, lehnt er die Gruppen (oder ihre Zusammensetzung) von damals irgendwie inhaltlich ab (kein Hinweis im Text) oder geht er ernsthaft davon aus, dass das viel „offenere“ „Soziale Zentrum“ noch viel mehr Menschen ansprechen wird (vielleicht 50 Gruppen oder 100)? Fragen über Fragen und kein Antwort im Text, immerhin der ersten längeren programmatischen Äußerung des freiraum-„Soziales Zentrum“-Vorbereitungskreises überhaupt.

Was bleibt ist der üble Nachgeschmack einer Abgrenzung/Anpisse, die sich, meiner Meinung nach, weder inaltlich noch politisch irgendwie rechtfertigen lässt. Was soll das Ganze also? Was hat sich der Autor, bzw. der Vorbereitungskreis, der solche Ansichten derart veröffentlichen lässt, dabei wohl gedacht?
Die Besetzung des az hat damals die komplette Bochumer Szene belebt und ist unzweifelhaft einer der Höhepunkte der Geschichte der (radikalen) Linken in dieser Stadt. Wenn sich das „Soziale Zentrum“ nicht besser zu helfen weiß. als sich ohne Not oder Sinn von autonomen zentren/infoläden zu distanzieren, stellt es sich unnötig ein politisches Armutszeugnis, und das ohne erkennbaren Nutzen. (Nicht dass ich sowas mit erkennbaren Nutzen auch nur ein Deut besser fände.)

az bleibt!

ein autonomer bochumer hausbesetzer

P.S.
Mit der in einem Einzelgespräch gemachten Aussage, das Zentrum könnte sich so auch gut „Demokratisches Zentrum“ nennen, bin ich deutlich zu weit gegangen, dafür möchte ich mich hier entschuldigen.


20.8.04
Montagsdemos:
Ich sehe eine grosse Gefahr von der rechten Szene kommen.
In Gotha haben sich die rechtsradikalen an die Spitze der Hartz-Bewegung gesetzt und dadurch die CDU veranlasst,die Proteste gegen Hartz als linksradikal zu diffamieren.
Für die CDU sind sowohl die Hartzgegner, wie auch die rechtsradikalen dasselbe, so dass gegen beide repressive Massnahmen ergriffen werden müssten.
Forderung nach Auflösung der Demonstrationen werden warscheinlich nicht ausbleiben.
Es könnte sein, dass die SPD sich auf die Seite der CDU stellt und Schützenhilfe bei der Repression gegen Gewerkschaften und politisch Aktiven leistet, um dann bis zu ihrer Ablösung den Boden für eine bürgerliche Friedhofsruhe vorzubereiten.
Besonders ein CDU-Sieg 2005 in NRW dürfte das Verhalten der Polizei in NRW deutlich ändern.

Auf diesem Boden können dann die 50 Stunden-Woche, Streikverbot und innerer Dauernotstand verkündet werden !

Warscheinlich könnte es dann soweit kommen, dass Gewerkschaften sich aus dem Protest ausklinken, um nicht in den Ruch des Linksextremismus zu gelangen.
Hans Adler
had53@gmx.net


05.05.04
Nachdem ich bei dem Emily Prozess am Dienstag aus dem Gerichtssaal geflogen
bin, möchte ich darstellen, was mich an den diversen Verfahren gegen
bo-alternativ so wütend macht.

Während publicitygeile verbeamtete Pappnasen als Harry und Toto am liebsten
mit dem Streifenwagen durch die Fußgängerzone fahren und von kreischenden
Kindern gefolgt Autogrammkarten verteilen oder von Kamerateams begleitet in
Privatwohnungen eindringen, verlangen Zivilpolizisten, die bei einer
Kundgebung des Friedensplenums ununterbrochen provozieren und die
TeilnehmerInnen filmen und damit auch nicht aufhören, nachdem sie mehrfach
darauf angesprochen werden, den Schutz ihres Persönlichkeitsrechts und die
Entfernung der Fotos aus dem Internet, weil ihre nicht besonders
fotogenen Visagen anschließend auf bo-alternativ veröffentlicht werden.
Wobei ich unterstelle, dass sie in anderen Zusammenhängen genauso mediengeil
sind wie ihre permanent von Kameras begleiteten Kollegen.

Während ein Plakat mit einer Zwille als Anlass für eine völlig überzogene
Kampagne zur Kriminalisierung herhalten muss, bleibt eine Neonaziseite die
gegen den Bau einer Synagoge aufruft bis heute am Netz. Links die auf
weitere Naziseiten zeigen, auf deren Startseite eine zerschellte
Brandflasche mit brennendem Inhalt zu sehen ist, anscheinend keine
strafrechtliche relevante Darstellung sind.

Während eine Zwille für die Bochumer Strafverfolgungsbehörden eine
szenetypische Bewaffnung darstellt, schießen Zivilbeamte in schwarzen
Kapuzenpullis bei Castortransporten mit Leuchtmunition auf ihre eigenen
Kollegen um einen Knüppeleinsatz auszulösen. Die scheinen also andere
Vorstellungen von szenetypischer Bewaffnung zu haben.

Während bei jeder Zusammenkunft von so genannten Linken ohne erkennbaren
Anlass Taschen und Rucksäcke gefilzt und Leibesvisitationen vorgenommen
werden unterstellt uns die Staatsanwaltschaft, wir wären so blöd, mit Zwillen
in der Tasche rumzulaufen, wo selbst Taschenmesser als Anlass zu Festnahmen
genommen werden.

Horst Hohmeier
(Als Internet Provider verantwortlich für die Verfügbarkeit von bo-alternativ)


22.4.04
Betr.: Durchsuchung der Bochumer Moscheen / Polizeipräsident Wenner

Und wieder wird deutlich, welch Geistes Kind der „ ZeroTolerance-Politik“
Polzeipräsident Wenner ist. Auch diese völlig überzogene Maßnahme der
Durchsuchungen schließt sich u.a. nahtlos an frühere Äußerungen ( Der
Kommunismus und Nationalsozialismus sind gemeinschaftlich verantwortlich für
den Zusammenbruch der Weimarer Republik) und Aktionen (Vertreibungskommandos
vor der eigenen Haustür/Drogenberatungsstelle) an.
Neben der pauschalen Kriminalisierung, Ausgrenzung und Hetze sowie der
polizeilichen Erfassung mehrerer hundert Menschen islamischen Glaubens,
wurde zum Beweis ein Messer und 3 Personen ohne gültige Papiere an s
Tageslicht befördert. Ein mehr als zweifelhafter Erfolg. Ziad Jarrah
(Attentäter des 11.Sept.) soll in der Querenburger Moschee gebetet haben.
Wahrscheinlich hat auch er im Uni-Center eingekauft. Demnach müßte laut
Wenners Logik selbiges Center durchsucht, um seiner Spuren/Kontakte habhaft
werden zu können. Die Besetzung und Bombadierung islamischer Länder (
Saudi-Arabien, Sudan, Somalia, Afghanistan, Irak…) durch die
imperialistischen Koalitionstruppen im Namen der Freiheit (gemeint ist hier
wohl die Freiheit des Kapitals, des hemmungslosen Zugriffs auf die Märkte &
Rohstoffe sowie die geo-strategische Kontrolle) sind Teil des Problems und
nicht Teil einer politischen Lösung. Eben diese Koalitionsbündnis und auch Wenner treiben
Menschen eines gemäßigten islamischen Glaubens in die Arme der Radikalen!
Wir dagegen sollten uns nicht aufhetzen und auseinander dividieren lassen,
denn schließlich leben wir seit Jahrzehnten mit ihnen in Frieden und auch
in Freundschaft zusammen!
Heval


22.4.04
Liebe BO-Alternativ-Redaktion,

schön, dass auf Bo-Alternativ neuerdings auch kommentiert wird. Finde ich
eine ähnlich gute Idee, wie die Möglichkeit, LeserInnenbriefe zu schreiben.
Enorm auch und ein dickes Lob dafür, dass Bo-Alternativ sich zu einem super
Informationsmedium in und für Bochum gemausert hat (muss ja auch mal gesagt
werden!).

Trotzdem sei Euch/Dir folgendes Zitat aus Wikipedia, der freien
Enzyklopädie, ans Herz gelegt:

„Ein Kommentar ist die schriftlich oder mündlich kundgetane Meinung zu einem
Sachverhalt. Im Gegensatz zur Nachricht bringt ein Kommentar die persönliche
Meinung des Kommentators zum Ausdruck und ist somit immer subjektiv. Es gibt
unterschiedliche Formen des Kommentars: Einerseits-Andererseits-Kommentar,
Argumentationskommentar u. a. Obwohl eine subjektive Meinungsäußerung des
Kommentators (und daher auch immer namentlich gekennzeichnet), bedarf es der
gründlichen Recherche.“

Weiterhin frohes Schaffen und

herzliche Grüße!
Michael Wenzel


13.3.04
Als ehemaliger Bochumerin (Schülerin der Schiller-Schule, Abitur 1966) bin ich sehr froh und stolz, in welcher Breite demokratische Organisationen und vor allem junge Menschen die Aktionen gegen die Volksverhetzung der NPD und für den Synagogenbau in Bochum tragen. Wäre der Weg aus Berlin nicht so weit, wäre ich heute auch dabei. Mit großer Befriedigung habe ich gelesen, dass das Bundesverfassungsgericht dem Antrag der NPD nicht stattgegeben hat und so das Demonstrationsverbot bestätigt hat.
In Gedanken bin ich heute mit dabei
Gudrun O’Daniel, Berlin


11.3.04
betrifft die nazidemo am 13.03 in bochum –

hallo ihr,
habt ihr eigentlich auch die npd-seite und deren aktuelles gesülze im blick??? ich hab´ mir das eben mal durchgelesen und finde es zum erbrechen…
ist auch ein blödes gefühl der machtlosigkeit, dass diese hetze dort einfach so stehen darf, o.k. ist vor dem gesetz… scheisse.
ganz lieben dank für eure immer wieder aktuellen infos auf eurer webseite.

cu saturday

viele grüße
daniela


23.2.2004:

Hallo Leute,

leider wird bei Euch zum Gänsereiten einiges verschwiegen.

Ihr solltet vielleicht auch noch erwähnen, dass dieses Gänsereiten seit
Jahren auch ein Treffpunkt für Nazis ist. Ich denke sie werden dort heute viel
Werbung für ihre Demo gegen den Synagogenbau gemacht haben. Schläft die Antifa
in Bochum eigentlich? Vor Jahren wurde gegen das Gänsereiten auch mal was von
der Antifa gemacht und nicht nur von TierrechlerInnen.

Gruß
ein Ex-Bochumer