Bochum hat eine eigene Geschichte von Hausbesetzungen. Und egal wie man politisch steht – sie sind Teil dieser Stadtentwicklung. Man kann Stadtgeschichte nicht ausradieren, indem man einen Ort leert. Das Thema der Hausbesetzung ist eng mit dieser Stadt verwoben. Ob nun die Villa kunterbunt in Werne oder das damalige Heusner-Viertel – aber auch in den letzten Jahren wurden in Bochum immer mal wieder Häuser besetzt. Manche waren kurze Scheinbesetzungen die Solidarität ausdrücken sollten, aber andere Besetzungen hielten eine ganze Weile. In der Herner Straße 131 und in der Haldi47 konnten viele Menschen erleben, was eine Hausbesetzung besonders macht – und das es sich lohnt dafür zu kämpfen.
Wir lernten was es heißt Solidarität zu erfahren, wenn wir uns hilflos oder überfordert fühlten und plötzlich Menschen da waren, die uns zeigten, dass wir nicht alleine sind.
Wir lernten was es heißt für eine bessere Welt zu kämpfen, als wir merkten das unsere Häuser Menschen ermächtigten hinaus zu gehen und den Normalzustand anzugreifen.
Wir lernten wie viel Kraft und Macht in unserem Handeln liegt, als wir ausbrachen aus den Normen des Systems und für kurze Zeit ein wenig Utopie leben konnten.
Wir lernten, dass die Räume die wir schufen von uns geprägt werden. Die Menschen die wir trafen, wurden von diesen Räumen verändert. Die meisten Menschen, die mit dieser Art Freiraumbewegung in Kontakt kommen,werden zu besseren, verantwortlicheren Menschen – zu Menschen, die wissen, dass es mehr, und vielleicht auch wichtigeres gibt als das eigene Haus mit Hund und Garten.
Wir lernten, dass die Gesellschaft uns alle kaputt macht…
Wir haben aber auch gelernt wie viel wegbricht wenn diese Räume aufhören zu existieren. Menschen die man vorher täglich traf, sieht man nun nur noch sporadisch. Menschen die Zuflucht bei uns fanden, sieht man teilweise gar nicht mehr. Gruppen, die sich bei uns getroffen und vernetzt hatten, mussten viel Zeit, aber vor allem auch Kraft aufwenden, um woanders zusammen zu kommen.
Fast jeder linke Mensch in Bochum hat die Villa schon einmal besucht oder hat irgendeine Story über die Villa zu bieten. Für die meisten von uns war die Villa einfach immer da und gegeben. Erst in der letzten Woche mussten wir uns damit auseinandersetzen was es heißt, falls auch dieser Raum verschwindet.
Die Villa war für uns immer eine Erinnerung, daran dass Wohnraum anders gelebt und geschaffen werden kann. Da draußen, mitten im Bochumer Nirgendwo, zwischen Langendreer-West und Werne ist dieses Haus, was schon seit Jahrzehnten besetzt ist. Selbst wenn die Freiraumbewegung gerade kein Haus in der Innenstadt hatte, konnten wir immer nach Langendreer-West bzw Werne gucken und sehen, wie wichtig solche Räume sind.
Über 40 Jahre haben die Bewohner dieses Hauses, aus eigenen Mitteln instand gehalten, was die Stadt bewusst verfallen ließ. Wenn ihr uns, und unserer Stadt dieses Haus nehmt, dann löscht ihr nicht einfach nur ein Projekt. Ihr versucht kollektive Erfahrung zu löschen. Aber die kann man nicht abreißen. Die trägt Bochum bereits in den Knochen.