Dienstag 01.06.21, 23:42 Uhr
Hausbesetzungen in Bochum – die Brückstraße 33

Erinnerung an die Besetzung 1991


Heiko Koch schreibt anläßlich des Jahrestages der Besetzung der Brückstraße 33: »Vor 30 Jahren wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1991 das Alte Amtshaus in der Brückstraße 33 in der Bochumer Innenstadt besetzt. Zeit sich auf die Besetzung mit einem kleinen Bericht, einem Interview mit einem der Besetzer und einer Artikelsammlung zu erinnern.

In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1991 wurde in der Bochumer Innenstadt das Alte Amtshaus in der Brückstraße 33 besetzt. Die Besetzer*innen wollten mit der Besetzung ein Kulturzentrum, sowie einen kollektiven Wohnraum für sich schaffen. Wohnraum, den sie so auf dem kargen Wohnungsmarkt für sich nicht fanden. Sie forderten von der Stadt einen Mietvertrag für das damals 110 Jahre alte Stadtgebäude.

Der Zeitpunkt der Besetzung war günstig gewählt. Am kommenden Wochenende fand der evangelische Kirchentag in Bochum und Dortmund statt. Bochum wurde von bundesweit angereisten Christ*innen bevölkert und vor allem junge, sozial engagierte Christ*innen zeigten Interesse an der Besetzung. Eine sofortige Räumung konnte sich die Stadtverwaltung in der frömmelnden Stadtatmosphäre nicht leisten und schickte zunächst den Stadtrat und Hauptdezernent Ulrich Potthast als Ansprechpartner vor. Die Stadt gab dabei an, für das leerstehende Haus einen Nutzungsplan zu haben. Das denkmalgeschützte Haus solle renoviert werden und dann als Flüchtlingsunterkunft dienen. Die Besetzer*innen wiesen diese Behauptung als Alibi zurück, das lediglich dazu dienen solle ihre Interessen als Wohnungslose gegen die Wohnraumbedürfnisse von Flüchtlingen auszuspielen. Fakt sei, dass die Stadt über weiteren Leerstand für ankommende Flüchtlinge verfüge. Das gelte auch dem eventuellen Ansinnen, in der Brückstraße 33 städtische Büros einzurichten. Auch dafür gebe es in der Innenstadt genügend freistehenden Büroraum. Sie forderten eine schriftliche Nichträumungsgarantie und Verhandlungen über Mietverträge. Ihr Ansprechpartner Hauptdezernent Ulrich Potthast sah sich nicht in der Lage dies zuzusagen. Die Stadt würde auf ihr Nutzungskonzept bestehen. Zunächst würde die Stadt aber auf eine Räumung und Strafanzeigen verzichten (RN; 08.06.1991) Stadtsprecher Manfred Gutzmer hatte schon zuvor auf das Ansinnen den Besetzer*innen ein befristetes Bleiberecht einzuräumen verlautbaren lassen „So etwas haben wir einmal im Heusnerviertel versucht. Damals wurde in Zusammenarbeit mit dem akademischen Förderungswerk übergangsweise Wohnraum für Studenten angeboten. Das hat in einem Fiasko geendet, die Leute waren später nicht zur Räumung der Gebäude zu bewegen.“ (RN; 07.06.1991) Um Fronten nicht verhärten zu lassen, die Besetzer*innen nicht zu kriminalisieren und Zeit für die Suche nach alternativen Wohnraum zu haben, wolle die Stadt keine Anzeigen stellen und zunächst nicht räumen lassen. So die Zeitungsberichte vor und während des evangelischen Kirchentags `91.«

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