Freitag 17.11.06, 19:00 Uhr
Dienstag, 21. November, 19.30 Uhr, Bahnhof Langendreer

„Antigone – Stimmen, die die Wüste entflammen“


Das Theater „Telón de Arena“ greift den griechischen Mythos auf, nach dem Antigone sich mit dem Tyrannen anlegt, weil dieser angeordnet hat, ihren Bruder Polyneikes nicht zu begraben, sondern ihn in der Wüste liegen zu lassen.
Mit Hilfe von Brecht und Anouilh bringt die mexikanische Adaption das Stück in die reale Gegenwart von Juárez und thematisiert so die Morde an mehreren Hundert Frauen in diesem Ort an der Grenze zu den USA. Antigone sucht hier ihre Schwester und reklamiert das Recht der Bürger und Bürgerinnen, von ihrer Regierung Rechenschaft einzufordern.
„Das Stück stellt einen Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft dar, um auf die Gegenwart zu kommen, in der die Protagonistin die Stimmen aller Frauen repräsentiert, die in Theben verschwunden sind“, so die Regisseurin Perla da Rosa.
Mit viel Musik (Luis Maguregui), sparsamen Requisiten und dem Rückgriff auf Elemente des mexikanischen Volkstheaters verfolgt die Ästhetik des Stücks ein einfaches Konzept und konnte so die Kampagne gegen die Frauenmorde sehr unterstützen. Doch auch die Aufführungen in der Hauptstadt wurden begeistert aufgenommen. „Telón de Arena“ macht nun auf seiner Europatournee in München, Berlin und Bochum Station.
Bochumer Mitveranstalterinnen: Frauengleichstellungsstelle, medizinische flüchtlingshilfe bochum


Hintergrundinformationen zum Theater „Telón de Arena“ aus Mexiko, Ciudad Juárez und dessen Stück „Antigone – Stimmen, die die Wüste entflammen“


Aufführung am Dienstag 21. 11., 19,30 im Bahnhof Langendreer zum
„Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“
am 25. November
Jedes Jahr erleiden weltweit Millionen von Frauen und Mädchen Gewalt. Die Täter, ob aus dem staatlichen, gesellschaftlichen oder familiären Umfeld, gehen allzu oft straffrei aus. Öffentlichkeit ist die einzige wirksame Waffe gegen dieses tödliche Geflecht aus Frauenverachtung, Korruption und Straflosigkeit, deshalb nutzen Nichtregierungsorganisationen den „Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25. November, um weltweit auf diese Verbrechen aufmerksam zu machen und damit die Gegenwehr zu intensivieren.

Frauenmorde in Ciudad Juárez / Mexiko
In den nordmexikanischen Städten Ciudad Juárez und Chihuahua wurden nach Angaben von amnesty international zwischen 1993 und 2005 mehr als 400 Frauen und Mädchen ermordet. Mindestens ein Drittel von ihnen hat vor ihrem Tod massive sexuelle Gewalt erlitten. Die zuständigen Behörden verschleppten jahrelang die Ermittlungen zu dieser Mordserie.
Tagelanges Martyrium
Viele der Frauen und Mädchen wurden entführt, tagelang gefangen gehalten und gequält, erniedrigt und sexuell gefoltert, bevor man sie strangulierte oder brutal erschlug. Ihre Leichen wurden oft erst Monate oder Jahre später hinter Müllbergen oder in menschenleeren Gegenden am Stadtrand aufgefunden. Viele der ermordeten oder „verschwundenen“ Frauen und Mädchen arbeiteten in der Nähe der US-Grenze in so genannten Maquiladoras. Das sind Fließbandfabriken, die von ausländischen Firmen – meist Multis – errichtet werden, um bei niedrigem Lohnniveau für den Weltmarkt zu produzieren.
Durch die Arbeit der Organisation „Nuestras Hijas de Regreso a Casa (Unsere Töchter sollen heimkehren)“ und durch internationale Unterstützung wurden im vergangenen Jahr einige Erfolge erzielt, doch besteht weiterhin Handlungsbedarf, auch um die Angehörigen der Opfer zu schützen. Im November 2005 reiste Marisela Ortíz von „Nuestras Hijas“ durch die BRD, eingeladen vom Ökumenischen Büro für Frieden und Gerechtigkeit in München.
Antigone – Stimmen, die die Wüste entflammen“

In diesem Jahr hat das Büro die Theatergruppe „Telón de Arena“ aus Ciudad Juárez eingeladen. Die KünstlerInen arbeiten dort im „Bündnis für Kultur“ gemeinsam mit Angehörigengruppen, Frauen- und anderen Menschenrechtsorganisationen sowohl präventiv z.B. in armen Stadtteilen, wie auch mit Betroffenen zur Unterstützung bei der Traumabewältigung. Auch mit ihrem neuen Stück unterstützen sie den Kampf gegen die Frauenmorde. Die Regisseurin Perla de la Rosa greift den griechischen Mythos auf, bringt ihn in die Gegenwart von Juárez, wo Antigone ihre Schwester sucht und sich mit dem Tyrannen anlegt.
Wir wollen auch hier in Bochum den Kampf der Frauen in Juárez unterstützen und haben das Theater „Telón de Arena“ zu einer Aufführung seiner „Antigone“, die in Mexiko sehr viel Aufmerksamkeit hervorgerufen hat, eingeladen.