Freitag 12.10.18, 14:49 Uhr

Strafanzeige gegen Brieftaubenzüchter

Die Organisation PETA hat bei der Staatsanwaltschaft Bochum Strafanzeige gegen die „Freunde der Ruhrgebietsflüge e.V.“ erstattet und beschreibt in einer Pressemitteilung interessante Hintergründe des Treibens der organisierten BrieftaubenhalterInnen:» Trotz angekündigter schwerer Regenfälle, lokaler Gewitterwarnungen und Sturmböen mussten am 21. Juli bei einem Taubenauflass im österreichischen Wels 9.353 Tauben die Strecke von teilweise mehr als 640 Kilometern bis zu ihren Heimatschlägen im Ruhrgebiet zurücklegen – über die Hälfte der Tiere kam jedoch nicht am Ziel an. Wegen vorsätzlicher Tierquälerei erstattete die Tierrechtsorganisation PETA Anzeige gegen die Beteiligten.

[...]„Die Verantwortlichen haben billigend in Kauf genommen, dass sehr viele Tauben sterben – ein derart brutaler Fall von Tierquälerei muss strafrechtliche Konsequenzen haben“, so Dr. Christian Arleth, Rechtsanwalt bei PETA. „Vögel wegen eines möglichen Preises und aus Prestigegründen zu missbrauchen, passt nicht in eine moderne Gesellschaft. Taubenwettflüge müssen verboten werden.“
Bei Wettflügen wie diesem sterben viele Vögel an Flüssigkeitsmangel, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen. Da bei diesem Wettbewerb bereits der Preis für Platz 4.001 nicht mehr vergeben werden konnte, kehrten mindestens 5.353 Tiere der insgesamt 544 Züchter nicht zurück. Damit war die Verlustquote bei diesem Einzelflug etwa so hoch wie die durchschnittliche Verlustquote während einer gesamten Flugsaison von Mai bis September.
Vorsätzliche Tierquälerei und Tötung sowie Verdacht auf illegales Glücksspiel
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten oder in irgendeiner anderen Form ausgebeutet zu werden. Der Vorwurf der Tierrechtsorganisation: vorsätzliche Tierquälerei und Tötung in Mittäterschaft. Obwohl Taubenwettflüge dem Tierschutzgesetz widersprechen, werden sie bislang nicht einmal veterinärbehördlich überwacht. Nach Paragraf 3 S. 1 Nr. 1 ist es verboten, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen. Zudem legt das Gesetz fest, dass Tiere im Training oder bei Wettkämpfen keinen Maßnahmen ausgesetzt werden dürfen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder körperlichen Schäden verbunden sind. Weiterhin geht PETA von illegalem, öffentlichem Glücksspiel aus, weil Züchter den Ausgang dieser mit Preisen dotierten Wettbewerbe nicht beeinflussen können.
In Foren bestätigen Züchter immenses Tierleid
In Online-Foren ist unter den Züchtern ebenfalls eine Diskussion um den „Katastrophenflug“ im Juli entbrannt. Ein Züchter schreibt, dass Tauben in der Vergangenheit oftmals torkelnd bei ihm angekommen seien, keine Kraft mehr in den Beinen hatten. Sie konnten sich „nur noch mit den Flügeln abstützen [...] und noch viel schlimmer, was ich hier nicht aufzählen will“.
Rund 25.000 der knapp 50.000 Brieftaubenzüchter in Deutschland nehmen an Wettflügen teil. In deutschen Taubenschlägen leben schätzungsweise 2,5 Millionen sogenannte Brieftauben.

 
 
 
 


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