Freitag 12.05.17, 21:14 Uhr

Fluchtursachen: zum Beispiel Guinea

65 Millionen Menschen sind laut UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) weltweit auf der Flucht vor Armut, Krieg, Hunger und den Folgen des Klimawandels. Damit diese Ursachen nicht blinde Flecken im Diskurs um Flucht und Migration bleiben, organisiert die Medizinische Flüchtlingshilfe ihr Jahresprojekt „Fluchtursachen und Perspektiven für Frieden und Entwicklung“. Sie berichtet über die gestrige Auftaktveranstaltung: »Voller Raum im Bahnhof Langendreer – zum Thema „Fluchtursachen Guinea“ lauschten über 50 Interessierte der selbstorganisierten Gruppe  Voix des Sans Voix (dt.: Stimme der Nichtgehörten). Die Referenten hatten vor allem ein Ziel: Aufklären. Über die Gründe zur Flucht, die politische Lage im westafrikanischen Land und Perspektiven gegen Diktatur, Armut und Gewalt. Die Veranstaltung zeigte die Schattenseiten eines Landes, das die Bundesregierung als „sicheres Herkunftsland“ bezeichnet.
Mohamed hat überlebt: das Stadionmassaker am 28. September 2009 in Conakry. Zehntausende vor allem junge Menschen hatten im und um die Sportstätte gegen das Militär und die Diktatur demonstriert, mindestens 157 Menschen wurden dabei von Sicherheitskräften erschossen. Eindrücklich schildert der Referent, der danach nach Deutschland floh, die Szenen im Stadion: „Diese Menschen haben für Demokratie protestiert und sie bekamen Gewalt“, so Mohamed von Voix des Sans Voix – einer Gruppe von Geflüchteten, die sich für andere Geflüchtete und für Integration einsetzt.
Guinea – das ist für viele zumeist junge Menschen in Bochum das Herkunftsland im Pass. Warum die Menschen aus dem Land fliehen, wissen nur wenige. Der Vortrag startete deshalb erst mit einer Landkarte und beschrieb dann die Geschichte und die aktuelle politische Lage. „Zuerst war da der ausbeuterische europäische Kolonialismus, dann das Militär, das den Menschen die Freiheit nimmt“, so Voix des Sans Voix. Gerade für junge Menschen biete sich im Angesicht von Armut und Gewalt oft nur eine Perspektive und die heiße Flucht.

„Guinea muss zurück zur Demokratie“
Geschockt und interessiert folgten die Anwesenden den Berichten der Referenten. „Wenn man das so sieht, ist es einfach Hohn, dass Menschen aus Guinea keine Anerkennung bekommen“, so ein Besucher. In der anschließenden Fragerunde wurde deshalb für mehr Solidarität und Auseinandersetzung plädiert. Und vor allem eine Frage beschäftigte die Zuhörenden: Wie kann sich die Situation verbessern, wie die Fluchtursachen angegangen werden? Voix des Sans Voix nennt mehrere Maßnahmen, aber eine ist zentral: „Die Regierung muss wieder von den Menschen gewählt werden. Guinea muss zurück zur Demokratie.“«

 
 
 
 


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