Mittwoch 20.11.13, 11:55 Uhr
Städtisches Unternehmen wirbt für rechte Band

Weg mit dem Frei.Wild Plakat

Die Linksjugend, die Jusos und der Bund der alevitischen Studierenden protestiert in einer gemeinsamen Erklärung dagegen,  dass am Parkhaus gegenüber dem Hauptbahnhof auf einer riesigen Werbefläche für eine Rechtsrock-Band geworben wird. Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Sevim Dagdelen, bekräftigt diese Kritik in einer Stellungnahme. Die Jugendverbände schreiben: »Seit einiger Zeit hängt am Kurt-Schumacher Platz am HBF ein übergroßes Plakat der Band Frei.Wild. Das Parkhaus, an dem das Plakat angebracht ist, gehört der städtischen Tochter, der Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum mbH (EGR-Bochum). Die Stadt ist somit in der Verantwortung Rechtsrock keine Bühne zu geben! Auch wenn die Band versucht, ihr Image durch gezielte Aktionen aufzubessern, sprechen ihre Texte für sich!
Die Band Freiwilid ist immer wieder durch ihre rechten Texte aufgefallen. Lieder und Botschaften der Südtiroler sind durchsetzt mit Identitären und Rechtem Gedankengut. So zum Beispiel die Zeile „Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat, Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk“ aus dem Lied Wahre Werte. In einem weiteren Lied heißt es: „Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr”, was ganz klar die Judenverfolgung meint. In ihrem Lied „Südtirol“, stellen sie zudem klar, dass ihre „Heimat“ nicht zu Italien gehört, sondern zu Deutschland. Ein klassisches Bild der Rechtsrock Szene. Der Frontmann von Frei.Wild sang zudem in der der Südtiroler Rechtsrockband Kaiserjäger, bevor er Mitglied von Frei.Wild wurde. Freiwild verkauft mit seiner Musik Anti-Antifaschismus und Nationalismus als modernes Gedankengut um so die bürgerliche Mitte zu erreichen und untergräbt damit den zivilgesellschaftlichen Widerstand.
Daniel Kerekeš, Landessprecher der Linksjugend [‘solid NRW] und Aktivist der Bochumer Linksjugend erklärt: „Die Stadt Bochum muss sich von den Inhalten der Band distanzieren und dafür sorgen, dass ein solches Rechtsrock Plakat nicht omnipräsent im Stadtkern hängt! Bochum muss eine Multikulturelle und Tolerante Stadt bleiben, wir dürfen nicht zulassen, dass rechtes Gedankengut wieder Salonfähig wird.“
„Antifaschismus ist eine Gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der auch die Stadt mitwirken muss. Nicht wegschauen, sondern handeln: Die Linksjugend Bochum fordert die Stadt und die EGR auf sich von der Band zu distanzieren und das Plakat abzuhängen!“
Der Bund der alevitischen Studierenden (BDAS) erklärt dazu: „Wir, der Bund der alevitischen Studierenden Bochum setzen uns aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus ein, daher verurteilen wir dies” Der BDAS weiter: „Bochum ist eine Stadt geprägt von Internationalität und multikulturellem Zusammenleben. Frei.Wild bedient in ihren Texten jenes braune Klientel und Gedankengut, die dieses Zusammenleben gefährden. Dieses Plakat ist eine Demütigung aller Menschen, die täglich Opfer rassistischer und rechtsradikaler Übergriffe werden. Wir fordern die Stadt als Eigentümerinn und die EGR als Betreiber dazu auf Stellung zu beziehen, sich vom Inhalt der Band zu distanzieren und das Freiwild Plakat unverzüglich abzuhängen. Für rechtes Gedankengut gibt es keinen Platz in Bochum!
Svenja Ludwig, Vorsitzende der Jusos Bochum dazu: “Der Protest gegen die Band wird stärker und das ist auch gut so! Nach verschiedenen Absagen der Festivalveranstalter*innen an die Band gibt es eine breitere Debatte auch in der Musikszene. Die Naziideologie darf nicht über vermeintlich anerkannten Rechtsrock Einzug in die Mitte der Gesellschaft erhalten. Frei.Wild muss dort einsortiert werden wo sie hingehören – zu den rechtsradikalen Bands”
Daher fordern wir die Stadt als Eigentümerinn und die EGR als Betreiber dazu auf Stellung zu beziehen, sich vom Inhalt der Band zu distanzieren und das Freiwild Plakat unverzüglich abzuhängen. Für rechtes Gedankengut gibt es keinen Platz in Bochum!«
In der Erklärung vom Sevim Dagdelen heißt es: „Es ist skandalös, dass die Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum mbH (EGR-Bochum) als städtische Tochter einer rechtslastigen Band wie ‚Frei.Wild‘ Werbefläche zur Verfügung stellt. Dabei scheinen weder die Neonaziskin-Vergangenheit des Sängers noch die nationalistischen und völkischen Töne der Band zu stören. Die Stadt als Eigentümerin und die EGR-Bochum als Betreiber müssen ein klares Zeichen gegen rechtes Gedankengut  setzen und derartige Werbung unterlassen. Frei.Wild muss die Werbung auf Flächen der Stadt versagt werden.
Die EGR-Bochum scheint nach dem Motto zu agieren: Hauptsache das Geld stimmt. Anderenfalls wüsste sie, wer Interesse an der Werbefläche hat. Hätte die EGR-Bochum ihre Hausaufgaben gemacht, wäre ihr aufgefallen, dass Frei.Wild aus der Nazi-Band Kaiserjäger hervorgegangen ist. Auch, dass Frei.Wild-Sänger Philipp Burger bis 2008 Mitglied der rassistischen und rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei in Südtirol und der Austritt Burgers aus der Partei kein Gesinnungswandel, sondern vielmehr ein Managementschachzug war, um der Kritik zu entgehen, hätte sie erfahren.
Völkische Positionen sind nicht besser, weil sie sich auf Regionen wie Südtirol beziehen. Und sie sind deshalb auch längst nicht weniger rassistisch und rechtspopulistisch, wenn sie sich gegen alles richtet, das aus ihrer Sicht nicht zu Südtirol gehört. Mit Unterstützung der Stadt als Eigentümerin und der EGR als Betreiber werben sie für Konzerte, auf dem sie mit ihren Texten nationalistische und zum Teil rassistische Positionen verbreiten können wie dieser antisemitische Liedtext ‚Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr‘, zeigt.
Bochum braucht weder eine Braun- noch eine Grau-Zone. Die Stadt als Eigentümerin und die EGR als Betreiber müssen Frei.Wild eine Absage erteilen und die Werbung auf öffentlichen Flächen versagen.“«

2 LeserInnenbriefe zu "Weg mit dem Frei.Wild Plakat" vorhanden:

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22. Nov. 2013, 20:59 Uhr

LeserInnenbrief von tierbefreier:

hörenswert und mit guter Laune gegen Kackmusik ala Freiwild: http://www.youtube.com/watch?v=j7LmzrjbAVU


 

29. Nov. 2013, 11:23 Uhr

LeserInnenbrief von andreas koenig:

Das Plakat ist weg ;-)


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