Dienstag 20.03.12, 10:16 Uhr
10-Jahres-Bilanz: Verdoppelung bei Mini-Jobs in der Gastrobranche

NGG: „Mini-Job-Schwemme“ in Bochum

3.790 Menschen arbeiten als 400-Euro-Jobber in der Gastronomie
Kein Job zum Sattmachen

Kein Job zum Sattmachen: „Die Beschäftigten müssen oft mehrere Jobs machen, um davon leben zu können."

„Mini-Job-Schwemme“ in der Gastronomie: Immer mehr Hotels, Gaststätten und Restaurants in Bochum setzen auf Teilzeitkräfte und 400-Euro-Jobber. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert. In der Gastro-Branche werde es für Beschäftigte immer schwerer, einen Vollzeitjob zu bekommen. So habe die Arbeitsagentur im vergangenen Jahr in Bochum mehr als 3.790 Mini-Jobber in der Hotel- und Gaststättenbranche registriert. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten habe sich damit in den zurückliegenden zehn Jahren nahezu verdoppelt. Auch die Teilzeitarbeit boome: Von der Köchin bis zum Kellner hatten mehr als 960 Menschen in Bochum im vergangenen Jahr lediglich einen Teilzeitjob. „Die Gastro-Branche setzt bewusst auf ‚Patchwork-Belegschaften’ mit Mini-Verträgen“, sagt Yvonne Sachtje von der NGG Ruhr. Die Arbeitgeber sparten damit Sozialabgaben. Es falle ihnen auch leichter, den Tariflohn zu unterlaufen. „Und Mini-Jobbern werden häufig tarifliche Leistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, tariflicher Urlaub sowie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, die ihnen eigentlich zustehen, vorenthalten“, so die NGG-Geschäftsführerin. Spätestens dann, wenn es um die Rente gehe, würden Teilzeit- und Mini-Jobs für einen Großteil der Beschäftigten zum Bumerang: Viel zu geringe Rentenansprüche und damit Altersarmut seien vorprogrammiert. „Hier hilft nur ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro“, sagt Sachtje.
„Der Trend, den Beschäftigten in Bochum lediglich kleine und zudem oft auch noch befristete Arbeitsverträge zu geben, wirft ein denkbar schlechtes Licht auf die Branche“, so Yvonne Sachtje. Schon jetzt seien Hotellerie und Gastronomie Schlusslichter bei den Löhnen und beim Ranking der Ausbildungsberufe. „Mit diesen Arbeitsbedingungen wird es keinem Hoteldirektor und keiner Restaurantchefin gelingen, einen Betrieb auf Dauer erfolgreich zu führen. Jeder muss mit seinem Job die eigene Existenz sichern können. Wer arbeitet, der muss davon auch leben können“, so die Geschäftsführerin der NGG Ruhr. Viele Beschäftigte in der Gastronomie seien derzeit gezwungen, gleich mehrere Teilzeit-Jobs zu machen, um über die Runden zu kommen. Viele seien als Aufstocker sogar auf staatliche Unterstützung angewiesen.

 
 
 
 


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