Mittwoch 31.08.11, 10:19 Uhr

Dünkel gegenüber Randgruppen?

Das Polit-Café Azzoncao übt in einer Stellungnahme unter dem Titel “Wozu strickt sich Bochums Alternativ-Szene einen Nazi-Aufmarsch?” Kritik an den Beiträgen Ein Baum, ein Strick… und Unheimliche Nazi-Kundgebung: “Ein Kundgebung von rund 50 Jugendlichen am 20. August diesen Jahres wurde in Bochum von Altlinken zum Naziaufmarsch und von Teenie-Antifas zu einem Schulterschluss von Subkulturen mit dem organisierten Neo-Nazismus definiert.

Hier stellt sich nicht nur die Frage nach mangelhafter Qualität an Recherche, Analyse, taktischen/strategischen Vorgehen. Sondern auch nach elitären, bürgerlichen Dünkel gegenüber gesellschaftlichen Randgruppen. Von der sozialen Perspektive mal ganz abgesehen.
Schlimmer noch könnten aber die Auswirkungen eines solch linken Chauvinismus auf die Entwicklung innerhalb der marginalisierten Jugendszenen und -cliquen in der Stadt sein.
Am Samstag, dem 20. August 2011 wurden BochumerInnen über das lokale Internet-Portal „bo-alternativ“ davon informiert, dass es am Nachmittag einen Naziaufmarsch in Bochum geben werde. Eine Gegenkundgebung sei angemeldet worden.
Da in Dortmund zwei Wochen später der so genannte Nationale Antikriegstag der Naziszene angemeldet war/ist, lag der Verdacht nahe, dass es sich hier vielleicht um eine Mobilisierungsveranstaltung der Nazis für ihren Dortmunder Aufmarsch handeln könnte. Als man aber an der Huestraße ankam, sah dort alles ganz anders aus und bestimmt nicht nach einem strukturierten Marsch von organisierten Nazis. Ein buntes Gemisch diverser Jugendcliquen und – szenen erwartete den Betrachter. Von der Heavy-Kutte mit langen Haaren und Tattoos, über Punkklamotten mit bunt gefärbten Haaren, Irokesenschnitt, Docs und Nietengürtel, Che Guevara Tasche, Military-Rucksack mit Teddy dran, über Emo-look mit Piercings und Tunnel im Ohr, bis zu Hardcore-Shirts, Skin Outfit und Ultra-style war alles vertreten. Fehlanzeige wenn man jetzt meinte, hier hätten sich so genannte „Autonome Nationalisten“ eingefunden. Es waren Jugendgruppen, von denen viele auf dem Bahnhofsvorplatz regelmäßig abhängen. Von den etwas mehr als 50 Personen waren gut 70 % Teenager. Das Geschlechterverhältnis war ausgeglichen, darunter 5 ältere Frauen im Alter von 40 bis 50 Jahren – anscheinend Mütter von jugendlichen DemoteilnehmerInnen. Anwesend waren auch fünf offensichtlich aus dem rechten Ultrabereich und den Kameradschaften stammenden Männern, die mit liefen.
Organisiert hatte das Ganze anscheinend eine Person aus einer Black Metall Clique, denen nachgesagt wird, rechts zu sein. Die Clique war mit 6 bis 8 Personen vertreten und stellte zum Teil die Ordner, die in gelben Warnwesten auftraten. Anlass soll die anstehende Haftentlassung eines verurteilten Sexualstraftäter Namens Rüdiger K. aus dem Bekanntenkreis des Demoanmelders gewesen sein. Dieser Anmelder forderte härtere Strafen gegen diesen Sexualstraftäter. Nachdem am Auftaktort eine Minirede gehalten wurde, ging es weiter zum Dr. Ruer Platz. Der kurze Demonstrationsweg dauerte fünf Minuten. Auf dem Weg dorthin versuchten sich Einige im Rufen von Parolen. Über das dreimalige Intonieren von zwei bis drei Parolen kam man aber trotzdem nicht hinaus. Ohne Transparent, Flugblatt und als lockerer Haufen boten die Jugendlichen für die PassantInnen einen befremdlichen Anblick. Die Begleitung von Polizisten schaffte Distanz zu den Passanten und so blieb der desorganisierte kleine Haufen ein kläglicher Anblick ohne jede Außenwirkung. Ein peinlich falsch gemaltes Minischild und selbstbemalte T-Shirts hatten keinen werbenden Charakter. Den „Ansprachen“ hörten zum Teil nicht einmal die TeilnehmerInnen selbst zu. Die kurze Ansprache des Black Metall Fans war größtenteils gestottert. Ein Patchwork von Informationen aus dem Internet und willkürlich aneinander gereihten Horrormeldungen von Kinderschicksalen sollten eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema suggerieren. Wenn der junge Vortragende seine Stimme erhob, wachte das Umfeld auf und auch die letzten Umstehenden wussten, dass jetzt die Zeit zum Klatschen da war. Die Kurzansprache einer Mutter war kaum verständlich.
Die rechten Ultras und Kameraden standen oder saßen meist Abseits des Geschehens. Sie warteten sichtlich darauf, rumpöbeln zu können. Ihr Desinteresse am Gehalt der Demo war offensichtlich. Ein auf „Autonomer Nationalist“ getrimmter Jugendlicher nervte mit seiner Kamera Passanten und Umstehende. An die 100 Meter entfernt stehenden Antifas wagte er sich aber nicht heran.
Nach einer knappen halben Stunde stellten sich die rund 50 DemonstrantInnen noch einmal kurz zu einer Schweigeminute in einer Reihe auf, bis sie sich wieder in Richtung Bochumer Hauptbahnhof bewegten. Als rechtsorientiert bzw. rechtsinteressiert konnte man auf dieser Versammlung einige Black Metall Fans ausmachen. Offensichtlich war ein Metaller der auf seiner Kutte einen Burzum-Schriftzug trug (http://www.turnitdown.de/152.html?&type=98), sowie Sticker „Odin statt Jesus“ und ein Reichsadler-Tattoo auf dem Arm vorwies. Einige ältere Typen aus dem Fußballumfeld und mehrere Einzelpersonen konnte man ebenfalls zu einer rechten Klientel zählen. Diese passten aber weder vom Alter noch vom Verhalten her zu dem Gro der anwesenden Jugendcliquen. Bei ca. 50 bis 60 DemonstrationsteilnehmerInnen dürfte es sich um eine Anzahl von 10 Personen gehandelt haben, die erkennbar dem rechtsorientierten Spektrum zuzurechnen waren, was maximal 20 % der TeilnehmerInnen ausmacht. Und selbst diese Personen und Grüppchen schienen nur einen lockeren Bezug untereinander zu haben. Nur einige haben, so scheint es, Kontakte zur organisierten rechten Szene in Bochum. So behauptet die NPD jedenfalls auf Twitter, dass „Aktivisten der Nationalen Opposition“ anwesend gewesen sein. Die NPD sprach weiter von einer privaten Initiative gegen „Kinderschänder“ und versprach auch in Zukunft diesen Protest unterstützen zu wollen. Mittlerweile hat die NPD mit Flugblättern und Plakaten eine Kampagne in Bochum-Wattenscheid gegen den möglichen Zuzug des Mannes gestartet. Ob Claus Cremer eine solche Kampagne anlässlich der Rückkehr seines ehemaligen JN-Jugendbeauftragten Andre Zimmer initiieren wird, ist fraglich. In der Anklage gegen den verurteilten jugendlichen Pyromanen fand sich auch der Vorwurf des Besitzes kinderpornografischer Bilder (http://linksunten.indymedia.org/de/node/41022).
Jugend-Cliquen am Hauptbahnhof
Die große Mehrheit der VersammlungsteilnehmerInnen bestand aus verschiedenen Jugendcliquen, die mittels facebook mobilisiert worden waren. Ausgehend von drei Einzelgesprächen mit Cliquenmitgliedern soll im weiteren über diese Jugendlichen berichtet werden. Die Jugendcliquen stammen aus dem Umfeld des Bochumer Hauptbahnhofs. Dort hängen sie ab oder treffen sich, um von dort aus ihre Freizeitaktivitäten zu unternehmen. Man kann die Jugendlichen, die sich regelmäßig am Bochumer Hauptbahnhof treffen, auf 70 bis weit über 100 Jugendliche schätzen. Viele der verschiedenen Cliquen berichten, dass sie schon von diversen Orten in der Stadt von der Polizei vertrieben worden sind. Sie sind Ausdruck ausgegrenzter, weitgehend unangepasster Jugendlicher, die dem normalen Kommerz-und Konsumverhalten aus finanziellen und / oder gewollten Motiven ihren eigenen Rhythmus entgegenstellen. Zu den Gruppen gehört offensichtlich auch eine Metal-Fan-Gruppe, von denen ein Teil über Sprüche und Embleme ihre rechte Orientierung preisgibt. Aus dieser Teilgruppe heraus ist der Aufruf erfolgt und hat in diesem Milieu mobilisiert. Ganz nach dem „do it yourself“ Prinzip wurde mobilisiert und agiert. Und ca. 50 Jugendliche aus den anderen Gruppen kamen.
Angesprochen auf das Thema Sexualstraftäter und die Anwesenheit von Rechten auf der Demo gaben einige Angesprochene an, dass es eine Demo gegen sexuellen Kindesmissbrauch seien sollte. Dass dabei auch die Todesstrafe gefordert wurde, sei ihnen und anderen sehr übel aufgestoßen. Der Hinweis auf die Anwesenheit von Nazis und anderen rechtsorientierten Personen wurde verneint oder zurückgewiesen. Erkennbar rechtsorientierte Personen hatten sie auch zum Teil nicht wahrgenommen, kannten diese nicht oder debattierten, ob dieser oder jener denn rechts sei oder nicht. Aufs äußerste genervt waren sie über die Konfrontation, etwas mit Nazis zu tun zu haben und wiesen dies weit von sich. Auf die „Antifa“ angesprochen reagierten sie sauer und ließen an dieser kein gutes Haar. Im Grunde war das Ganze eine prima Sache: facebook-Kommunikation im digitalen Zeitalter wird zur politischen Selbstorganisation genutzt. Aus dem Nichts kommen 50 Teenies und werden zu TrägerInnen einer politischen Meinung. Viele Linke loben normalerweise solche Spontanität und Mobilisierungsfähigkeit. Sehen neue Soziale Bewegungen über diese Art der Kommunikation entstehen. So z.B. die Bewegung der „Empörten“ in Spanien oder die neue israelische Sozialbewegung. Selbst die bürgerlichen Parteien stimmen in das gleiche Credo ein, wenn es ihnen wie am Beispiel der nordafrikanischen Revolutionen in ihren Kram passt. Hier wurde der Protest der Jugendlichen umgehend von linken und rechten (die 10 erkennbar Rechten von den insgesamt 60) Dritten vereinnahmt. Erschreckend wie der Protest von Links vereinnahmt wurden. Und wozu? Statt abwartend und neugierig die Kundgebung zu beobachten, wurden aus ein paar minimalen Informationen ein Naziaufmarsch herbeiphantasiert. Das reichte aus mittels „bo-alternativ“ in die Bochumer Innenstadt AntifaschistInnen zu mobilisieren. Einen solchen antifaschistischen Aufruf zu starten war so verfrüht, wie falsch. Dieser Art von Alarmismus schadet der Mobilisierungsfähigkeit zu antifaschistischen GegendemonstrantInnen. Die schlechte Recherche und Analyse, die zu dem Fehlurteil eine Nazi-Aufmarsches führte, wurde aber nicht zurück genommen. Im Gegenteil sie wurde noch bestärkt. „bo-alternativ“ warf den Jugendlichen vor, sie seien naiv und dumm. Sie würden ultrarechte Parolen vertreten und leugnen Nazis zu sein. Eine örtliche Jugendantifa, die AJB, halluzinierte sogar einen „„sichtlichen Schulterschluss“ zwischen jugendlicher Subkultur und organisierten Neo-Nazis“ herbei. Dabei war es ihnen nicht gelungen außer dem Namen des Anmelders und den facebook-Eintragungen mehr an Organisationsstrukturen für das Ereignis nachzuweisen. Aus einer rechtsangehauchten Clique mit einem viel größeren nicht rechtsangehauchten Umfeld und einigen wenigen auftauchenden rechtsradikalen Kameraden wird ohne differenziertes Wissen mit erheblicher Distanz zum “Gegner” organisierter Neo-Nazismus. Auch eine Analyse der Mobilisierungsart (also facebook) wird nicht weiter vorgenommen. Aus der temporären Zusammenkunft und den unklaren Äußerungen von einem bunten Gemisch von Jugendgruppen werden „Subkulturen“, die einen „sichtlichen Schulterschluss“ zum Neo-Nazismus vollziehen. Wie glauben die Autoren von bo-alternativ wird eine solche pauschale Zuschreibung bei diesen Cliquen ankommen? Was erfolgt möglicherweise aus dieser Label-Vergabe für die vielen subkulturellen, ausgegrenzten Jugendlichen am Hauptbahnhof? Die Jugendlichen aus den Cliquen glauben, wie sie sagen, es gäbe ein über-/ unpolitisches gesellschaftliches Thema, zu dem halt alle etwas sagen dürften. Selbst Nazis wären hier zu akzeptieren. Das offenbart, dass sie zu autoritären Gesellschaftsideologien und erst recht zum NS, keinerlei ernsthaften Bezug, kaum Wissen, kein Verständnis haben. Dass sie faschistischen Gedanken nahe kommen könnten, steht nicht bei ihnen im Vordergrund und dass sie instrumentalisiert werden könnten widerspricht ihrem subkulturellen Hintergrund. Nachdem die Jugendlichen durch die „Instanzen“ bo-alternativ und AJB wahlweise als „Nazis“,„dumm“ oder “NS-kompatibel” definiert wurden, kann man sich die gruppeninternen Diskussionsprozesse der Betroffenen gut vorstellen. Ein gefundenes Fressen für Nazis. Schon auf der Minidemo brüllten die als rechts einzuschätzenden Männer „Nur weil man gegen Kinderschänder ist, ist man rechtsradikal?“ Zu den Teenies und nach außen wollten sie darüber einen direkten Bezug aufmachen, dass es die Rechten sind, die dies Thema originär vertreten würden. Als die wahren Vertreter für Sicherheit von Kindern, für Sicherheit und Ordnung im Allgemeinen und eine „saubere Heimat“. Das sie diese Argumente jetzt in die Cliquen hineinzutragen versuchen, liegt auf der Hand. In Cliquen, die keinen Bock haben von bürgerlichen Linken und Jugendantifas wahlweise als dumm, naiv oder Nazis betitelt zu werden. Eigentlich sollte man von bo-alternativ mehr Sachverstand erwarten. Von der AJB anscheinend nicht. Schon einmal in diesem Jahr denunzierte sie andere Jugendliche (http://linksunten.indymedia.org/de/node/39418), rief sie zur Entsolidarisierung auf und verriet sogar via Internetveröffentlichung Details an die Strafverfolgungsbehörden. Wie die rechtsorientierte Metall-Clique hängen viele Jugendliche mit vielen anderen in der City um den Hauptbahnhof ab. In einer City, in der es so gut wie keine Präsenz alternativer oder linker Jugendkultur mehr gibt. Den Punkerladen „Dirty Faces“ gibt es seit Jahren nicht mehr. Das Soziale Zentrum ist für diese Jugendlichen gleich in mehrfacher Hinsicht „out of reach“. Räumlich zu weit draußen, politisch elitär und sozial mittelschichts/akademisch ausgerichtet. In der City selbst gibt es weiter nichts als Kommerz. Ob die Jugendlichen zur Agitationsmasse rechter Jugendlicher werden oder nicht, hängt nicht nur von ihnen selbst ab, sondern auch von der Präsenz linker Kulturen auf der Straße und vom Umgang, den man mit diesen Jugendlichen pflegt. Im Jahr 2000 gab es um den Hauptbahnhof herum eine große Szene von Nazis, die sich meist zu den Wochenenden dort trafen. Von dort aus fanden diverse Übergriffe und Angriffe gegen alle möglichen Menschen statt. Zeitgleich gab es in der Brüderstraße das „Seck`s“ und den „Drugstore“, wo sich Nazis trafen, dort soffen und zu Schlägereien in das Bermudadreieck einfielen. Lange tat sich Nichts gegen diese Verhältnisse und die Naziszene konnte dort weiter anwachsen. Mit Platzbesetzungen vor dem Hauptbahnhof, mehreren nächtlichen Raves, Demonstrationen und Öffentlichkeitsarbeit gelang es damals nach über einem Jahr, die Nazis aus der City zu verdrängen. Will man, dass sich solche Verhältnisse nicht wieder einpendeln, muss man sich etwas anderes einfallen lassen, als mit verbalen Kanonen des Unverstands und der Distanz auf diese Jugendlichen zu schießen.«

5 LeserInnenbriefe zu "Dünkel gegenüber Randgruppen?" vorhanden:

LeserInnenbrief(e) zu "Dünkel gegenüber Randgruppen?" als RSS


 

31. Aug. 2011, 11:35 Uhr

LeserInnenbrief von Martin Budich:

Der Beitrag versucht mit vielen interessanten Details die Szene zu verstehen, die bei der Demo zusammengekommen ist. Nur dann verirrt der Autor sich in seiner Kritik an der Berichterstattung, wenn er schreibt: “Im Grunde war das Ganze eine prima Sache: facebook-Kommunikation im digitalen Zeitalter wird zur politischen Selbstorganisation genutzt. Aus dem Nichts kommen 50 Teenies und werden zu TrägerInnen einer politischen Meinung.”
Es ist überhaupt keine prima Sache, wenn eine Demo von deutlich erkennbaren Nazis organisiert wird und ganz groß auf einem T-Shirt steht: “Ein Baum, ein Strick, ein Schändergenick”.
Der Schreiber der Zeilen sollte eigentlich wissen, dass es bei dieser Demo nicht nur um ein lokales Ereignis der jugendlichen Subkultur in Bochum ging. Er sollte wissen, dass Nazis bundesweit das Thema sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen unter dem Thema “Todesstrafe für Kinderschänder” instrumentalisieren. Recherche in der jugendlichen Subkultur ist sicherlich interessant. Nazistrategien aufzudecken ist sicherlich mindestens genau so wichtig.
Die Demo war keine “prima Sache” von ein paar verwirrten Jugendlichen aus einer subkulturellen Ecke, sondern eine ekelhafte eindeutig von Nazis gesteuerte Kundgebung. Wenn das einige Beteiligte nicht mitbekommen, ist das halt ziemlich dumm für sie.
Siehe auch:
Facebook-Seite “Keine Gnade für Kinderschänder” – Neonazis beim Agitieren zusehen.


 

31. Aug. 2011, 13:42 Uhr

LeserInnenbrief von Sebastian Michaelis:

Lieber ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit bei Nazis als zu wenig.Erst recht am Vorabend des 03.September ist nochmal verstärkt Aufmerksamkeit geboten.Die besagte Veranstaltung wurde bei Facebook als öffentliche Veranstaltung beworben.Sowohl auf der dortigen Pinnwand wie auch unter den Zusagen sind eindeutige Nazi Profile auszumachen gewesen (z.b. Autonome Nationalisten NRW u.a.).Mehr als 300 Zusagen zu dieser Veranstaltung macht aktive Aufmerksamkeit daher unabdingbar!

Kein Fußbreit den Faschisten!


 

31. Aug. 2011, 18:05 Uhr

LeserInnenbrief von Andreas:

„Elitärer, bürgerlicher Dünkel“, „Altlinke“, „Teenie-Antifas“, „linker Chauvinismus“, eine „denunziende“, „halluzinierende“ AJB, ein „herbeiphantasierter“ Naziaufmarsch, ein „elitäres“ SZ usw. usw.

Was will uns der Verfasser (ich unterstelle angesichts dieser aggressiven, herabsetzenden Wortwahl mal eine männliche Urheberschaft) eigentlich sagen? Ok, AJB ist scheiße, SZ ist scheiße, Altlinke sind scheiße. Nur das „Polit-Café Azzoncao“ hat den Durchblick. Und nun?

Ja, auch „Altlinke“ und „Teenie-Antifas“ sollten über die Empfänglichkeit von verschiedenen „Sub“-Kulturen für rechte Ideologien diskutieren und Strategien dagegen entwerfen. Wir bewegen uns gerne in gewohnten Reaktionsmustern.

Und? Bietet das „Polit-Cafe“ nun an darüber zu diskutieren? Mit wem? Mit denen, auf die man in dem Artikel zuvor kräftig eingedroschen hat?

Mit diesem selbstgerechten Schreibstil versaut sich das „Polit-Cafe“ seine durchaus diskutierenswerten Inhalte und wird so zum „Besserwisser-Cafe“


 

31. Aug. 2011, 23:40 Uhr

LeserInnenbrief von Empörte:

Das Polit-Cafe (das laut eigener Seite seit über 2 Jahren “Siesta” hält und kein Cafe mehr veranstaltet hat) macht bisweilen mit sehr guten Artikeln unter dem namen Proyekto International auf sich aufmerksam. Sobald es aber um die “heimische” Politbewegung in Bochum geht, scheint all der gute Journalismus vergessen, all die Verhaltensweisen für Umgang in der Bewegung über Bord geworfen und jegliche Konstruktivität wird durch blinden Dekonstruktivismus ausgetauscht.

Es ist seit etlichen Monaten auffällig, dass mit Kurznachrichten und “Kommentaren” wie oben versucht wird, den Eindruck zu machen, dass das Azzoncao-Cafe noch eine Relevanz in der bochumer Szene hat. Wie gesagt ist die internationale Arbeit hervorragend und sucht im Bundesgebite seinesgleichen – lokal ist die Gruppe jedoch nichts anderes als ein Überbleibsel vergangener Zeiten (Das “Lenin-Poser-Bild” des Artikels ist da mehr als nur Steilvorlage…), das krampfhaft diffarmiert um sich selbst die Bestätigung zu geben, man würde ja zumindest noch als Szenepolizei wichtigen Beitrag leisten.

Die AJB hatte von einem “Schulterschluss” gesprochen, der im obigen Artikel als halluziniert bezeichnet wird. Wenn allerdings organisierte Neonazis es schaffen, im Gewand einer unpolitischen Demo, “alternative” Jugendliche auf die Straße zu bekommen und mit eigener Infrastruktur einen solchen Aufmarsch vorzubereiten ist das eben nichts anderes als ein Schulterschluss!

Dass es sich nicht um rechte Blackmetaller handelt, sondern tatsächlich um Nazis, die in der extrem rechten Szene verankert sind ist doch schon alleine durch die Kontakte zu Claus Cremer, dem NPD-Landesvorsitzenden, deutlich gemacht. Offensichtlich hat er nicht nur im Vorfeld “seinen Segen” für die Demo gegeben, wie im Flugi genannt, sondern auch im Nachhinein seine Freude über die Aktion kund getan und dabei auch noch gleich bestätigt, dass “Aktivisten der Nationalen Opposition” anwesend waren. Wie dabei noch negiert werden kann, dass es sich um eine von Nazihand geplante Nummer handelt, bleibt offen.

Es ist ebenfalls bekannt, dass antisemitische Inhalte bei Facebook aufgetaucht sind – da offensichtlich größtenteils über das Netzwerk mobilisiert wurde, ist es ebenfalls bezeichnend, dass “alternative” Jugendliche kein Problem damit haben auf eine Demo zu gehen, wo Parolen wie “Scheiß Juden” im Vorfeld jeden vernünftigen Menschen abschrecken dürften, an soetwas teilzunehmen. Es wird von Azzoncao behauptet, dass keine “Analyse der Mobilisierungsart” vorgenommen wird. Durchaus wird jedoch in dem Flugblatt, welches vor Ort verteilt wurde und im Internet dokumentiert ist, intensiv auf die Facebookmobilisierung eingegangen. Eine Analyse von Mobilisierung über soziale Netzwerke Ansich (!) ist dort völlig fehl am Platz und kann bei jeder großen Zeitung seit dem arabischen Frühling zu hauf eingesehen werden.

Weiterhin wird behauptet, dass der Protest von rechten und linken vereinnahmt wurde. Wie bürgerlich ist das denn, eine derartige Relativierung von rechts und links zu vertreten? So schreibt Azzoncao: “Im Grunde war das Ganze eine prima Sache”. Wären da nicht die doofen linken und die unbequemen Nazis hätte das ganze nach Cafe-Meinung wohl eine tolle Demo werden können. Interessant! Bei einer schon im Vorfeld durch menschenverachtende Forderungen, nach Verstümmelung und Tötung des Vergewaltigers, geprägte Mobilisierung, ist es wirklich erstaunlich von einem antifaCafe solche Statements zu lesen.

Es heißt darüber hinaus, dass der “Protest von Jugendlichen durch linke und rechte Dritte vereinnahmt” sei. Erstaunlich wo doch die Rechten initiatoren des “Protests” waren, dem sich die Jugendlichen angeschlossen haben und nicht andersrum.

Azzoncao sollte sich doch besser auf das Proyekto International konzentrieren und die örtliche Naziszene im Blick derjenigen belassen, die auch gewillt sind zu intervenieren und sich zurück halten mit Pamphleten wie dem Obigen, um sich nicht völlig unglaubwürdig zu machen.

Gute Aktion von den Antifas vor Ort! Lasst euch nicht abbringen davon auch solche Unternehmung durch das Nazipack zu unterbinden!


 

4. Sep. 2011, 14:45 Uhr

LeserInnenbrief von Ein ehemaliger Mitstreiter:

Liebes Azzoncao,

mit diesem Artikel habt ihr erneut gezeigt, dass euch regelmäßig die Rationalität flöten geht, wenn es um die Beurteilung der politischen Situation in Bochum geht. Seit Jahren saufen “unpolitischer” Metal-Kids in Bochum mit rechtsoffenen Leuten und Faschos und jetzt hat es ein überzeugter Neonazi geschafft, diese Kids mit einem populistischen Thema auf die Straße zu bringen. Selbst Leute, die sonst gegen Nazis sind, haben sich angeschlossen. Obwohl auf der Demo die Todesstrafe gefordert wurde und bei Facebook bereits im Vorfeld unmissverständlich gegen die Antifa gehetzt wurde. Diese Demo war die ekelhafteste Querfront-Mobilisierung der letzten Jahre in Bochum. Nichts daran ist zu befürworten, schon gar nicht, dass sich Jugendliche über Facebook organisieren. Nicht dann, wenn sie sich überzeugten Nazis dabei anschließen eine NPD-Kampagne indirekt zu supporten und für die Todesstrafe (scheißegal für wen!!!) auf die Straße zu gehen.

Das, was ihr hier tut, ist selbst für bundestweite Leute durchschaubar, die euch bisher zu Recht respektieren. So langsam denke ich, wird für viele vernünftige Leute, die in der BRD mit euch können klar, warum bei euch zu Hause niemand, wirklich niemand, mit euch kann. Weil ihr paranoide Hetze gegen die örtlichen Antifa-Strukturen betreibt. Ihr habt nach den Blockaden gegen “Pro NRW” versucht die psycho-soziale Struktur der AJB, bzw. was ihr dafür haltet, auf Indy “offenzulegen”. (Pubertierende Kids mit Geltungsdrang, etc, pp) Unzählige Hetzkommentare habt ihr gegen die Antirepressionsarbeit in Bochum veröffentlicht, die Antifa sei selbst schuld an der Polizeigewalt, wir sollten uns nicht so anstellen, wir seien doch nicht aus Zucker. Letztlich hieß es von euch, die AJB sei eine Gruppe aus Spitzeln und Denunzianten.

Ich für meinen Teil habe mir vor langer Zeit schon vorgenommen eure peinlichen Kommentare nicht mehr zu kommentieren und darauf zu warten, dass ihr entweder zur Vernunft kommt, oder euch selbst vollkommen die Reputation entzieht. Ihr seid gerade auf bestem Weg letzteres zu vollenden.

Liebes Azzoncao, eine Bitte,

macht euren Kram und lasst uns einfach in Friedem mit solchen schwachsinnigen Artikeln, die sowieso niemand ernst nimmt. Damit rettet ihr euer teilweise noch gutes Ansehen in manchen Städten und erspart uns und euch einiges an Nerven.

the harder they come, the harder they fall,

ein ehemaliger Mitstreiter


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