Freitag 26.08.11, 11:50 Uhr
Der DGB zum Thema Schulden und Reichtum:

Zwei Seiten einer Medaille

Der DGB Ruhr-Mark schreibt: »Die Berichte über die finanzielle Lage der Stadt macht den Menschen große Sorgen. Jetzt sollen mit Hilfe des Regierungspräsidenten 70 Millionen eingespart werden. Der Bochumer DGB hat sich die aktuellen Zahlen einmal genauer angesehen und kommt zu einem wichtigen Ergebnis. Auf der Basis der Daten des statistischen Bundesamt und der Banken liegen die Schulden in Deutschland mittlerweile bei mehr als 2 Billionen Euro und wachsen jede Sekunde um weitere 1.925 Euro. Eine Entwicklung, die bereits seit vielen Jahren in Gang ist und die immer wieder dazu benutzt wird, Schreckensszenarien an die Wand zu malen. Für Michael Hermund vom DGB eine nachvollziehbare Reaktion. „Selbstverständlich ist es bedrückend, wenn wir immer wieder davon hören, dass die Finanzlage erschreckend ist und die Handlungsräume, u.a. in der eigenen Stadt immer weiter eingeschränkt werden. So verständlich diese Wahrnehmung ist; sie zeigt leider nur eine Seite der Medaille.“
Mindestens genauso wichtig wäre es für den DGB-Vorsitzenden einen Blick auf die andere Seite zu werfen. So würde parallel zu den Schulden im Lande auch der Reichtum wachsen und zwar fast 4mal so schnell. Auf der Basis der gleichen Grunddaten steigt das Geldvermögen in jeder Sekunde um 7.400 Euro und liegt aktuell bei mehr als 5 Billionen Euro in Deutschland.
Hermund: „Wer diese Daten miteinander vergleicht, kann nur zu dem logischen Schluss kommen, dass die ständige Reduzierung auf den Schuldenabbau nicht durch weitere Kürzungen in allen möglichen Bereichen der sozialen Systeme und der Daseinsvorsorge vorgenommen werden darf und kann, sondern muss die starken Schultern der Vermögenden in Verantwortung nehmen.“
Für den DGB steht fest, es geht nicht um „sparen“. Denn Sparen kann nur wer Geld hat. Es geht um Abbau und Kürzungen. Von daher gehört die Wiedereinführung der Vermögenssteuer an vorderer Stelle auf die Tagesordnung. Er sieht sich dabei im Einklang mit fast 24.000 Menschen, die diese Forderung in einem Aufruf bereits unterzeichnet haben.
Einen Einblick in die aktuelle Entwicklung leistet ein Internet-Portal. Hier können sich Interessierte einen schnellen Überblick verschaffen können. Da es nicht nur die sattsam bekannten Daten der immer wieder zitierten Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes gibt, sondern auch einen Blick auf eine Reichtumsuhr ermöglicht. Diese Zahlen werden von den Medien wenig wahrgenommen, helfen aber das Bild abzurunden und verdeutlichen die gewerkschaftlichen Forderungen.
Hermund: „Auch im Hinblick auf die eigene Stadt kann hier Manches zur Klärung genutzt werden. Nicht weiter kürzen, sondern eine andere Politik in Berlin einfordern und auch in Düsseldorf mehr Druck machen, um die Finanzprobleme überhaupt lösen zu können.“«

 

1 LeserInnenbrief zu "Zwei Seiten einer Medaille" vorhanden:

LeserInnenbrief(e) zu "Zwei Seiten einer Medaille" als RSS


 

28. Aug. 2011, 11:00 Uhr

LeserInnenbrief von Lutz:

Es ist einmal ausgesprochen wohltuend, dass zumindest der DGB im Ruhrgebiet der Politik den Spiegel vorhält und damit auch die andere Seite ins Licht rückt, die eben nicht aus Schulden sondern aus wachsendem Reichtum besteht.

Schade nur, dass die Gewerkschaften sich in Deutschland nicht trauen, aus ihren eigenen richtigen Erkenntnissen auch die politischen Konsequenzen zu ziehen. Die da lauten sollten Mindestlohnforderung auf 10,00 € lohnsteuerfrei erhöhen und bei anstehenden Wahlen eine Wahlempfehlung für DIE LINKE abzugeben, die nämlich als einzige politische Kraft den Kernforderungen der DGB-Gewerkschaften in den Parlamenten Gewicht verleihen kann.


Terminmitteilungen bitte an
redaktion@bo-alternativ.de