Freitag 19.08.11, 17:17 Uhr
Der Opelbetriebsrat zu den geplanten Kündigungen

unverantwortlich und unsozial

Der Bochumer Opel-Betriebsrat erklärt in einer Stellungnahme: »Die Unternehmensleitung hat heute um 15.30 Uhr beim Bochumer Betriebsrat einen Antrag auf 89 betriebsbedingte Kündigungen eingereicht. Diesen 89 Bochumer Opelbeschäftigten wird im Rahmen einer betriebsbedingten Änderungskündigung ein neuer Arbeitsplatz im Opel-Werk Rüsselsheim angeboten. Sollte ein Wechsel nach Rüsselsheim nicht möglich sein, erhalten die Mitarbeiter eine betriebsbedingte Beendigungskündigung. Gemeinsam mit unserer Rechtsvertretung werden wir alles tun, um diese jetzt vorliegenden betriebsbedingten Kündigungen zu verhindern. Es bleibt dabei, was wir immer erklärt haben: „Wir werden jeder einzelnen dieser betriebsbedingten Kündigungen widersprechen.“ Wir können uns dabei auf die volle Unterstützung der IG Metall verlassen. Der Bochumer Opel-Betriebsrat hat diesen Personalabbau niemals akzeptiert. Nach wie vor halten wir diesen vom Unternehmen geforderten Personalabbau für unsinnig und unsozial.

Seit Beginn des Jahres haben bereits 1.400 Opelaner ihren Austritt bzw. ihre Eigenkündigung aus dem Bochumer Opel-Werk erklärt. Davon sind 150 bereits nach Rüsselsheim gewechselt. Damit haben die Bochumer erneut ihre große Bereitschaft zur Flexibilität bewiesen. Die Sozialauswahl für die jetzt vorliegenden 89 Kündigungen ist nicht plausibel, willkürlich und fehlerhaft. Diese Sozialauswahl hat die Unternehmensleitung einseitig vorgenommen. Die Zuordnung in 50 Vergleichsgruppen ist weder den Beschäftigten noch dem Betriebsrat bekannt und nicht überprüfbar.
Bei dieser dauerhaften Zwangsversetzung nach Rüsselsheim sind viele ältere, langjährige, und verdiente Opelaner dabei, zum Beispiel 50jährige oder seit 30 Jahren im Bochumer Opel-Werk beschäftigt, haben hier ihre Familien, berufstätige Lebenspartner, schulpflichtige Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige und ihr soziales Umfeld.
Die Kündigungen verstoßen gegen bestehende Vereinbarungen. Geregelt ist, dass vor dem Ausspruch von Kündigungen weitere Verhandlungen zur Beschäftigungssicherung geführt werden müssen. Dazu gehört auch eine Vereinbarung zur Arbeitszeit oder weitere Nutzung von Kurzarbeit. Die Weigerung, mit uns zu verhandeln, ist ein eindeutiger Rechtsverstoß.
Mehrfach wurde der geforderte Personalabbau in anderen Standorten deutlich reduziert. So kam es zu teuren Produktionsverlagerungen von Astra-Produktion nach Rüsselsheim, um Arbeitsplätze abzusichern. Diese Produktionsverlagerung führt wiederum dazu, dass die für Bochum lebensnotwendige Produktion des Astra-Sports-Tourer nicht zum Tragen kommen kann.
Der für Bochum geforderte Personalabbau ist nicht mehr zutreffend, da die Produktionszahlen deutlich steigen werden. So ist nicht erklärbar, dass einerseits fast hundert Bochumer Opelaner betriebsbedingte Änderungskündigungen erhalten und gleichzeitig zusätzliche Sonderschichten für die kommenden Wochenenden geplant werden.
In zahlreichen Werken sind inzwischen hunderte Leih- und Zeitarbeiter eingestellt. In Rüsselsheim arbeiten bereits über 1.000 Zeit- und Leiharbeiter, in Eisenach werden 200 Leiharbeiter für die Produktion des Opel-Junior gesucht. Im polnischen Opel-Werk Gliwice sind ca. 1.000 Leih- und Zeitarbeiter eingesetzt. Das lässt darauf schließen, dass der geforderte und zum Teil erfolgte Personalabbau deutlich überhöht war und jetzt durch die Beschäftigung von hunderten Leiharbeitern wieder korrigiert werden musste. Das wollen wir in Bochum verhindern.
Es bleibt dabei: Bisher gab es keine betriebsbedingten Kündigungen im Bochumer Opel-Werk und das muss auch so bleiben. Durch die jetzt vorliegenden Kündigungen bei Opel droht ein gewaltiger Imageschaden, denn Opel wäre der einzige Autobauer in Europa, der betriebsbedingt kündigt. Wir müssen über unsere guten Modelle reden und nicht über Kündigungen!«

 
 
 
 


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