Donnerstag 30.06.11, 19:03 Uhr
Interkulturelle Schulen: Modellversuche in Bochum

Den Schatz heben

Die Linksfraktion im Rat schreibt: »Interkulturelle Modellversuche in allen Schulstufen sollen Bochums Schullandschaft bereichern. Dazu fordert Die Linke im Schulausschuss erste Planungsschritte. Kernpunkt ihres Antrags ist die Förderung der Mehrsprachigkeit von Migrantenkindern. Sie sollen nicht nur Deutsch als Bildungssprache beherrschen, sondern auch in ihrer Muttersprache eine hohe Kompetenz erreichen. Bisher bleibt ihr Schulerfolg auch in Bochum hinter dem der Kinder mit deutscher Muttersprache zurück. „Nicht weil sie weniger begabt wären oder ihre Eltern desinteressiert”, erklärt Antragsteller Ralf Feldmann von der Linksfraktion. „Der Schatz der zweiten Sprache, den sie mitbringen, wird im Regelunterricht nicht gefördert. Das wollen wir ändern. Andere Städte geben uns gute Beispiele.”
Solche Erfahrungen, so der Antrag der Linken, sollen zunächst in einem „Workshop interkulturelle Schule” zur Basisinformation von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern zunächst vorgestellt und diskutiert werden. Dies soll mit einer Werbekampagne an den Schulen und einer Elternbefragung zum Wunsch nach Förderung der Mehrsprachigkeit im Regelunterricht verbunden werden. Ideal wäre es, wenn anschließend eine „Projektgruppe Interkulturelle Schule” ans Werk ginge: die Entwicklung eines interkulturellen Förderkonzepts von der Grundschule bis zum Abitur. Und wenn dabei viele Menschen mit eigener Migrationsgeschichte ihre Erfahrungen einbrächten.
„Interkulturelle Schulen”, so Ralf Feldmann, „können nicht von oben verordnet werden, sondern müssen von unten wachsen. Das Projekt fordert Lehrerinnen und Lehrer mit eigener Migrationserfahrung besonders heraus. Bilinguale Schulen mit einer verbreiteten Migrantensprache als Zweitsprache wären ein anspruchsvolles Ziel. Modelle mit Englisch und Französisch gibt es an Bochumer Sekundarschulen bereits. Warum sollte uns dies nicht bald auch mit Türkisch gelingen? Köln zum Beispiel hat deutsch/türkisch-bilinguale Grundschulen, die auch von Kindern mit deutscher Muttersprache besucht werden. In ersten Schritten könnte zunächst der muttersprachliche Ergänzungsunterricht in Grundschulen zu einem in den normalen Unterricht integrierten Sprachunterricht weiterentwickelt werden. Daran anschließend sollten sich Sekundarschulen finden, die dieses Angebot bruchlos in ihrem Regelunterricht fortsetzen. Und in der Sekundarstufe 2 zum Abitur muss ein anspruchsvolles bildungssprachliches Niveau in der Muttersprache erreichbar sein.”
Die Linke sieht sich dabei im Einklang mit der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen, sie fordert interkulturelle Schulen als Antwort auf die migrationsbedingte Vielfalt unserer Gesellschaft.«

2 LeserInnenbriefe zu "Den Schatz heben" vorhanden:

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1. Jul. 2011, 14:39 Uhr

LeserInnenbrief von Kosmopolit:

Schön das sich DIE LINKE. in Bochum für den herkunftssprachlichen Unterricht ausspricht.Die Zielvorstellung Bilinguale Schulen mit “einer verbreiteten Migrantensprache” einzuführen ist vage.Die Aussage deutsch/türkisch-bilinguale Grundschulen einzurichten ist dagegen deutlicher.
Angebote in Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Farsi, Griechisch, Italienisch, Koreanisch, Kroatisch, Kurmanci, Mazedonisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Tamil sowie viele weitere wären ebenfalls nötig, aber kommen in der Mitteilung nicht vor.
Muttersprachlichen Unterricht in Interkulturellen Schulen nur auf Türkisch zu beschränken, weil es eine “verbreitete” Migrantensprache ist wäre ein sehr einseitiger Schatz… .


 

1. Jul. 2011, 17:54 Uhr

LeserInnenbrief von Ralf Feldmann:

Kosmopolit hat völlig recht. Aber zweifellos ist Türkisch in Bochum die am meisten verbreitete Migrantensprache. Deshalb können wir hier schon mittelfristig am weitesten voran kommen. Die Förderung anderer Muttersprachen ist genauso wichtig. Die Wege dahin werden unterschiedlich, auch unterschiedlich schwierig sein. Aus meiner Sicht wäre das ein wichtiges Thema für eine Projektgruppe Interkulturelle Schule.
Sprache ist für die Person konstitutiv. Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. So steht es im Grundgesetz.
Ebenso der Gleichheitsgrundsatz. So sollten wir an das Projekt herangehen.

Ralf Feldmann


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